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Hanau will Schlaganfall-Schnelltestbekannt machen

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Die Stadt startet eine Kampagne für den sogenannten FAST-Test. Er soll helfen, Symptome richtig einzuordnen und Langzeitschäden zu verhindern.

Wenn jemand einen Schlaganfall erleidet, zählt jede Sekunde. Nur wenn er schnell behandelt wird, lassen sich bleibende Schäden, etwa Lähmungen, verhindern. Doch Laien erkennen die Symptome oft nicht, aus „Unkenntnis und Unsicherheit“, sagt Hildegard Geberth. Als die CDU-Stadtverordnete einmal im niederländischen Den Haag Bahn fuhr, sah sie eine Möglichkeit, dies zu ändern: Auf einem Plakat wurde der „FAST-Schnelltest“ erläutert, bildlich und verständlich. „Ich dachte sofort: Das brauchen wir in Hanau, auch weil hier Menschen aus vielen Nationen leben“, so Geberth.

F steht für Face, A für Arms, S für Speech, T für Time. Bei dem Test schaut man, ob jemand beide Mundwinkel zu einem Lächeln hochziehen, die Arme nach vorne strecken, halten und einen Satz nachsprechen kann. Hat er dabei Probleme, kann es sich um einen Schlaganfall handeln, weshalb man keine Zeit verlieren darf und umgehend die 112 wählen sollte. Geberth stellte im Parlament einen Antrag für eine Kampagne, die jetzt umgesetzt wird: In den Bussen der städtischen Hanauer Straßenbahn GmbH (HSB) ist auf Bildschirmen ein Video zum FAST-Test zu sehen; auf Bus-Heckklappen wurde ein Banner mit erklärenden Symbolen angebracht. Laut Verkehrsdezernent Thomas Morlock (FDP) will die HSB ihre Reichweite – rund 14 Millionen Fahrgäste pro Jahr – nutzen, um das Wissen zu verbreiten. Zudem wird auf der Internetseite der Stadt über den Test informiert. Die Kampagne solle ausgebaut werden, Unternehmen und andere Akteure seien aufgerufen sich zu beteiligen.

Hanau: Zahl der Fälle stetig gestiegen

Bundesweit sind jährlich etwa 270 000 alte und junge Menschen von Schlaganfällen betroffen. Zu den Risikofaktoren zählen Bluthochdruck, hohe Cholesterinwerte, Stress. Im Klinikum Hanau ist die Zahl der Fälle nach Angaben von Sven Thonke, dem Chefarzt der Klinik für Neurologie, stetig gestiegen, auf 1000 pro Jahr in der darauf spezialisierten Stroke Unit. Das Gehirn sei „das verletzlichste Organ“. Der Erfolg einer Therapie „hängt von der Schnelligkeit des Handelns ab“. So müssen Medikamente, die Blutgerinnsel auflösen, innerhalb von viereinhalb Stunden verabreicht werden. Das Klinikum darf nicht mehr als 30 Minuten vom Eintreffen bis zur Behandlung verstreichen lassen. Das gelinge nicht immer, weil einige Patientinnen und Patienten nicht mit dem Verdacht auf Schlaganfall kommen und nichts vorbereitet ist. Umso wichtiger sei es, den Test bekanntzumachen, so Thonke.

Hanau versucht, beim Umgang mit Schlaganfällen beispielgebend zu sein. Vor einem Jahr startete das Klinikum als hessenweit erstes sein Schlaganfall-Lotsen-Projekt. Wegen der hohen Rückfallquote von 20 Prozent unterstützen Lotsen die Betroffenen in der Nachsorge. Bei Treffen werden etwa Risikofaktoren identifiziert und Therapieziele gesetzt. Das Projekt wird evaluiert, bald sollen die Ergebnisse vorliegen.

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