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Hanau: „Wahrnehmung hinterfragen“

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Die Frage „Was ziehe ich heute an?“ ist nicht trivial.
Die Frage „Was ziehe ich heute an?“ ist nicht trivial. © Alexander Heinl/dpa

Kulturwissenschaftlerin Berit Mohr spricht im FR-Interview über Mode und Ausgrenzung. Am Donnerstag ist sie bei einer Veranstaltung im Historischen Museum Hanau zu Gast.

Berit Mohr hat sich unter anderem als Kostümbildnerin und Kulturwissenschaftlerin mit Kleidung und Identität auseinandergesetzt. Darüber, dass die Frage „Was ziehe ich heute an?“ nicht trivial ist, spricht Mohr am Donnerstag im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus und der Frauenwoche im Historischen Museum Hanau.

Frau Mohr, Sie haben sich intensiv mit Mode beschäftigt. Was fasziniert Sie daran?

Mode geht uns alle an: Wir haben alle etwas an. Mode hört jedoch nicht bei Kleidung auf. Als Kostümbildnerin am Theater habe ich gelernt, wie stark sie mit Rollen, Persönlichkeit, Körper und Bewegung zusammenhängt. Die kulturwissenschaftliche Perspektive hat mich dafür sensibilisiert, dass es bei Körpergestaltung – der Begriff ist umfassender als Mode oder Styling – auch darum geht, sich einer Gruppe zugehörig zu fühlen und dies zu zeigen – beziehungsweise darum, sich von einer anderen Gruppe abzugrenzen.

Der Titel Ihrer Veranstaltung lautet „Was hast Du denn an? Kleidung, Körper und Konflikte“. Wie entstehen letztere in Zusammenhang mit Mode?

Der Generationenkonflikt kann bekanntlich darin zum Ausdruck kommen, dass Jugendliche sich ganz anders als die Eltern kleiden. Und jeder hat wohl schon erlebt, was „overdressed“ oder „underdressed“ bedeutet. Wer zu einem speziellen Anlass nicht das trägt, was die Mehrheit der Gruppe erwartet, kann schnell ausgegrenzt werden.

Zur Person

Berit Mohr ist Kulturwissenschaftlerin, Mediatorin und Kostümbildnerin und arbeitet etwa für das Museum der Weltkulturen. Am Donnerstag, 10. März, 18 Uhr, spricht sie im Historischen Museum Hanau über „Kleidung, Körper und Konflikte“. Der Eintritt bei der Veranstaltung der Kulturregion Frankfurt/Rhein-Main und der Dext-Fachstelle ist frei. Perla Londole, Mitbegründerin der Black Community Foundation, musste als Referentin krankheitsbedingt absagen. Anmeldung unter museen@hanau.de. Weitere Veranstaltungen: www.wgr-hanau.de.

Welche Mechanismen zeigt dieses Beispiel?

Wir haben bestimmte Vorstellungen, ordnen in Kategorien ein und interpretieren dementsprechend, was wir wahrnehmen. Kategorien sind nicht per se negativ, sie helfen uns bei der Orientierung – können aber auch zu Diskriminierung führen. Ein Effekt, den People of Color oft erleben.

Inwiefern?

Noch viel stärker als bei Kleidung kann es bei Hautfarbe zu Zuschreibungen und Vorurteilen bis hin zu rassistischer Diskriminierung kommen. Darüber, wer eine Wohnung oder eine Stelle bekommt, entscheidet oft das Äußere oder der Name. Manche diskriminieren ganz bewusst, andere eher unterbewusst. Struktureller Rassismus ist tief verankert, weshalb es wichtig ist, dass wir alle unsere eigene Wahrnehmung und die Prozesse dahinter hinterfragen.

Was möchten Sie mit dem Vortrag und Gespräch erreichen?

Diskriminierung und Rassismus lassen sich durch solche Veranstaltungen allein natürlich nicht verhindern. Aber wir wollen das Bewusstsein für die Mechanismen schärfen, mit denen wir uns selbst und andere wahrnehmen und einordnen.

Interview: Gregor Haschnik

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