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Harald Leonhardt hat mehr als 30 Jahre bei der Sanierung von Gebäuden in der Altstadt von Steinheim beraten. Renate Hoyer
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Harald Leonhardt hat mehr als 30 Jahre bei der Sanierung von Gebäuden in der Altstadt von Steinheim beraten. Renate Hoyer

Hanau

Hanau: Ein Stadtteil legt Schmuddelimage ab und wird zur Perle

  • Detlef Sundermann
    VonDetlef Sundermann
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Harald Leonhardt leitete 30 Jahre die Steinheimer Altstadtsanierung. Nun geht er in den Ruhestand.

Hanau - Pittoreske, bis zu 500 Jahre alte Fachwerkhäuser, deren Fassaden zumeist tadellos in Schuss sind und in den warmen Monaten nicht selten mit Blumenkästen vor den Fenstern zusätzlich verschönert werden. Oder ein Kopfsteinpflaster wie zu Kaisers Zeiten verlegt, ohne Trottoir, machen die Steinheimer Altstadt zu einem historischen Kleinod. Bis Mitte der 1980er Jahre sah es dort jedoch alles andere als heimelig aus. Mit dem Stadtteilentwicklungsprogramm wurde 1985 eine große Sanierungslawine ausgelöst. Harald Leonhardt von der Deutschen Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft (DSK) begleitete das Projekt über 30 Jahre. Mehr als 50 Gebäude wurden instandgesetzt. Dieser Tage ist er in den Ruhestand gegangen und stellt rückblickend fest, dass bei dem Projekt - auch aus heutiger Sicht - fast nichts hätte besser laufen können.

Was Leonhardt 1984 als Altstadt innerhalb der Stadtmauer und der Vorstadt auf zusammen gut elf Hektar vorfand, war ernüchternd: ein Quartier mit Schmuddelimage. „Dort lebten die typischen Altstadtbewohner. Die Infrastruktur war überaltert und schwach, die Straßen waren in einem desolaten Zustand und die Wohnqualität war selbst für damalige Verhältnisse längst nicht mehr zeitgemäß“, beschreibt Leonhardt den Zustand.

Umbauten in Steinheim: Anfängliche Skepsis

Gleich zu Beginn stand das Projekt in Kooperation mit der DSK, die als Treuhänderin des Förderbudgets von Bund, Land und Stadt, als Bauaufsicht sowie als Beraterin für die Bewohner:innen - etwa beim Stellen von Förderanträgen - fungierte. Zunächst sei die Skepsis der Hausbesitzer groß gewesen, heißt es. „Das Eis begann zu brechen, als drei große Vorhaben starteten, die Sanierung von zwei Wohnhäusern in der Harmoniestraße und des Huttenhofs.“ Für zusätzlichen Antrieb habe dann die neugegründete Interessengemeinschaft Steinheimer Altstadt gesorgt.

Der studierte Bauingenieur und Stadtbauplaner war überdies in der Scharnierfunktion mit der Stadt. „Drei Oberbürgermeister, die alle lange im Amt waren, und acht Baudezernenten habe ich in den 30 Jahren erlebt“, sagt er. Das Konzept zur Altstadtsanierung sei dennoch kontinuierlich abgelaufen. Das hätten die Förderrichtlinien auch so verlangt.

Hanau gibt 45 Millionen Euro aus

Rund 45 Millionen Euro in Summe wurden ausgegeben. Hausbesitzer mussten bis zu einem Drittel der Kosten selbst zahlen, um aus dem Topf Geld zu erhalten. Manches der denkmalgeschützten Einzelprojekte habe vom Eigentümer viel Herzblut gefordert, für einige wenige sogar extrem viel, sagt Leonhard. So erging es einem jungen Paar, das in der Neutorstraße ein hübsches, sanierungsbedürftiges Fachwerkhaus erstand. Nach dem Entkernen zeigte sich, dass der veranschlagte Betrag von 400 000 Euro mindestens verdoppelt werden muss. In der Regel seien die Kosten jedoch trotz Unwägbarkeiten bei der Altbauinstandsetzung im Rahmen geblieben, so Leonhardt.

Mit zu den aufwendigen Vorhaben zählte laut Leonhardt die Zehntscheune mit ihrem zweigeschossigem Keller. Von dort soll es einen unterirdischen Gang unter den Main durch geben. Alles Legende, weiß man heute nach der Bauprüfung, sagt Leonhardt. Die miteinander zum Teil verbunden Keller der Altstadt, sind hingegen Realität. Studenten der Uni Darmstadt haben sie in einem Projekt kartiert. Mit dem Ergebnis, dass die Gewölbe zum Teil älter sind als die Häuser darüber.

Hanau: Keine Historisierung

„Es gab eine Gestaltungssatzung, aber keine Debatte über die Historisierung“, sagt Leonhardt. Ensemblelücken mit historisch anmutenden Neubauten zu füllen, schied daher aus. Stets sei es spannend gewesen, zu sehen, was mit dem Entfernen von Eternitplatten und Putz an Ursprünglichem zutage trat. Wenn sich ein Haus dann noch als Werk des frühen 20. Jahrhunderts herausstellte, „dann war es eben so“. (Detlef Sundermann)

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