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Auf dem umgestalteten Platz an der Wallonisch-Niederländischen Kirche ist ein begehbarer Stadtplan der Hanauer Neustadt entstanden.

Hanau

Hanau verbaut weißen Asphalt gegen heiße Sommer

  • Detlef Sundermann
    vonDetlef Sundermann
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Der Park an der Wallonisch-Niederländischen Kirche steht kurz vor der Fertigstellung.

Vorbei ist die Zeit, in der Graf Philipp Ludwig II. an der Wallonisch-Niederländischen Kirche auf eine schlichte Grünanlage und auf einen stark frequentierten Parkplatz schaute. Die Steinbüste des Regenten der einstigen Grafschaft Hanau-Münzenberg blickt nun auf frisch mit Naturstein gepflasterte Wege, markant abgesetzte Rasenrabatte mit Leuchtbändern, auf junge asiatische Schnurbäume und auf die verkleinerte Neustadt, die er vor gut 400 Jahren den calvinistischen Glaubensflüchtlingen zugestand. Die Neugestaltung des Platzes um die Wallonisch-Niederländische Kirche bildet den Endepunkt des über Jahre dauernden Städtebaulichen Dialogs zur Innenstadterneuerung.

Mit diesem Programm entstand neben dem lange von der Mehrheit der Hanauer Politik geforderten Einkaufszentrum am Freiheitsplatz, auch das Quartier um die Doppelkirche der Glaubensflüchtlinge wurde einer radikalen Kur unterzogen.

Die einst großen, vernachlässigten Gebäudeblocks an der Französischen Allee aus den 1950er- und 60er-Jahren mit vielen einfachen, aber günstigen Wohnungen, wurden geschleift um Platz für Neubauten zu machen, mit komfortablen Wohnungen zum Mieten und Kaufen. Der Umbau des kleinen Parks zu einem schicken Aufenthaltsraum steht in diesem Kontext. Die Kosten einschließlich Erneuerung der Straßen um das Geviert, betrugen laut Stadt rund 7,2 Millionen Euro. Geld gab es aus dem Förderprogramm Südliche Innenstadt in Höhe von gut zwei Millionen Euro.

Unumstritten war das Vorhaben nicht. Allein der Wegfall des Parkplatzes für 120 Fahrzeuge sorgte bei Quartierbewohnern, wie Wochenmarktbeschickern für Ärger, die ihre Kundschaft schwinden sahen. Protest schwoll auch an, weil auf dem Kirchplatz bis auf eine 50 Jahre alte Linde alle Bäume, laut Stadt zumeist im schlechten Zustand, gefällt wurden - 64 in der Summe. Zudem war kein Spielplatz geplant.

Weiß asphaltierte Straßen

In Bürgerforen arbeiteten Verwaltung, Bürgerinnen und Bürger an Flächengestaltung und Kompromissen. Für Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) stand danach fest, dass die große Mehrheit der Bevölkerung den neuen Platz besser finden wird. Dazu zählen etwa, dass immerhin wieder 43 Autostellplätze an der Straße entstanden sind und auf dem Platz 35 junge, klimawandelresistente Gehölze Schatten spenden. Der Spielplatz blieb gestrichen. „Der gesamte Platz ist als Spiel- und Bewegungsfläche zu verstehen“, erklärt Stadtrat Thomas Morlock (FDP). Große Zustimmung soll der begehbare, von Sitzen umrahmte Neustadtplan gefunden haben. Die Idee hatte der renommierte, in Frankfurt lebende Bildhauer Claus Bury bereits 1984. Die Kunst im öffentlichen Raum wurde nun auf 100 Quadratmetern verwirklicht.

Das Karree um die Doppelkirche kann zudem mit einer Novität aufwarten, die ihren Ursprung im Los Angeles haben soll: nahezu weißer Asphalt auf 6200 Quadratmetern Straße. Er soll in heißen Sommern des Klimawandels die Temperatur im Quartier erträglicher halten. Das Fachmagazin „Straße und Autobahn“ geht bei dem teuren Belag von einer Differenz von bis zu zehn Grad Celsius gegenüber herkömmlichem Asphalt aus. Allerdings könnte für die Parknutzer an hellen Tagen die Sonnenbrille zum Standardassessoir zählen - wie in Los Angels.

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