Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Laut Gutachten ist R. total egozentrisch und empathielos, aber kognitiv auf hohem Niveau. MIchael Schick
+
Laut Gutachten ist R. total egozentrisch und empathielos, aber kognitiv auf hohem Niveau. MIchael Schick

Hanau

Hanau: Vater des Attentäters wegen Beleidigung verurteilt

  • Gregor Haschnik
    VonGregor Haschnik
    schließen

Das Amtsgericht Hanau verhängt eine Geldstrafe in Höhe von 5400 Euro gegen den 74-Jährigen. Sein Auftritt während der Verhandlung macht fassungslos.

Hans-Gerd R. lässt am Mittwoch lange auf sich warten. Als der wegen Beleidigung angeklagte Vater des Hanau-Attentäters den Brüder-Grimm-Saal im Congress Park betritt, der wegen des großen Interesses zur Außenstelle des Amtsgerichts umfunktioniert wurde, ist es nach 11 Uhr. Der Prozess, der unter großen Sicherheitsvorkehrungen stattfindet, sollte um 9 Uhr beginnen, doch der 74-Jährige kam nicht, hatte sich in seinem Haus eingeschlossen. Richterin Judith Schlootz musste ihn von der Polizei rausholen und vorführen lassen.

Im Saal legt R. einen fassungslos machenden Auftritt hin, bei dem er Gericht und Staatsanwaltschaft ständig Verstöße - „Ich poche auf Rechtsstaatlichkeit!“ - vorwirft. Er verzögert, stört, provoziert, verunglimpft. Er lehnt seinen Pflichtverteidiger ab, gibt vor, schlecht zu hören, lässt ständig wiederholen. Bezeichnet Staatsanwalt Martin Links als „ Lakaien“ . Inszeniert sich und seine Familie als Opfer einer weit verzweigten Organisation, die für alle Morde am 19. Februar 2020 verantwortlich sei. Und geht in einer Pause mit wirrem Blick auf Newroz Duman - Sprecherin der Initiative 19. Februar, der Hinterbliebene der Opfer angehören - zu. Fragt aggressiv, ob sie auch alles verstanden habe. Er kenne sie aus den Medien.

Die Staatsanwaltschaft hat Hans-Gerd R. angeklagt, weil er in einer Anzeige Teilnehmer:innen einer Mahnwache als „wilde Fremde“ bezeichnete, darunter Angehörige der neun Menschen, die sein Sohn aus rassistischen Motiven erschoss. In anderen Schreiben nannte er das SEK Frankfurt „Terrorkommando“ und behauptete über OB Claus Kaminsky (SPD), dieser betreibe „Wählertäuschung“ , wolle „großmäulig, überheblich glauben machen, er stünde hinter der Demokratie“.

Nachdem während der Beweisaufnahme unter anderem R.s Briefe verlesen worden sind, sieht das Gericht die Beleidigungen als erwiesen an und verurteilt ihn zu einer Geldstrafe von 5400 Euro. Der 74-Jährige verlässt den Saal, ohne sich die Begründung anzuhören. Zur Sache hatte er sich auch in seinem letzten Wort kaum geäußert.

Links hatte deutlich mehr, 11 700 Euro, gefordert. Der Angeklagte sei rechtsextrem, vertrete rassistische Ansichten und wolle mit seinen Schreiben die Gesellschaft spalten, sagte er in seinem Plädoyer. Die Traktate spiegeln R.s Einstellung: Wiederholt ist dort von einer bedrohten „deutschen Rasse“ und einer herrschenden Kaste die Rede, die nicht das Wohl des Volkes im Sinne habe. „Fremde“ müssten sich „Deutschen“ unterordnen und „das Maul halten“.

Der forensische Gutachter Jürgen Wettig attestierte R. eine „wahnhafte Störung“ mit einer ausgeprägten Wut. Er fühle sich in jeder Hinsicht benachteiligt und von einer Geheimorganisation verfolgt. Gleichzeitig habe er einen exzessiven, nicht behandelbaren Drang entwickelt, dies zu bekämpfen, eine „Kampf-Paranoia“. Jeder könne demnach zum Feind werden. Der 74-Jährige sei aber weder kognitiv noch in seiner Einsichts- und Steuerungsfähigkeit beeinträchtigt und somit schuldfähig. Die Beleidigungen seien auf „rechtsextremes Gedankengut“ und Missachtung von Menschen zurückzuführen.

Die Familien der Opfer wollten den Prozess nicht vor Ort verfolgen. Sie erhielten derweil eine gute Nachricht: Der Streit im Untersuchungsausschuss des Landtags zum Anschlag ist beigelegt; in den ersten öffentlichen Sitzungen werden erst die Angehörigen gehört und nicht, wie zwischenzeitlich von der schwarz-grünen Koalition beantragt, Thomas Kubera, Polizeipräsident aus Hamm. Darauf einigte sich der Ausschuss.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare