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Gerichtsgebäude in Hanau. (Symbolbild)

Justiz

Hanau: Sieben Jahre Haft für Ex-Kommunalpolitiker gefordert

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Der 47 Jahre alte Mann muss sich vor dem Landgericht wegen gefährlicher Körperverletzung und Besitzes von Kinderpornografie verantworten.

Im Prozess gegen den Ex-Kommunalpolitiker Jens N. hat Staatsanwalt Oliver Piechaczek sieben Jahre Haft gefordert, unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung, sexuellen Missbrauchs und Besitzes von Kinderpornografie. Vor dem Landgericht sprach er von „lückenlosen Indizienketten.“ Piechaczek sieht es als erweisen an, dass der 47-Jährige an eine damals zwölfjährige Nachbarstochter Drohbriefe schrieb, um sie dazu zu bringen, mit ihm Sex zu haben. Ihre Aussage sei absolut glaubwürdig. N. habe ihr jahrelang nachgestellt und sie so psychisch gequält. Die Briefe wiesen „frappierende Parallelen“ zu anderen Schrieben von N. auf. 

Auf N.s Rechnern war kinderpornografisches Material. Es gehöre ohne Zweifel N,, darauf deute etwa eine sichergestellte Karte hin, die direkten Zugriff auf einschlägige Seiten ermögliche. 

Anfang 2018 habe N. seiner Noch-Ehefrau Nadine N. in Seligenstadt im Dunkeln aufgelauert, mit einem stumpfen Gegenstand auf sie eingeschlagen und sie „potenziell lebensgefährlich“ verletzt. Weil sich der Tötungsvorsatz nicht nachweisen lasse, rückte Piechaczek vom Vorwurf des versuchten Mordes ab. Dass N. der Vermummte war, stehe aber fest. Zwei Motive: die Trennung und der Sorgerechtsstreit. Die Überwachungskameras an seinem Haus in Langenselbold hätten N. in der Tatnacht nicht aufgezeichnet, weil er den Hintereingang benutzt habe. Das Auto, das N. zuvor gemietet hatte, sei am Tatort gesehen worden. 

Narzisstisch und gefährlich 

N. gab an, Anrufer hätten gedroht, seine Tochter zu vergewaltigen. Erst habe er Geld gezahlt, dann sollte er das Auto für den Erpresser mieten und in Langenselbold abstellen – nach Ansicht des Staatsanwalts eine Lüge. Alles spreche gegen eine Erpressung, etwa: Warum verständigte N. nicht die Polizei oder zumindest seinen Vater, einen Polizisten? 

Die Staatsanwaltschaft stimmte zu, die Verfahren bei den meisten Anklagepunkten vorläufig einzustellen, betonte aber, sie tue das – abgesehen vom Rechner-Diebstahl bei N.s Arbeitgeber, der wohl keiner war – nur, um den Prozess zu beschleunigen. 

Nebenklage-Anwältin Friederike Vilmar beantragte mindestens neun Jahre Gefängnis. Vilmar ist überzeugt, dass es ein Mordversuch war. N. habe gezielt gegen Nadine N.s Kopf geschlagen. „Wer so schlägt, will töten.“ Die Heimtücke sei offensichtlich. Aufgehört habe er nur, weil nebenan das Licht anging. Vilmar warnte: „N. ist brandgefährlich.“ Er sei narzisstisch, rücksichtslos und kognitiv hoch einzuschätzen. 

Verteidigerin Gabriele Berg-Ritter forderte Freispruch. Es gebe keinerlei Beweise. Keiner könne genaue Angaben zum Angreifer machen. Zudem fehle ein Beleg dafür, dass N. in jener Nacht das Haus verließ. Die Hintertür sei lange nicht benutzt worden und verstellt gewesen. Die Erpressung habe N. Angst gemacht, weil der Anrufer ihm exakt geschildert habe, was die Tochter anhatte. Die Briefe, die N. zweifelsfrei schrieb, seien korrekt geschrieben, nicht sexualisiert. Anders als die Drohbriefe. Und die Pornografie hätten andere auf den nicht passwortgeschützten Computer geladen.

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