Jung, gutaussehend und laut: Die Stompers beim Fototermin im Jahr 1958 Foto: Sugarfoot Stompers

Hanau

Hanau: Seit 63 Jahren im Jazz-Fieber

  • schließen

Die Sugarfoot Stompers veröffentlichen vierte CD. Das Konzert mit Sängerin Joan Faulkner haben sie vor 13 Jahren mitgeschnitten.

Hanau galt einst als Jazz-Hochburg. Übrig geblieben sind der Jazzclub mit seinem „Jazzkeller“ und die Sugarfoot Stompers. Ein „immerhin“ muss hinzugefügt werden. Die Formation besteht seit 63 Jahren. Alle Wechsel in der Besetzung hat nur Bassist und Mitbegründer Werner Bayer überstanden.

In der Reihe „Musikalisches Hanau“ der IG Hanauer Altstadt hat er jetzt einen Konzertmitschnitt vom 28. Oktober 2006 mit der Jazz-Sängerin Joan Faulkner auf CD herausgebracht, die vierte Platte der Stompers. Die Aufnahme sollte zum 50. Bandjubiläum im Laden zu kaufen sein, doch sie verschwand im Archiv.

Neben dem heute 78 Jahren alten Werner Bayer gehörten Peter Wichert, Dieter Becker und Jörn Hasselbaum zur ersten Besetzung. Allesamt um die 15 Jahre alt und Schüler an der Hohen Landesschule (Hola) in Hanau.

Wäre es nach ihrem Musiklehrer Heun gegangen, hätte es das Quartett nicht gegeben. Aus Heun sprach 1956 immer noch der Geist der NS-Diktatur. „Er bezeichnete den Jazz als Niggermusik“, sagt Bayer. Aufhalten konnte er die Musiker nicht. Der Jazz war stärker.

Sechs Bands gab es seinerzeit mit Schülern des Gymnasiums. Man probte wie die Stompers in der elterlichen Wohnung oder im Garten. Zwei Jahre später gab die Schule gegen den Widerstand von Heun den Jungjazzern mit einem Konzert ein Forum. „Man soll sich ehrlich bemühen, auch hinter das Geheimnis des Fremdartigen zu kommen und wird dann mindestens Fremdartiges achten“, schrieb der Kritiker einer Hanauer Lokalzeitung. Das war auch so ein ewig gestriger wie Heun, bemerkt Bayer.

Über die Jahre spielten rund 50 Musiker bei den Sugarfoot Stompers, die ihren Namen einem Song von Joe King Oliver entliehen, der darin die Zuckerrohrstampfer besang. Obwohl zeitweilig einige Berufsmusiker darunter waren, erreichte die bis zu achtköpfige Band nie das Profilager. Nach der Schulzeit stand für die meisten Studium, Ausbildung und der Beruf an. Bayer absolvierte eine Lehre zum Musikalienhändler, um das elterliche Geschäft zu übernehmen.

Chicago-Jazz, der gelegentlich in andere Stile mäanderte, bildet noch heute die musikalische Richtung. Die Anerkennung aus dem Profilager kam 1988 mit dem renommierten Pianisten Roland Schneider. „Er trat mit uns auf und schrieb Arrangements. Roland hat das Ansehen der Band in Musikerkreisen gestärkt“, sagt Bayer. Schneider, der 2015 verstarb, begleitete zudem internationale Stars und war ein gefragter Studiomusiker.

Auszeichnungen gab es für die zu einem Kulturträger avancierte Band etwa mit dem Kulturpreis des Main-Kinzig-Kreises und der Hanauer August-Gaul-Plakette 1997. Bei letzterer Ehrung waren Bayer und Wichert bereits heillos zerstritten. Wichert ging mit der New Orleans Connection eigene Wege. „Er ist beurlaubt, bis heute“, tut Bayer den damaligen Krach lässig ab. Man rede jedoch wieder miteinander, sagt er.

Bayer war und ist immer noch der Manager der Stompers. Das sei seinem Instrument geschuldet, erklärt er. Der Bassist steht auf der Bühne hinten, als Manager könne er sich jedoch nach vorne bringen. Den Kontrabass, hat er seinem Vater zu verdanken. „Ich war zehn Jahre alt, als der eines Tages beim Frühstück plötzlich sagte: Du lernst Bass!“, erzählt Bayer. Der Vater wollte mit den beiden Söhnen als Trio bei Festen auftreten, da waren die Klavierambitionen von Werner fehl am Platz.

Auch wenn die Band dem Rentenalter nah ist, ein Ende ist nicht abzusehen. Bayer steht weiterhin am Bass. Mit Ralph Himmler, Werner Lohr, Christoph Neubronner und Wolfgang Wüsteney betrage das Durchschnittsalter rund 55 Jahre, so Bayer. Damit befinden sich die Sugarfoot Stompers im Kreislauf der stetigen Erneuerung, wie der Jazz auch.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare