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Hanau

Hanau: Rassismus und Verschwörungstheorien

  • Gregor Haschnik
    VonGregor Haschnik
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Bald steht der Vater des Hanau-Attentäters wegen Beleidigung vor Gericht. Bei Behörden fiel er jedoch schon viel früher auf.

Wenn Hans-Gerd R. am Mittwoch um 9 Uhr vor dem Amtsgericht steht, wird das öffentliche Interesse enorm sein. Der Prozess findet nicht im Justizzentrum, sondern im Congress Park statt, der viel größere Säle bietet. Dabei ist das Delikt, das dem 73-Jährigen vorgeworfen wird, Alltag an Gerichten: Beleidigung. Es wird meist zügig verhandelt und mit einer Geldstrafe, selten mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr geahndet.

Doch weil Hans-Gerd R.s Sohn Tobias am 19. Februar 2020 aus rassistischen Motiven neun Menschen ermordete und ein enges Verhältnis zu seinem Vater hatte, wird das Verfahren aufmerksam verfolgt. Und weil die von der Staatsanwaltschaft Hanau angeklagten Aussagen einen Einblick in R.s Einstellungen geben. Neben zwei Zeugen ist ein forensischer Sachverständiger geladen.

Hans-Gerd R. soll in einer Anzeige Menschen, die in der Nähe seines Hauses eine Mahnwache abhielten, als „wilde Fremde“ bezeichnet haben. Gegenüber dem Generalbundesanwalt habe er das SEK Frankfurt als „Terrorkommando“ und „Terroreinheit“ bezeichnet und dem Amtsgericht über OB Claus Kaminsky (SPD) mitgeteilt, dieser betreibe „Wählertäuschung“, wolle „großmäulig, überheblich glauben machen, er stünde hinter der Demokratie“.

Die Fälle stammen aus diesem Jahr. Auch wenn dies nicht justiziabel war, so fiel Hans-Gerd R. bei Behörden schon viel früher auf: Als etwa sein Sohn 2004 bei der Polizei Anzeige wegen Bespitzelung durch einen Geheimdienst erstattete, tat der Vater dies nach FR-Informationen ebenfalls und bekräftigte seine Überzeugung, die ganze Familie R. werde bespitzelt, in einer Vernehmung sowie Briefen an den Polizeipräsidenten. Er beklagte zudem, dass die Aufarbeitung inakzeptabel sei.

Die Korrespondenz mit der Stadtverwaltung füllt allein für den Zeitraum 2016 bis 2017 Hunderte von Seiten. Es geht unter anderem um die Vollstreckung eines Bußgelds, nachdem der Sohn geblitzt worden war. Hans-Gerd R. legte wegen eines angeblichen Rechtsfehlers – in Schreiben habe der zweite Vorname von Tobias R. gefehlt – Beschwerde ein. Später kamen diverse Dienstaufsichtsbeschwerden hinzu. 2017 beantragte er in der Verwaltung einen Schutzhund, um sich gegen „Ausländer“ zu wappnen, weil es täglich Übergriffe auf Hanauer Bürger:innen gebe. Und er soll gefordert haben, von „Deutschen“ bedient zu werden. Zu seiner Frau habe er sinngemäß gesagt: „Stell dir mal vor, jetzt arbeiten hier Afrikaner, Polen und Türken!“

Beim Kommunalen Center für Arbeit sollen allein 2010 rund 80 Verfahren, darunter Klagen und Berufungen, gezählt worden sein, bei denen R. teils als Bevollmächtigter des Sohnes aufgetreten sei.

In Zusammenhang mit den Attentaten werfen die Angehörigen der Opfer dem Vater zumindest psychische Beihilfe vor und haben eine entsprechende Strafanzeige gestellt, die der Generalbundesanwalt bearbeitet. Dieser bestätigt auf Anfrage den Eingang. Weitere Angaben könne er derzeit nicht machen. Die Hinterbliebenen sind überzeugt: Der Vater habe den Sohn intensiv beeinflusst und dessen rassistisches, von Verschwörungstheorien geprägtes Weltbild befördert.

Hans-Gerd R. wies bislang alle Vorwürfe gegen ihn und seinen Sohn klar zurück. Sie seien Opfer, nicht Täter: Ein weltweit aktiver Geheimdienst habe sein Kind getötet und die weiteren Morde verübt. Den Sicherheitsbehörden wirft der 73-Jährige etwa unterlassene Hilfeleistung vor, der Stadt Volksverhetzung, wegen der Gedenkstätten für die Getöteten. gha

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