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Blick auf das Schloss Steinheim in Hanau.

Hanau

Hanau plant den Kreisaustritt - Studie stützt die Pläne der Stadt

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„ProjektStadt“ ermittelte bessere Chancen für gezielte Entwicklung von Stadt und Land.

Die Herausforderungen des ländlich geprägten Main-Kinzig-Kreises und der Fast-Großstadt Hanau „unterscheiden sich signifikant“, bräuchten spezielle Lösungen. Ein Austritt Hanaus aus dem Kreis wäre daher auch unter dem Aspekt der Raumordnung richtig. Für die Mittelzentren bedeutete er weniger Konkurrenz durch Hanau sowie die Chance, stärker zu werden und mehr mitzugestalten.

Dies sind drei von zehn Kernthesen, welche die Studie „Raum im Wandel – Zwei starke Partner in der Region am Beispiel der Kreisfreiheit Hanau“ aufstellt. Die am Montag präsentierte Untersuchung wurde im Auftrag des Magistrats von der „ProjektStadt“, der mehrheitlich landeseigenen Gruppe Nassauischen Heimstätte/ Wohnstadt (NH), erarbeitet. Auf 90 Seiten legt die ProjektStadt, die sich mit kommunaler Entwicklung befasst, ihren Fokus nicht auf gesetzliche oder finanzielle Gesichtspunkte, sondern auf die „raumordnerische Debatte“, so Projektleiter Daniel Winter. Er nimmt damit vor allem Bezug auf das vom Land Hessen ausgegebene Ziel, in allen Landesteilen gleichwertige Lebensbedingungen zu schaffen. Dies, so ein weiterer Befund, sei mit der Auskreisung langfristig – bis 2040 – möglich.

Zu den vielen Unterschieden zwischen Stadt und Kreis zählt Winter folgende: Während Hanau eine Arbeitslosenquote von sieben Prozent und viele Langzeitarbeitslose hat, liegt die Quote im Kreis bei unter 2,5 Prozent. Während Hanau auch wegen der angespannten Lage auf dem Frankfurter Wohnungsmarkt viel Zuzug verzeichnet, gibt es im ländlichen Teil des Kreises Leerstand.

Die Interessen Hanaus und des Kreises seien weit voneinander entfernt, was Entscheidungen erschwere, aber auch die Nutzung von Förderprogrammen, etwa für Langzeiterwerbslose oder den ländlichen Raum. Der Tenor: Eine Auskreisung würde die Lebenswirklichkeit mit den Strukturen von Verwaltung und Politik in Einklang bringen, so dass sich Probleme konzentrierter bearbeiten ließen.

Ein besonderes Augenmerk legt die Studie auf die Mittelzentren, die in Hessen in der Regel um die 20 000 Einwohner haben. Kürzlich war bekannt geworden, dass das Wirtschaftsministerium die Zahl der Mittelzentren prüfen und einige eventuell zu Unterzentren abstufen will, was zu finanziellen Kürzungen führen würde. Winter und seine Kollegen gehen davon aus, dass Städte wie Maintal oder Bad Orb ihre Funktionen ohne Hanau besser ausbauen, ihr Profil schärfen können, um als starke Mittelzentren Teil der angestrebten „neue Entwicklungsachse Frankfurt-Fulda“ zu werden.

Die damals von OB Claus Kaminsky (SPD) kritisierte Verlegung des Kreissitzes nach Gelnhausen im Jahr 2005 bezeichnet die Studie als „weitsichtige thematische Schwerpunktverschiebung in den ländlichen Raum“. Ebenso konsequent sei es gewesen, dass sich Hanau verstärkt am urbanen Raum Frankfurt/Rhein-Main ausgerichtet habe.

Dass neben Hanau weitere Sonderstatusstädte – also jene, die einem Kreis angehören, aber viele Aufgaben in Eigenregie übernehmen – kreisfrei werden wollten, sei nicht zu erwarten. Dafür seien etwa Gießen oder Bad Homburg zu weit weg von der 100 000-Einwohner-Marke, die als Richtwert gilt.

Knapp 50 000 Euro hat die Stadt laut Kaminsky für die Arbeit der ProjektStadt bezahlt. Er sieht sich in den Ergebnissen darin bestätigt, dass die Kreisfreiheit für alle Beteiligten eine Chance sei. Marion Schmitz-Stadtfeld, die bei der ProjektStadt die Integrierte Stadtentwicklung leitet, sagt, die Studie sei neutral, habe den Interessensausgleich im Fokus. Sie verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) NH-Aufsichtsratschef ist.

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