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„Unicorn“: Pfeffermühle für einzelne Körner.

Kultur

Pfeffermühlen als einzigartige Kunstobjekte

  • Gregor Haschnik
    vonGregor Haschnik
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Isabelle Enders ist neue Stadtgoldschmiedin. Sie schafft unverwechselbare Alltagsgegenstände.

Diese Pfeffermühlen sind im besten Sinne ungewöhnlich, merkwürdig: Die mit dem Namen „Kolibri“ etwa, 80 bis 120 Zentimeter lang, lackiertes Messing, Stahlmahlwerk. Zielsicher. Und so lang, dass es leichter ist, damit Pfeffer zu geben als zu nehmen, was das Miteinander am Tisch fördert. Oder die Mühle „unicorn“, vergoldet, elf mal drei Zentimeter groß, die stets ein Korn aufnimmt – und bewusst macht, wie viel das eigentlich ist.

Isabelle Enders hat die Kunstobjekte geschaffen, die aus der „Norm“ fallen. Doch „was ist das eigentlich? Weshalb sehen Alltagsgegenstände oft gleich aus, obwohl der Spielraum unendlich ist?“, fragt die Silberschmiedin. Ihre Werke sind praktisch, „aber auch eine Metapher“. Es geht um unseren Umgang mit Dingen, um Rituale, Kommunikation und um Überraschungsmomente.

Enders, die nach ihrer Ausbildung zur Silberschmiedin an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg studierte, ist zur 9. Hanauer Stadtgoldschmiedin gewählt worden. Am Donnerstag erhielt die freischaffende Künstlerin von OB Claus Kaminsky (SPD) ihre Urkunde. Die gebürtige Miltenbergerin folgt auf Silvia Weidenbach, zu deren Besonderheiten die Kombination digitaler und traditioneller Techniken zählt. Enders, Jahrgang 1979, hat die Jury um Christianne Weber-Stöber, die Leiterin des Deutschen Goldschmiedehauses, unter anderem mit ihrer einzigartigen Gestaltung von alltäglichen Gegenständen und Geräten überzeugt.

Im Sommer 2021 kommt Enders nach Hanau

Die mit 15 000 Euro dotierte Auszeichnung wird seit 2004 alle zwei Jahre von der Stadt Hanau, der Staatlichen Zeichenakademie und der Gesellschaft für Goldschmiedekunst vergeben. Im Sommer 2021 wird Enders für sechs Wochen nach Hanau kommen, an der Zeichenakademie arbeiten, lehren und öffentlich von ihrer Arbeit erzählen. Danach wird eine große Ausstellung mit ihren Werken zu sehen sein.

Ursprünglich wollte Enders, die „schon immer viel gezeichnet“ hat, das Silberschmieden als Sprungbrett für ein Bühnenbild-Studium nutzen, war aber schnell fasziniert von dem Handwerk. Etwa davon, mit traditionellem Werkzeug, wie vor 1000 Jahren, Tafelgerät zu fertigen. Die Fähigkeit baute sie in der Werkstatt von Stefan Epp auf der Insel Reichenau aus, wo die Künstlerin zudem Kirchengerät restaurierte. Später studierte Enders noch Kunst und Öffentlicher Raum. Sie ist eine Grenzgängerin, die auch konzeptionell arbeitet, Installationen schafft, mit 3-D-Druck arbeitet.

Auf die „großartigen Möglichkeiten“ als Stadtgoldschmiedin freue sie sich, sagt die Nürnbergerin. Im Goldschmiedehaus habe sie sich regelmäßig Ausstellungen angeschaut. Den Zeichenakademie-Schülern möchte sie neue Perspektiven bieten. Von vorgefertigten Plänen hält sie nicht viel, sondern setzt auf „Offenheit und Gruppendynamik“.

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