Hanau

Mehr Geld und kostenfreies Schwimmen

  • Gregor Haschnik
    vonGregor Haschnik
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Die Stadt Hanau wirbt um Kita-Fachpersonal und folgt bei der Bezahlung Frankfurt und Offenbach, auch weil sich der Mangel an Kräften in Zukunft verschärfen könnte.

Weil es fast überall in Hessen an Erzieherinnen und Erziehern mangelt, konkurrieren Kommunen um Personal, gerade in den Ballungsräumen. In den vergangenen Jahren zog die Stadt Hanau oft den Kürzeren; teilweise wurden bereits Auszubildende abgeworben, etwa von Trägern aus Frankfurt, wo die Bezahlung bislang besser war.

Künftig will Hanau mit Hilfe einer „Einstellungsoffensive“ mehr erfahrene Kräfte gewinnen und Azubis halten, hat der zuständige Dezernent, Bürgermeister Axel Weiss-Thiel (SPD), kürzlich angekündigt. Dazu gehört den Angaben zufolge vor allem eine etwas bessere Bezahlung: Die Fachkräfte steigen von der Entgeltgruppe 8 a im Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst – Sozial- und Erziehungsdienst in die 8 b auf. Für Berufseinsteiger bedeutet dies 62,89 Euro brutto mehr im Monat, für Beschäftigte mit 16 Jahren Erfahrung 452,73 brutto mehr. Die Aufstockung gilt für Kitas der Stadt Hanau und anerkannte freie Träger. In den 28 städtischen Einrichtungen sei mit Mehrkosten von rund 1,2 Millionen Euro zu rechnen, in den anderen werde das Plus über die städtische Betriebskostenförderung aufgefangen.

Hanau, wo der Schritt von Verdi und den Beschäftigten schon lange gefordert wurde, zieht im Vergleich mit Frankfurt und Offenbach nach. Neben einer Werbekampagne gehören zusätzliche Leistungen zu der Offensive, etwa kostenfreies Mitarbeiterschwimmen, kleinere Gruppengrößen als gesetzlich vorgesehen, bessere Fortbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten, flexible Arbeitszeitgestaltung, Ausbau der Ausbildungskapazitäten sowie ein geplantes Jobticket. Damit „fühlen wir uns für die zukünftigen Personalbedarfe in Konkurrenz zur Region gut gerüstet“, so Weiss-Thiel. Ziel sei es, das Personal von 408 auf 510 Vollzeitstellen aufzustocken und die Zahl der Betreuungsplätze bis zum Jahr 2025 von 5100 auf 5700.

Laut einer 2019 veröffentlichten Bertelsmann-Studie müssten in Hessen 8000 zusätzliche Erzieherinnen und Erzieher eingestellt werden, um eine kindgerechte Betreuung sicherzustellen.

In Hanau führt der Personalmangel dazu, dass der Bedarf an Betreuungsangeboten nicht gedeckt werden kann: 2019 fehlten im U3-Bereich ungefähr 150 Plätze, in den Gruppen für Drei- bis Sechsjährige rund 100 Plätze.

Und es droht ein noch größerer Mangel, weil die 98 000-Einwohner-Stadt wächst wie kaum eine andere hessische Kommune. Eine von der Stadt in Auftrag gegebene Studie des Gewos-Instituts für Stadt-, Regional- und Wohnforschung kommt zu dem Ergebnis, dass bis 2030 in Hanau 5445 neue Wohneinheiten entstehen. Die Jugendhilfeplanung geht davon aus, dass bis 2030 1000 weitere Betreuungsplätze für Kinder bis sechs Jahre notwendig sein werden.

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