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Sonst nähen die Schneiderinnen edle Roben, jetzt schicke Masken.

Hanau

Hanau: Masken statt Kostüme

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Die Festspiel-Schneiderei stellt wegen Corona um: Masken werden produziert und verkauft, um Schutz zu geben und Geld für den Fonds der Spiele zu sammeln. 

Wenn von den Höhepunkten der Brüder-Grimm-Festspiele die Rede ist, gehören die von Ulla Röhrs entworfenen und ihrem Team geschneiderten Kostüme immer dazu. Jetzt, nach der coronabedingten Absage der Spiele, hat die mehrfach preisgekrönte Kostümschneiderei ihre Produktion umgestellt. Auf Masken. Damit man andere und sich damit zumindest etwas schützen kann. Und weil im Festspieletat eine riesige Lücke klafft. Am heutigen Mittwoch und am Samstag werden die sogenannten Hanau-Masken für fünf Euro auf dem Wochenmarkt erhältlich sein.

Das Geld ist für einen Fonds bestimmt, der die fehlenden Einnahmen so weit wie möglich kompensieren soll. OB und Kulturdezernent Claus Kaminsky (SPD) schätzt, dass das Defizit im hohen sechsstelligen Bereich liegen wird, weil ein großer Teil der Kosten trotzdem anfalle.

Ausfall trifft Künstler: „Unmöglich, etwas anderes zu finden“

Zuletzt wurde das Budget auf gut 1,5 Millionen Euro beziffert, wobei die Stadt 375 000 Euro beisteuerte. Insgesamt kamen rund 80 000 Zuschauer.

Der Ausfall trifft besonders die Künstler, die ihre Zeit für die Festspiele verplant hatten. Viele von ihnen arbeiten ohnehin für relativ wenig Geld. Wegen der aktuellen Lage sei es „unmöglich, etwas anderes zu finden“, sagt ein Ensemblemitglied. Die Situation sei furchtbar, weil auch andere Engagements geplatzt seien.

Die Stadt Hanau hat nun erklärt, die Verträge mit dem Ensemble würden „weitgehend“ erfüllt. Darauf haben die Betroffenen aus juristischer Sicht auch Anspruch. Über die Höhe der Zahlung könnte man sich streiten. Auf FR-Anfrage teilt die Stadt mit, dass sie die mit den 37 Künstlern vereinbarten Summen zu 100 Prozent auszahle. Gleiches gelte für schon gelieferte oder erbrachte Leistungen anderer Gewerke. Mit anderen, etwa den für den Ton zuständigen Leuten, werde noch an Lösungen gearbeitet.

Mehrere Sponsoren zahlen trotz Absage

Die Macher um Intendant Frank-Lorenz Engel hoffen auf eine anhaltende Unterstützung für die Festspiele. Jeder Euro helfe, auch „damit wir 2021 wieder die gewohnte Qualität bieten können“, sagt Engel. Mehrere Sponsoren, darunter der Technologiekonzern Umicore, haben schon angekündigt, trotz Absage zu zahlen. So kommt ein fünfstelliger Betrag rein. Das Land Hessen und der Kulturfonds Frankfurt/Rhein-Main hätten signalisiert, „einen Großteil“ ihrer Zuschüsse zu leisten. Zudem läuft eine Spendenaktion, bei der man über Frankfurt-Ticket „virtuelle“ Karten erwerben kann. Bislang wollten nur wenige Festspielinteressierte ihr Geld für bereits gekaufte Karten zurück. Eine Statistik dazu liege aber noch nicht vor, heißt es. Im Vorverkauf waren nach Angaben der Stadt rund 32 000 Tickets abgesetzt worden.

Schauspieler Detlev Nyga, der seit 20 Jahren in Hanau mitwirkt, bezeichnet die Honorarzahlung und die Zusagen von Unterstützern als „große Hilfe“ und „Zeichen der Solidarität, die Hoffnung machen“.

Im Netzgibt es Mitschnitte von den Spielen: www.hanaudaheim.de.

Von Gregor Haschnik

Die Stadt Hanau hat wegen Corona eine Maskenpflicht erlassen. Geschäftsinhaber und Kunden stellen sich auf die strengen Auflagen ein. 

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