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Land- und Amtsgericht in Hanau.
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Land- und Amtsgericht in Hanau.

Hanau/Großkrotzenburg

Hanau: Lebenslange Haft wegen Mordes

  • Gregor Haschnik
    VonGregor Haschnik
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Weil er seinen Mitbewohner in einer Flüchtlingsunterkunft in Großkrotzenburg wegen eines nichtigen Anlasses getötet hat, ist ein 34-jähriger Angeklagter jetzt verurteilt worden.

Wegen Mordes aus niedrigen Beweggründen hat das Landgericht Hanau den 34-jährigen Abdiqadir M. am Freitag zu lebenslanger Haft verurteilt. Darüber hinaus wurde vorbehalten, später eine Sicherungsverwahrung anzuordnen. Das Gericht, das damit dem Antrag von Staatsanwalt Oliver Piechaczek folgte, hält es für erwiesen, dass der Angeklagte im Januar 2021 in einer Großkrotzenburger Flüchtlingsunterkunft seinen Mitbewohner Niaz A. erstach – nach einem Konflikt um die Dusche, die der Angreifer wieder mal nicht saubergemacht hatte.

Die Urteilsverkündung wurde für etwa 30 Minuten unterbrochen, weil M. sich unwohl fühlte und unter anderem über Schwindelgefühle klagte. Nachdem er untersucht worden war und sich sein Zustand gebessert hatte, wurde der Prozess fortgesetzt.

Richterin Susanne Wetzel sagte, Abdiqadir M. habe beim Töten einen „unbedingten Vernichtungswillen“ gezeigt, den wohl auch der Frust über seine Lebenssituation befördert habe. Das „Missverhältnis zwischen Anlass und Tat“ sei eklatant – selbst wenn man zugrunde legte, dass der 34-Jährige sich durch A.s Aussage „Das darfst du nicht. Wir sind hier in Deutschland“ provoziert gefühlt habe. Zu diesem Zeitpunkt drohte er dem 25-Jährigen bereits mit dem Messer.

Es gebe „keinerlei Anhaltspunkte“ dafür, dass der aus Somalia geflüchtete Mann in seiner Steuerungsfähigkeit eingeschränkt war oder im Affekt handelte. Zweimal habe er den Mord mit den Worten „Ich werde ihn töten!“angekündigt und dann äußerst zielgerichtet gehandelt.

Gleich der erste Stich ins Herz sei tödlich gewesen. Obwohl danach klar zu erkennen war, dass der 25-jährige Niaz A. schwerste Verletzungen erlitten hatte, verfolgte Abdiqadir M. den in Richtung Notausgang Flüchtenden und versetzte dem Afghanen weitere Stiche. A. versuchte vergeblich, die Fluchttür zu öffnen. Sie war kaputt, wie ein Schreiben des Amts für Gefahrenabwehr des Main-Kinzig-Kreises belegte. Damit wurde ein Vorwurf bestätigt, den Bewohner der Unterkunft erhoben hatten.

Allerdings, betonte Wetzel, hätte das Opfer wegen der so gravierenden Stiche auch bei einer intakten Tür so gut wie keine Überlebenschance gehabt. Das Geschehen und die Umstände in der Unterkunft werden Justiz und Öffentlichkeit dennoch länger beschäftigen. Gegen frühere Gemeindemitarbeiter, die die Vorwürfe zurückweisen, laufen mehrere Ermittlungsverfahren, etwa wegen Körperverletzung und Vorteilsnahme.

Zudem muss kritisch aufgearbeitet werden, dass es höchst riskant und letzten Endes fatal war, M. in einer Sammelunterkunft unterzubringen: Bevor er nach Großkrotzenburg kam, war er im Gefängnis, weil er in einem Maintaler Flüchtlingsheim nach einem Streit um die Zimmerbeleuchtung auf einen Mitbewohner eingestochen hatte. Wetzel sprach gar von einer Art „Blaupause“ für die zweite Tat. Ein Grund, weshalb sie die Sicherungsverwahrung ermöglichte. M. könnte einen Hang zu solchen Taten haben und für die Allgemeinheit gefährlich sein.

Bei ihrer Bewertung stützte sich die Kammer vor allem auf Gutachten der Sachverständigen sowie Aussagen von Zeugen, die weitgehend glaubwürdig und nur teilweise von Emotionen überlagert worden seien, sagte Wetzel, wofür sie angesichts der Betroffenheit der Bewohner Verständnis zeigte.

Die Verteidigung hatte für eine Verurteilung wegen Totschlags plädiert, auch weil ihr Mandant vor der Tat ausgegrenzt und eingeschüchtert worden sei. Sie kündigte an, Revision einzulegen.

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