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Eine hohe Wand soll die Anwohner vor Lärm schützen.

Hanau

Lärmschutzwand mit Design

  • Detlef Sundermann
    vonDetlef Sundermann
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Die nordmainische S-Bahn wird eine sichtbare Schneise durch Hanau ziehen. Die Stadt soll nun gemeinsam mit der Bahn eine Lösung finden, um Lärmschutz und Optik unter einen Hut zu bringen.

Mit dem Bau der nordmainischen S-Bahn wird durch Teile von Hanau eine sichtbare Trennungslinie aus bis zu sechs Meter hohen Schallschutzwänden gezogen. Die sich über knapp zwei Kilometer hinziehende Dämmung gegen den Bahnlärm, vor allem wegen des mit dem Ausbau steigenden Güterverkehrs, hatte bereits bei der Planoffenlegung zu Einwänden geführt. Der Schutz sei nicht ausreichend, hieß es etwa. Damit der Lärmschutz nicht zu einem optischen Desaster ausartet, haben Stadt und Bahn nunmehr eine Vereinbarung unterzeichnet, dass die Stadt bei der Gestaltung der Wände mitbestimmt. „Hanau hat sich mit diesem Konzept zum bundesweiten Referenzprojekt entwickelt“, notiert Gerd-Dietrich Bolte, Leiter Großprojekte Mitte bei der DB Netz AG.

Die übliche Alu-Lochblechwand, wie sie bereits in Wilhelmsbad am neuen Wohnquartier auf dem Gelände der ehemaligen Bekleidungsfabrik Philipp aufgestellt ist, soll in der Innenstadt nicht den Blick versperren. Wie sich der Lärmschutz visuell verträglich in den Stadtraum einfügen lässt, soll nun eine Projektstudie aufzeigen, ebenfalls Teil der Vereinbarung. Hierzu werden etwa Örtlichkeit, Sichtachsen, Wirkung und der Denkmalschutz einbezogen, heißt es von der Stadt. Letzteres hatte bereits bei der Planung für den historischen Bahnhof Wilhelmsbad für Diskussion gesorgt, der hinter Mauern zu verschwinden drohte.

Die Strecke

Die Nordmainische S-Bahn befindet sich seit mehr als 30 Jahren in der Planung, es geht um zwei zusätzliche Gleise.

Im Sommer erfolgten weitere Offenlagen etwa in Frankfurt und Maintal zum Schall- und Erschütterungsschutz.

Laut Lärmaktionsplan sollen rund 600 Maintaler und 3000 Hanauer Bürger besonders unter dem nächtlichen Lärmpegel an der Strecke leiden. sun

Laut Stadt sind nach einer Grundlagenanalyse drei Designlinien erarbeitet worden. „Die Designlinien zeigen beispielhaft auf, wie die Lärmschutzwände durch die Kombination verschiedener Materialien und Farben sowie Vorbegrünung und Vorbauten abwechslungsreich gestaltet werden können“, erläutert Stadtrat Thomas Morlock (FDP). Die Vorschläge seien „interessante Impulse“. Finale Details sollen erst mit Vorstellung der Studie genannt werden, heißt es auf Nachfrage.

Fest steht hingegen, dass die Sonderanfertigungen teuerer kommen als die grün lackieren Standardlochrasterwände der Bahn. „Generell hat die Stadt über einen ‚normale‘ Lärmschutzwand hinausgehende Mehrkosten zu tragen“, heißt es auf Anfrage. Allerdings gibt man sich dort zuversichtlich, dass sich ob des Referenzcharakters die Bahn daran beteiligt.

An sensibleren Orten wegen der Optik auf den Schutz zu verzichten, lässt der Gesetzgeber nicht zu. Die Bahnlinie Frankfurt/Ost-Maintal-Hanau besteht zwar seit 150 Jahren und ohne Schallschutz, mit dem Ausbau um zwei Gleise wird der jedoch zur gesetzlichen Auflage. Für die rund 9300 (laut Stadt) betroffen Anwohner, ist die Nordmainische S-Bahn deshalb auch in dieser Hinsicht ein Gewinn. Beim Planungsverfahren gab es auch Stimmen, die mehr einen lückenlosen Schallschutz forderten. Besonders problematisch sind die Abend- und Nachtstunden, dann ist die Lärmobergrenze niedriger und es rollen mehr laute Güterzüge über die Gleise. Das „besonders überwachte Gleis“ soll zudem Abhilfe schaffen, indem lärmende Schienen geschliffen werden.

Laut der Verkehrprognose 2025 steigt die Zahl der Güterzüge nach dem Ausbau um 50 Prozent auf 122 pro Tag, davon rund 40 in der Nacht. In einer früheren Mitteilung der Bahn heißt es, dass mit der Lärmschutzwand an einigen Stellen der Strecke nicht die Grenzwerte garantiert würden. In solchen Fällen sollen die Wohnungen von betroffenen Anwohnern mit einem passiven Schallschutz ausgestattet werden, etwa mit Lüftereinbau, damit Fenster geschlossen bleiben können. Inwiefern das noch zutrifft, ist derzeit noch offen.

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