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Streets of London, das Geschehen zwischen alten Pracht- und heutigen Bürobauten zeigen die Fotografien von Morag Hall.

Hanau

Hanau: Kunststationen mit Ansichten zum Innehalten

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Die Großauheimer Kunststationen sind eröffnet, in drei Galerien und einem Museum kann man die Werke zum Thema Selbstreflexion betrachten.

Gleichwohl es kein offizielles Motto gibt, greifen die Künstler der drei beteiligten Galerien der diesjährigen Großauheimer „Kunststationen“ das Thema Selbstreflexion auf. Die vierte Kunststation ist auch wieder das Museum Großauheim. Dort werden in einer Sonderausstellung Skulpturen und Grafik des Aachener Bildhauers Matthias Kohn präsentiert. Kohn ist der Gewinner beim Wettbewerb um das August-Gaul-Denkmal, das im Oktober fertig sein soll. Am Samstag begann die 22. Auflage der Kunststationen, die bis 15. September dauern. Die Nähe der Ausstellungsorte lädt zu einem wechselvollen Rundgang ein.

Die Galerie Neunauge lässt den Besucher in ferne Sphären blicken. „From Outer Space“ lautet der Titel der Arbeiten in Acryl. Zum 30-jährigen Bestehen der Künstlergalerie zeigen Angelika und Yochen Schwarz eigene, aktuelle Arbeiten. Galaktische Nebelwolken, wie sie weltraumstationierte Teleskope als Fotografien liefern, bilden die Motive von Yochen Schwarz Gemälden in Acryl. „10 000 Lichtjahre von zu Hause“ oder „Aus einer anderen Welt“ heißen die farbexplodierenden Bilder. Der Betrachter soll inspiriert werden, in anderen Dimensionen zu denken, seinen winzigen Standpunkt zu erkennen. „Vielleicht tun sich dann schneller Lösungen zu den drängenden Problemen auf“, sagt Schwarz.

Eine ähnliche Intention verfolgt auch Stefan Stichler. Seine Motive sind Alltagssituationen, die jedoch mehr inszeniert als reportagenhaft wirken wie etwa von Gustave Caillebotte oder Edward Hopper. Die Frau, die barfüßig, offenbar wartend neben einem schaukelnden Kind steht und sich dabei auf eine riesige Tischlerschraubzwinge stützt, die im Idyll befremdlich und symbolhaft ist. Skizzen und Fotografien bilden hierzu die Vorlagen, sagt Stichler. Körperhaltungen nehmen besonders sein Interesse ein. Das Dargestellte soll wie eine Stopp-Taste fungieren, um über sich nachzudenken. „Der Dauerbeschuss von Bildern und Konsum lässt uns vergessen, was wir eigentlich wirklich wollen.“ Auch wenn die Arbeiten des 47-Jährigen Banales zeigen, enthalten sie Informationen, die sich in ihrer Tiefe nicht sofort erschließen. „Man muss die Bilder nicht immer gleich verstehen“ sagt Stichler, der die Auseinandersetzung mit dem Sujet stets fordert. So auch in einem anderen Gemälde, in dem eine Frau versunken vor einer Schneiderpuppe kniet, daneben lange, schwarze Handschuhe. Und dann wieder Schraubzwingen, die diesmal Bodendielen halten.

Die in Colombo, Sri Lanka, geborene Schottin Morag Hall zeigt in der Galerie Fototreppe 42 Street-Fotografie und sorgt erstmal mit dem Titel „Londoneye“ für Irritation. Es ist nicht die Touristenattraktion, das Riesenrad an der Themse, gemeint. Das Londoneye ist Hall selbst, die über 30 Jahre hinweg bei Besuchen in der Stadt, in der sie einst wohnte, das Leben und die Straßen dokumentiert. „Ich liebe die Straßen dort und die Bewegung darin“, sagt die heute in Nidderau lebende Künstlerin. „Mit den Fotografien versuche ich, das Gefühl der jeweiligen Zeit, das Tempo von Verkehr und Menschen zu vermitteln.“ Die Nachdenklichkeit und Sozialkritik in ihren Schwarzweiß-Aufnahmen ergeben sich mit dem Wandel, etwa als neue Büro- und Appartementblöcke alte Wohnviertel fraßen. Hall: „Das war für mich der Anlass, mit der Street-Fotografie zu beginnen.“

Weiterführende Websites:

www.museen-hanau.de
www.galerie-neunauge.de
www.galeriefototreppe42.de
www.kunstraum69.de

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