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Auch am vierten Adventswochenende ist der Hanauer Weihnachtsmarkt gut besucht - die Kunsthandwerker im Kulturforum allerdings klagen über zu wenige Besucher. 

Hanau

Verärgerte Aussteller auf dem Hanauer Künstlerweihnachtsmarkt

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Der Künstlerweihnachtsmarkt in Hanau leidet wegen eines Umzugs ins Kulturforum unter einem Besuchereinbruch.

Das Gute ist, wir können uns kostenlos Bücher ausleihen“, sagt Jürgen Riebe. Eine Option, auf die der Kunsthandwerker in den vergangenen vier Wochen gerne verzichtet hätte, um sich die Zeit totzuschlagen. Viel lieber hätte der Mann seine Keramik im modernen Landhausstil wie in den Vorjahren reichlich an die Frau und den Mann gebracht. „Es ist eine mittlere Katastrophe. Ich gehe mit einem deutlichen Minus nach Hause“, sagt Riebe, der seine Werkstatt im südhessischen Bickenbach hat. In das Kulturforum seien nur die ganz Eisernen gekommen, Stammkunden. Die Neukunden und damit potenziellen Käufer für das wichtige Nachgeschäft seien weggeblieben, beklagt er.

Der bisherige Standort des Künstlerweihnachtsmarktes im historische Rathaus am Marktplatz war in diesem Jahr für die Aussteller nicht zu bekommen. Das Gebäude wird grundlegend saniert und umgebaut. Als Ersatzstandort fungierte das gut 250 Meter entfernte Kulturforum am Freiheitsplatz mit der Stadtbibliothek, wo sich die Verkaufsfläche über drei Etagen verteilte. Damit waren die Kunsthandwerker auch einen Straßenzug vom eigentlichen Weihnachtsmarkt entfernt. „Die zu kleinen und zu wenigen Plakate zum Künstlerweihnachtsmarkt hat kaum ein Mensch gesehen. Es hätten Banner seien müssen, damit es die Leute leicht finden“, sagt Riebe.

Künstlerweihnachtsmarkt Hanau: In den Abendstunden kamen nur wenige Besucher

Zufriedener mit ihrem Umsatz, aber nicht mit der Werbung sind die Gold- und Silberschmiedin Sabine Themme-Bauer aus Maintal und ihre Standnachbarin Linda Jung, eine Textildesignerin aus Mühlheim. „Vor allem in den Abendstunden kamen wenige Besucher“, sagt Jung. Vom Treiben auf dem Weihnachtsmarkt habe man nicht profitiert. Zudem sei es an den beiden ersten Sonntagen im Kulturforum ziemlich tot gewesen. Selbst zum Programm der geöffneten Bibliothek sei kaum Publikum gekommen. Das haben sich erst am dritten Advent gebessert. Die beiden Künstlerinnen bemängeln überdies die Ortsangabe in der Werbung. „Viele auswärtige Kunden konnten mit dem Begriff ‚Kulturforum‘ nichts anfangen“, berichtet Themme-Bauer von Besuchern, die die Örtlichkeit erst nach Mühen fanden.

Dass der Hanauer Weihnachtsmarkt im nächsten Jahr wieder einer der wichtigsten Umsatzbringer der Kunsthandwerker im Jahr sein wird, glauben die Befragten kaum. Denn im Dezember 2020 werden die Bauarbeiter weiterhin im historische Rathaus zugange sein, teilt die Stadt mit. Jürgen Riebe will daher sein Kommen von der Werbung abhängig machen.

Hanau: Weihnachtsmarkt-Beschicker auf dem Marktplatz zufrieden

„Alles in allem sind wir zufrieden“, heißt es hingegen von den Beschickern auf dem Marktplatz. „Es hätte weniger verregnet sein können, aber am Wetter können wir ja nichts ändern“, sagt Lara Reichert aus Langenselbold, Chefin des großen Schwenkgrills. Das Familienunternehmen betreibt parallel auch einen Grill auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt. „Dort gibt es fast nur Laufkundschaft. Die Hanauer sind dagegen ein sehr treues Publikum“, lobt sie. Und es scheue sich nicht, bei Regen etwa in der Mittagspause auf einen Imbiss vorbeizukommen. Reichert kennt sogar die kulinarischen Vorlieben ihrer Stammgäste. Denn nach dem Weihnachtsmarkt steht sie mit ihrem Grill, der schon seit zwei Generationen angeheizt wird, auf dem Hanauer Wochenmarkt.

„Mein großes Sortiment hat für einen zufriedenstellenden Umsatz gesorgt“, sagt Hanauer Thomas Kreisel an seiner Verkaufsbude, wo es von Backutensilien bis Weihnachtsdeko alles gibt. In der Regel laufe das Geschäft bis zum vierten Advent. „Dann wird schon für die Vorweihnachtszeit 2020 gekauft, etwa Plätzchenausstecher“, sagt Kreisel. „Schneekugeln gehen auch noch bis zum letzten Tag“, sagt er mit einem Lächeln. Für manch einen sei es ein kleiner Traum von einer weißen Weihnacht.

Von Detlef Sundermann

Hanau hat den Zuschlag für den "Flussgott" bekommen. Die Skulptur von Maja Thommen wird in Steinheim zur Erinnerung an 700 Jahre Stadtrechte vor der Kulturhalle aufgestellt.

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