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Kein Klebstoff, kein Nagel, das Pflanzgerüst ist aus zwei Teilen zusammengesteckt.
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Kein Klebstoff, kein Nagel, das Pflanzgerüst ist aus zwei Teilen zusammengesteckt.

Hanau

Hanau: Kein Plastik mehr zum Schutz von Jungbäumen

  • Detlef Sundermann
    vonDetlef Sundermann
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Das Forstamt nutzt aus Umweltschutzgründen neuartige Sprossengestelle aus Holz

Sie sind ein richtiger Hingucker, die filigran wirkenden, hüfthohen Holzgestelle mitten im Wald, auf ein paar Hundert Quadratmetern, dicht an dicht. Was auf Kunst im Forst schließen lassen könnte, ist ein neuer waldgerechter Fege- und Verbissschutz für Tausende rund 20 Zentimeter große Setzlinge, aus denen einmal stattliche Bergahorne, Eichen und Esskastanien werden.

Das Forstamt Hanau-Wolfgang soll zu den ersten in Hessen zählen, das auf die üblichen grünen Kunststoffwuchshüllen verzichtet und stattdessen den hölzernen Schutz verwendet. Mit dem wachsenden Aufforstungsprojekten wegen Waldverlusten etwa durch Klimawandel und Borkenkäfer wird der Kunststoffschutz vor Wildverbiss und Geweihreiben zunehmen zum Problem.

Revierförster Volker Ahrend blickt über die kleine Lichtung am Weg, die seit einigen Wochen „Morgen-Wald“ heißt und von den Stadtwerken Hanau gestiftet worden ist. „Bei einer größeren Fläche würden wir einen Schutzzaun ziehen, aber hier lohnt sich der Einzelschutz der Pflanze“, sagt Ahrend.

Für den Förster ist vorstellbar, dass der Verbissschutz aus Holzsprossen wie die Setzlinge zur Zukunft im Forst zählen könnte. „Das sieht im Wald nicht nur besser aus als die grünen Rohre. In zehn Jahren, wenn die Bäume Mannshöhe erreicht haben, sind die Gestelle verrottet, niemand muss sich um den Abbau kümmern“, sagt Ahrend. Zudem sei das Aufstellen einfach. Das Pflanzgerüst wird in zwei Teilen geliefert. Nach dem Einstecken in den Boden wird zum Halt oben ein Holzriegel auf zwei Zapfen gelegt. Kein Kleber, kein Nagel und keine Schraube hält die Sprossen, alles ist gesteckt. Mit dem Verrotten bleibe nichts Waldschädliches übrig, so Ahrend.

Ein solchen Versprechen habe in der Vergangenheit auch manch Anbieter von Kunststoffpendants geben. In der Praxis habe sich das jedoch nicht bestätigen können. Laut Ahrendt ist beim Kunststoffschutz zudem nicht auszuschließen, dass Mikroplastik in den Waldboden gelangt. Für die Forstwirtschaft sei aber auch der Kostenaspekt wichtig. Zwar sei der Sprossenschutz mit 3,25 Euro pro Stück im Einkauf deutlich teurer als die Kunststoffhülle, jedoch gleiche sich der Mehrpreis aus, wenn Abbau und Recycling einkalkuliert würden.

Der Sprossenschutz kommt aus dem schwäbischen Albstadt von Bernd Schairer, von Beruf Schreiner und Forstwirt mit Erfahrung im Aufforsten. Die Sprossenschützer stellte er 2016 bei einer Erfindermesse in Nürnberg vor. Für seinen Geistesblitz erhielt er die Silbermedaille und im vergangenen Jahr die Patenturkunde. „In Hessen sind wir beim Forstamt Hanau-Wolfgang gestartet“, sagt Schairer. Zwei Gedanken hätten hinter seiner Erfindung gestanden, sagt er. Zum einen die Risikominderung bei den Kosten und zum anderen der Umweltschutz. Für die Produktgruppe der Plastikhüllen gebe es keine DIN-Norm, die Herkunfts- und Materialnachweise verlange. Das kann Schairer hingegen bieten. Das Holz, Esche und Esskastanie, kommt aus der Region, die Sprossenschützer baut die Lebenshilfe Zollernalb im Auftrag.

Schwer abbaubares Plastik

Dass Plastik um Jungbäume nicht mehr in die Zeit passt, wurde auch an anderer Stelle erkannt. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat im vergangenen Jahr an die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe hierzu einen Forschungsauftrag vergeben, der bis 2023 läuft und an dem nun seit elf Monaten die Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg am Neckar arbeitet. Laut Sebastian Hein werden hierbei vier von der Forstwirtschaft geforderte Kriterien berücksichtigt: Herstellung aus nachwachsenden Rohstoffen, vollständige biologische Abbaubarkeit im Waldboden, mindestens Funktionsgleichheit mit herkömmlichem Wuchsschutz und eine ausgeglichene Ökobilanz bei der Produktion.

Die bisherigen, schwer abbaubaren Plastikproduke aus verschiedenen Kunststoffen stünden in der Kritik und spielten bei den Aufforstungsprogrammen von Setzlingen im zweistelligen Millionenbereich eine sehr bedeutende Rolle, heißt es in der Projektbeschreibung.

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