Hanau

Geschichtsverein 1844 Hanau feiert sein Jubiläum

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Der Geschichtsverein 1844 Hanau feiert sein Jubiläum, mit einem Festakt mit Joachim Gauck. Ein „wachsames Auge“ soll auf das Museumskonzept geworfen werden.

Der Vormärz, die Revolutionsjahren, das Wiedererstarken des Absolutismus‘, der deutsche-deutsche und der deutsch-französische Krieg, gefolgt von den monströsen Ersten und Zweiten Weltkrieg und danach der Wiederaufbau von Hanau: 175 Jahre reicht die Zeitspanne dieser Ereignisse zurück, die auch in der Stadt Spuren hinterlassen haben. Seit so vielen Jahren werden diese vom Hanauer Geschichtsverein (HGV) 1844 beharrlich gesammelt, dokumentiert, publiziert oder in Vorträgen vergegenwärtigt. Zudem wird in Arbeitsgemeinschaften in Themenfeldern geforscht. Am kommenden Wochenende wird das Jubiläum mit Mitgliedern und Ehrengästen gefeiert, mit Altbundespräsident Joachim Gauck als Festredner.

Ein Pfarrer, Kaufleute und andere Personen der bürgerlichen Gesellschaft zählen zu den Gründungsväter. Am 18. September 1844 kam es zur konstituierenden Sitzung, nicht in Hanau, sondern in Gelnhausen. Vermutlich, weil die Turnerbewegung um August Schärttner die Stadt bereits zu einem politisch heißen Pflaster gemacht hatte und damit jede Vereinsgründung suspekt war. Es war zunächst ein Zweigverein des Hessischen Vereins für Geschichte. Erst mit dem 50. Jahrestag wurde der HGV eigenständig. Der Erhalt der Gelnhäuser Kaiser-Pfalz und die Zeit Napoleons mit der Schlacht im Lamboywald bestimmten die anfänglichen Aufgaben, erzählt Michael H. Sprenger, der heutige Vorsitzende.

Der Verein hatte bis 1945 auch eine zentrale Funktion zur Sicherung der Stadtgeschichte. „Hanau hatte bis nach dem Krieg kein städtisches Museum“, sagt Vorstandsmitglied Jürgen Opfermann. Der überwiegende Teil der Exponate im Historischen Museum Schloss Philippsruhe sind daher Dauerleihgaben des HGV und des Museumsvereins. Der Geschichtsverein besitzt etwa einer der bedeutetesten Sammlungen an Fayencen.

Mit 532 Mitgliedern hat der HGV wieder einen historischen Höchststand erreicht, heißt es von Vorstand.

In fast allen Hanauer Museen ergänzen Leihgaben des Hanauer Geschichtsvereins 1844 die Ausstellungen, von Schloss Philippsruhe bis hin zum HessischenPuppen- und Spielzeugmuseum.

Das „Neue Magazin“ wird als Vereinsorgan mit Aufsätzen und Vereinsaktivitäten jährlich herausgegeben. Die aktuelle Ausgabe ist 330 Seiten stark. Thematische Werke werden etwa unter dem Titel „Hanauer Geschichtsblätter“ publiziert, neu in der Reihe ist die Arbeit von Stadthistoriker Markus Häfner zu Altbürgermeister Eugen Gebeschus.

Der HGV wäre um ein leichtes um manches kostbares Objekt reicher, hätte die Bombardements auf die Stadt im Zweiten Weltkrieg nicht zu einer Zäsur beigetragen. Einen Einschnitt anderer Art gab es mit Beginn der Nazi-Diktatur. Der Verein wurde gleichgeschaltet, war fortan ein „Führerverein“. Mitglieder des Vorstands hätten daraufhin ihr Amt niedergelegt und es erst nach dem Krieg wieder aufgenommen, um den Verein neu aufzubauen, so Opfermann.

In der Neuzeit fungiert der HGV keineswegs als Gedächtnis und Hüter von Archivalien zur Stadtgeschichte. Er gibt sich ebenso mal als Berater etwa im Denkmalbeirat der Stadt, mal als Förderer, damit die regionale Geschichtsforschung eine Zukunft hat, etwa als Jurymitglied bei der Ausschreibung für den Hanauer Stadthistoriker oder den eigenen, erstmals 2018 vergebenen Nachwuchsförderpreis Anton Calaminus, benannt nach dem Pfarrer im Gründungskomitee. Mit einer Arbeitsgruppe wird der Kontakt zu Schulen gehalten.

Bei der aktuellen Umsetzung des Museumskonzeptes ist der HGV bis zu einem bestimmten Grad involviert. Dies betrifft etwa die Schaffung eines Zentraldepots, in dem die historischen Schätze von allen Hanauer Museen und Geschichtsvereinen untergebracht werden. Zurzeit sind die Depots über das Stadtgebiet verteilt. Eine Lagerstätte müsse nun aufgegeben werden, heißt es zu den Gründen. „Mit dem Zentraldepot verändern sich die Eigentumsverhältnisse nicht“, betont Opfermann. Der HGV muss nun seine Archive in ein einheitliches EDV-System einpflegen.

Mit Ungewissheit blickt man hingegen im Verein auf Schloss Philippsruhe, das seit 1967 das Historischen Museum der Stadt ist. „Wir werden ein wachsames Auge darauf haben, in welche Richtung es geht“, sagt Sprenger. Notfalls werde man die Leihgaben wieder zurückholen. Der Weggang von Katharina Bechler habe auch den HGV überrascht, heißt es. Es habe eine gute Kooperation bestanden. „Der Verein würde es sehr begrüßen, wenn das Haus bald wieder eine Leitung hat“, so Sprenger.

Vorerst ist jedoch der Fokus ob des Jubiläums auf den kommenden Sonntag gerichtet. „Es ist in erster Linie eine Feier für unsere Mitglieder“, sagt Sprenger. Weniger aus einem eilitären Gedanken heraus, sondern wegen der Kosten. Auch für einen Altbundespräsidenten sind die Sicherheitsvorkehrungen noch hoch und teuer. Ohne Sponsoren geht es dennoch nicht. Rund 340 Gäste werden im Congress-Park erwartet. Der Vorstand habe die Idee gehabt, Gauck nach 2009 erneut nach Hanau zu holen. „Es ist ein Jubiläum, das politisch Wirkung haben soll“, heißt es zu Rednerauswahl. Sprenger sieht darin einen Brückenschlag zur Gründungsepoche. Gaucks Vortragstitel lautet: „Freiheit und Demokratie - wir Bürger im Staat“.

Termine zu Veranstaltungen und weitere Infos unter www.hgv1844.de.

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