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Auf Rädern gegen Rassismus – die Demonstration zum Gedenken an die Mordopfer des Anschlags in Hanau.
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Auf Rädern gegen Rassismus – die Demonstration zum Gedenken an die Mordopfer des Anschlags in Hanau.

Hanau

Hanau: Hunderte zeigen Solidarität mit Anschlagsopfern

  • Detlef Sundermann
    VonDetlef Sundermann
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In Hanau erinnern mehr als 600 Menschen bei einer Radfahrt an die rassistischen Morde. Erneut wird Kritik am hessischen Innenminister Beuth laut.

Die drückende Sommerhitze hielt am Samstag laut Polizei an die 650 Radler:innen aus der Rhein-Main-Region und darüber hinaus nicht davon ab, mit ihrer Teilnahme an der Sternfahrt Solidarität mit den Opfern und Hinterbliebenen des rechtsextremistischen Anschlags am 19. Februar 2020 zu demonstrieren. Mit rund 400 Radler:innen kam der größte Tross aus Frankfurt, der „Widerstand überall – Hanau ist kein Einzelfall“ skandierte. Die meisten der Teilnehmenden am „Stern für Hanau“ folgten dem Aufruf der Organisatorin, die Initiative 19. Februar, ein T-Shirt mit den Abbildung der Mordopfer - Ferhat Unvar, Hamza Kurtovic, Said Nesar Hashemi, Vili Viorel Paun, Mercedes Kierpacz, Kaloyan Velkov, Fatih Saraçoglu, Sedat Gürbüz und Gökhan Gültekin – zu tragen. Am späten Abend des 19. Februars 2020 hatte ein 43-Jähriger in der Innenstadt und in einem Stadtteil aus rassistischen Motiven insgesamt neun Menschen erschossen.

Bei der Kundgebung auf dem Freiheitsplatz, auf der auch Hinterbliebene sprachen, wurden erneut Vorwürfe gegen die Polizei und den hessischen Innenminister Peter Beuth (CDU) laut. Beklagt wurde etwa, dass nach 16 Monaten die Morde immer noch nicht aufgeklärt seien. Die Angehörigen der Getöteten warteten auch weiterhin auf eine Erklärung, warum der Notruf nicht funktioniert habe oder der schon zuvor den Behörden mit seinen wirren Weltansichten auffällig gewordene Attentäter nicht rechtzeitig gebremst worden sei.

Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) wertete das Kommen der Radler:innen als „Ausdruck von Solidarität und Nächstenliebe, als gemeinsame Verantwortung, dass der Tag und vor allem die Opfer nicht vergessen werden“. Kaminsky betonte, dass es gelte, sich „gemeinsam diesen Ungeist“, den es nicht nur in Hanau gebe, täglich entgegenzustellen. Das vermisst der OB in gewissen Maße bei der Politik in Wiesbaden bei der Tataufklärung und dem Umgang mit den Hinterbliebenen, etwa dass sich Innenminister Beuth kurz nach der Tat nicht die Zeit genommen habe, eine Stunde mit den Angehörigen zu sprechen. Es entstehe der Eindruck, dass was unter den Teppich gekehrt werden solle, so der OB. Der aktuelle Zustand sei „unerträglich für die Angehörigen und ihre Trauerarbeit“. Dazu trage obendrein die „unwürdige Diskussion“ in Wiesbaden über den Opferfonds bei. Die Stadt habe die Landesregierung aufgefordert, die Absicherung so zu bemessen, dass die Hinterbliebenen am Ende nicht zu einem Fall für die Sozialhilfe würden, sagte Kaminsky.

„Die hessische Landesregierung macht einen so schlechten Job, dass es schlechter nicht geht“, sagte Christina Büttner von der Opferberatung Ezra, Thüringen. Es sei an der Zeit, die Forderungen der Angehörigen zu erfüllen und sie nicht mit dem Ausfüllen von vielen und komplizierten Formularen zu Bittstellern zu degradieren. Auf diese Weise würden sich die Verfahren über Jahre hinziehen, so Büttner.

Mehr Bildungsarbeit forderte Robert Weißenbrunner, IG-Metallchef Südhessen. Die Gewerkschaft unterstütze daher die antirassistische Bildungsinitiative von Serpil Unvar, Mutter des ermordeten Ferhat, sagte er. Seit den 1990er Jahren seien mehr als 300 Menschen wegen ihrer äußeren Merkmale von Rechtsextremisten getötet worden. „Mit den Hanauer Morden ist der Höhepunkt erreicht, dem wir mit allen demokratischen Kräften entgegentreten müssen“, so Weißenbrunner.

Dass hierbei ebenso der hessische Staat in die eigenen Reihen blicken muss, machte OB Kaminsky deutlich an dem jüngsten Skandal des Spezialeinsatzkommandos (SEK) der hessischen Polizei, bei dem dieser Tage erneut eine rechtsextreme Chatgruppe aufgeflogen ist, per Zufall. Dreizehn Beamte aus dieser Gruppe hatten in der Tatnacht Dienst. Eine Aufklärung der Morde durch Rechtsradikale, das sei eine „weitere Dimension des Schreckens“, so der OB. Für ihn und andere bei der Kundgebung ist dieser Skandal ein weiterer Grund für eine Rücktrittsforderung an Innenminister Beuth.

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