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Die Stadt Hanau setzt ein Zeichen gegen Rassismus. 

Hanau/Wächtersbach

Nach Schüssen in Wächtersbach: Hanau setzt Zeichen gegen Rassismus

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Nach dem Mordanschlag auf einen Geflüchteten in Wächtersbach veranstaltet das Bündnis „Solidarität statt Spaltung“ eine große Kundgebung.

Hanau – Mit einer Kundgebung, Info-Ständen und Musik will das Bündnis „Solidarität statt Spaltung“ an diesem Freitag, 16. August, in Hanau ein Zeichen gegen Rassismus setzen und sich für Menschlichkeit sowie soziale Gerechtigkeit starkmachen. Beginn ist um 16 Uhr auf dem Freiheitsplatz.

Anlass ist der rassistische Mordanschlag auf einen 26-jährigen Geflüchteten aus Eritrea in Wächtersbach, aber auch das Sterben vieler Schutzsuchender im Meer. „Erneut stecken Rettungsschiffe im Mittelmeer fest und dürfen mit mehreren Hundert Geretteten an keinem sicheren Hafen anlegen“, kritisiert Hagen Kopp vom „Watch The Med Alarm Phone“, einer Hotline für Flüchtlinge in Seenot. „Diese tödliche europäische Ausgrenzungspolitik muss sofort beendet werden“, so der Aktivist.

Hanau als sicherer Hafen 

Er fordert von der Stadt Hanau, „sich wie bereits 60 andere Städte in Deutschland zum ,Sicheren Hafen‘ zu erklären“ und gerettete Geflüchtete aufzunehmen.

Die Schüsse auf den eritreischen Familienvater zeigten, dass die Gefahr selbst nach dem Überqueren des Mittelmeeres nicht vorbei sei: „Auch im Main-Kinzig-Kreis gibt es eine akute Bedrohung durch rechtsextremistische Gewaltaktionen“, sagt DGB-Regionsgeschäftsführerin Kathrin Harth. Rechter Terror müsse endlich wirksam bekämpft werden. Dazu brauche es ein entschiedenes Vorgehen der Behörden sowie eine Debatte über den sogenannten Alltagsrassismus.

Appell nach Mordanschlag

Am Freitag werden Flüchtlinge aus Eritrea über die Attacke sprechen. Darüber hinaus können sich Interessierte bis 20 Uhr zu Themen wie „Bildung für alle“, „Faire Jobs statt Ausbeutung in prekärer Beschäftigung“, Seenotrettung und Bürgerasyl informieren. Außerdem soll der Mangel an Kita-Plätzen in Hanau thematisiert werden. Danach, ab circa 20.30 Uhr, geht es im autonomen Kulturzentrum in der Metzgerstraße unter anderem um eine Großdemonstration gegen Rassismus am 24. August in Dresden, zu der eine Gruppe aus Hanau fährt.

„Solidarität statt Spaltung“ besteht seit 2015. Dem Bündnis gehören Organisationen wie der DGB, die GEW und die Geflüchteteninitiative Lampedusa in Hanau an. Ihr Ziel ist „ein Hanau und ein Main-Kinzig-Kreis für alle. Ein menschenwürdiges Leben, Wohnen und Arbeiten mit gleichen sozialen und politischen Rechten.“ Für „alle, die hier leben und die hier neu ankommen“, heißt es im Aufruf.

Der Geflüchtete aus Eritrea war im Juli von einem 55-jährigen Deutschen angeschossen worden, der sich anschließend das Leben nahm. Der 26-Jährige wurde lebensgefährlich verletzt. Er kämpft mit den körperlichen und seelischen Folgen des Anschlags und wird Wächtersbach wahrscheinlich verlassen. 

gha

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