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Wenn die Rechenzentren belegt sind, werden sie 180 Megawatt Strom fressen. Stadt Hanau
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Wenn die Rechenzentren belegt sind, werden sie 180 Megawatt Strom fressen. Stadt Hanau

Hanau

Hanau: Gigantische Rechenzentren

  • Gregor Haschnik
    VonGregor Haschnik
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Der Magistrat bringt die Pläne für die Großauheim-Kaserne auf den Weg. Die Projektgesellschaft sitzt in Luxemburg.

Der Hanauer Magistrat hat am Montag einem Entwurf des Bebauungsplans für die Großauheim-Kaserne zugestimmt und so die dort geplanten Projekte auf den Weg gebracht: Rechenzentren, Blockheizkraftwerke, ein Umspannwerk und eine Photovoltaik-Anlage. Am 17. Mai entscheidet das Parlament darüber.

Es ist eine der letzten Etappen im Rahmen der Konversion in Hanau, bei der einstige Militärflächen umgewandelt werden. Nach dem Abzug der US-Soldaten 2008 wurden 340 Hektar frei. Im „Pioneer Park“ im Stadtteil Wolfgang, 50 Hektar groß, wird beispielsweise Wohnraum für etwa 5000 Menschen gebaut.

Die 38,5 Hektar große Kaserne in Großauheim kann nur gewerblich genutzt werden. Nach Angaben der Stadt wird mit der hauptverantwortlichen Projektgesellschaft – P3 Hanau SARL (Abkürzung für Société à responsabilité limitée, vergleichbar mit einer GmbH) – ein städtebaulicher Vertrag geschlossen, den auch Rechtsnachfolger der Firma und künftige Nutzer der Rechenzentren berücksichtigen müssten. Hinter der Gesellschaft mit Sitz in Luxemburg steht der Logistikentwickler P3. Es will auf dem Kasernenareal Rechenzentren ansiedeln, die in der Endausbaustufe 180 Megawatt Strom brauchen – eine gigantische Menge für eines der bundesweit größten Zentren dieser Art. Sie entspricht den Angaben zufolge etwa dem doppelten Jahresbedarf in Hanau, die hier ansässige Industrie eingeschlossen.

Deshalb habe die Stadtspitze sich laut OB Claus Kaminsky (SPD) mit dem Investor auf „messbare Nachhaltigkeitsziele für den Betrieb der Rechenzentren“ geeinigt. So müsse zum Beispiel der genutzte Strom zum Start zu 80 Prozent und nach fünf Jahren zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien stammen. Zudem solle bevorzugt regional erzeugte Energie genutzt werden. Die Energieeffizienz und Kühlung müsse sich an den Kriterien des Zertifikats „Blauer Engel für Colocations-Rechenzentren“ orientieren.

Die Freiflächen-Photovoltaikanlage in der Kaserne soll pro Jahr eine Leistung von sieben Megawatt erbringen und auch ins Energienetz der Rechenzentren eingespeist werden.

Kaminsky sieht in der Ansiedlung eine große Chance für Hanau, auch weil die Verkehrsbelastung, anders als bei Logistik, gering sei und Rechenzentren die Chance erhöhten, dass sich in der Nähe attraktive IT-Firmen niederlassen.

Bei den Blockheizkraftwerken kooperieren die Stadtwerke mit ihrer Muttergesellschaft Mainova, um die Ferwärmeversorgung für Hanau eigenverantwortlich sicherzustellen. Bisher wird die Wärme durch das überwiegend mit Kohle befeuerte und von Uniper betriebene Kraftwerk Staudinger geliefert, doch die Verträge laufen 2024 aus.

Zum in Luxemburg liegenden Sitz des Projektträgers erklärt die Stadt auf FR-Anfrage, nicht P3, sondern Clouddienstleister und Rechenzentren würden Nutzer der Gebäude sein, Arbeitsplätze schaffen und Gewerbesteuer zahlen. Wer dies sein werde, stehe noch nicht fest. Nach den Erfahrungen anderer Kommunen gehe Hanau jedoch davon aus, dass sie hier gewerbesteuerpflichtig sein werden.

Jochen Dohn, Vorsitzender der von der Linken und „Die Partei“ gebildeten „Die Fraktion“, begrüßt den Bau der Photovoltaik und der Heizwerke, hält den Vertrag mit P3 aber für kritikwürdig: Eine Gesellschaft für ein solches Projekt sollte ihren Sitz in Hanau haben, so Dohn, auch da abgesehen von der Gewerbesteuer weitere Steuern anfielen. Darüber hinaus seien die Vorgaben in Bezug auf Nachhaltigkeit teilweise nicht konkret und verbindlich genug. Und es müsse kritisch hinterfragt werden, inwieweit Nachfolger der Firma und Nutzer der Zentren die Regelungen umgehen könnten.

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