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Der Künstler Stephan Quappe Steffen aus Trier zeigt einem Besucher seinen Entwurf. Bild: Monika Müller
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Der Künstler Stephan Quappe Steffen aus Trier zeigt einem Besucher seinen Entwurf. Bild: Monika Müller

Anschlag von Hanau

Hanau: Fünf Entwürfe für das Mahnmal

  • Detlef Sundermann
    VonDetlef Sundermann
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Die Stadt Hanau stellt Entwürfe für ein Denkmal vor, das an die Ermordeten vom 19.Februar erinnern soll. Bürgerinnen und Bürger können mitentscheiden.

Hanau steht vor einer schwierigen Entscheidung. Es geht um die Wahl des Mahnmals zur Erinnerung an die neun Opfer des rassistisch motivierten Anschlags am 19. Februar 2020 und gegen Rechtsextremismus. Nicht nur die Hinterbliebenen und die Überlebenden sowie die politischen Gremien, auch die Bürger:innen sollen sich am Auswahlprozess beteiligen. Seit Samstag sind für die kommenden zwei Wochen die Modelle von fünf Mahnmalen im Kulturforum zu sehen. Mit einem Stimmzettel können Hanauer:innen ihr Votum abgeben. An der Ausschreibung zum Mahnmal beteiligten sich laut Stadt 118 Künstler:innen im In- und Ausland.

Die Finalist:innen zeichnen sich durch sehr unterschiedliche Arbeiten aus. Gemeinsam ist jedoch allen Entwürfen, dass sie in ausgeprägter Weise die Passant:innen auffordern wollen, sich mit Rassismus und rechter Gewalt auseinanderzusetzen. Bei dem Werk von Stephan Quappe Steffen aus Trier mit der knappen Bezeichnung „9“ soll dies mit einer auf zehn mal zehn Meter großen, begehbaren Spirale erfolgen, die aus hohen bunten Glaspaneelen besteht. „Die Farben stehen für Lebendigkeit und Vielfalt“, sagt er. Die Innenseite zeigt die Portraits der Ermordeten - acht Männer und eine Frau. Erläuterungen sind über QR-Codes abzurufen. Die glatte Oberfläche lässt den Betrachter über sein Spiegelbild eins werden mit dem Mahnmal.

Matthias Braun, Würzburg, greift mit „Bruchstücken“ diesen Effekt prägnant auf. Die 2,50 mal 2,50 Meter große Wand aus rostfarbenem Cortenstahl symbolisiere gesellschaftliche Einheit, in die der Täter „Fehlstellen“ sprengte. Neun Bruchstücke sollen dies verdeutlichen. Diese Lücken in der Wand füllt Braun mit zu Spiegelglanz polierten Stahlstücken, die auf der einen Seite die Namen der Opfer tragen. Die Rückseite könne eine individuelle Gestaltung in Absprache mit den Hinterbliebenen erhalten.

Das Mahnmal

Eine vielfältig besetzte Jury, auch mit Vertretern der Opferfamilien, nahm eine Vorauswahl der 118 Einsendungen vor.

Die Finalistenentwürfe sind zu sehen bis 18. September im Kulturforum, Freiheitsplatz, 2. Stock, montags bis freitags von 10 bis 20 Uhr, samstags von 11 bis 18 Uhr. Hanauer:innen können sich an der Abstimmung beteiligen. Die Realisierung des Mahnmals i st bis 19. Februar 2022 geplant. sun

www.hanau-steht-zusammen.de

Neun drei Meter hohe Stelen bilden den Entwurf von Susanne Lorenz, Berlin. „Wir“ nennt sie ihre Arbeit. Der Titel findet sich auch auf der einen Seite übergroß über alle Stelen wieder. Auch hier wird polierter Edelstahl verwendet, in dem sich die Betrachtenden sehen. Auf der anderen Seite werden die Opfer mit Namen, Foto und Vita vorgestellt. Zusätzliche Informationen sollen QR-Codes übermitteln.

Überwiegend aus den Namen der Opfer konstruiert hat Heiko Hünnerkopf seine Arbeit „Einschnitt“, die eine 4,5 Meter hohe, an einer Stelle offene Säule bildet. Die Öffnung ist „der Einschnitt, der mit den Morden geschah. Wir alle sind verbunden mit der Tat“, so Hünnerkopf. Die Innenfläche ist betretbar. Vis-à-vis eine schmale, schwarze Stele als übergroßes „Ausrufezeichen“.

Neun hüfthohe schwarze eckige Säulen machen den Entwurf von Carla Mausch aus Nürtingen aus. In den Bronzedeckeln sind die Opfernamen eingraviert, auf denen jeweils ein Bronzekiesel liegt. „Den Kiesel suchen die Angehörigen aus“, sagt Mausch. Im Gegensatz zu den Mitbewerber:innen, die einen belebten Ort wie den Marktplatz oder den Freiheitsplatz wünschen, sieht Mausch ihre Säulen in der Stadt verteilt, etwa auf dem Markplatz, aber auch an den Tatorten.

OB Claus Kaminsky (SPD) sagte bei der Vorstellung, die Bedeutung des Mahnmals müsse über „Jahrzehnte Bestand haben“. Der Magistrat werde seine Empfehlung für die Stadtverordnetenversammlung in einem Abwägungsprozess finden, in dem möglicherweise nicht vollkommen die Wünsche der Angehörigen oder der Bürger:innen berücksichtigt werden können. Die Bürgerbeteiligung bezeichnete Kaminsky überdies als erneute Auseinandersetzung mit dem 19. Februar und der zunehmenden Gewalt von Rechtsextremisten.

Der Vorsitzenden des Amts für Auslandtürken, Abdullah Eren(2.v.l) mit seinem Stellvertreter Abdulhadi Turus (3. von links), die extra aus Ankara anreisten. Bild: Monika Müller

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