Hanau hat in einer Allgemeinverfügung angeordnet, dass unter anderem in Geschäften Masken getragen werden müssen.
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Hanau hat in einer Allgemeinverfügung angeordnet, dass unter anderem in Geschäften Masken getragen werden müssen.

Hanau

Hanau führt Maskenpflicht ein

  • Gregor Haschnik
    vonGregor Haschnik
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Die Regelung gilt für Läden und den öffentlichen Nahverkehr. Kritik an der Entscheidung kommt von der Landesärztekammer.

Hanau hat in einer Allgemeinverfügung angeordnet, dass unter anderem in Geschäften Masken getragen werden müssen. „Die dringende Empfehlung der Bundes- und Landesregierung, sich mit einem Mund-Nasen-Schutz verantwortungsbewusst und rücksichtsvoll in der Öffentlichkeit zu verhalten, haben wir dahingehend erweitert, dass ab Montag in Hanau jeder, der ein Ladengeschäft betritt, eine solche Behelfs- oder Alltagsmaske tragen muss“, sagte OB Claus Kaminsky (SPD). Gleiches gelte für den öffentlichen Nahverkehr, Taxis, Arztpraxen und öffentliche Einrichtungen, aber nicht auf der Straße und nicht für Kinder unter sechs Jahren. Medizinische Masken, etwa FFP2-Modelle, sollten dem medizinischen Bereich vorbehalten bleiben, hieß es.

Händler, die dem Marketing-Verein angehören, begrüßten den Schritt. Lockerungen dürften nicht den Eindruck erwecken, die Corona-Krise wäre beendet, sagte Kaminsky. Die Masken seien eine ergänzende Maßnahme und hülfen, die Ausbreitung zu verlangsamen. Das Einhalten der Pflicht werde kontrolliert, wobei Aufklärung im Vordergrund stehe. Wenn das nicht funktioniere, werde nach und nach schärfer geahndet.

Hanau ist die erste Stadt in Hessen, die eine Maskenpflicht eingeführt hat. Andere Kommunen wie Darmstadt und Gießen und der Main-Kinzig-Kreis kündigten an, dem nicht folgen zu wollen.

Masken an Bürger verteilen will Hanau nur im Ausnahmefall. Die Fragen, wie viele dafür zur Verfügung stehen und ob es im städtischen Klinikum genügend Masken gibt, blieben bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

Die Stadt wies darauf hin, dass viele Hanauer selbst Masken nähten und im Zweifelsfall ein Tuch und zwei Haargummis reichten, um sich mit einer Behelfsmaske auszustatten.

Neben dem Schutz verfolgt Kaminsky auch eigene Interessen. Er setzt sich mit gesteigerten PR-Aktivitäten sehr positiv als Krisenmanager in Szene. Zusätzlich zu den städtischen Mitarbeitern wurden Externe mit der Öffentlichkeitsarbeit in der Krise beauftragt. 2021 stehen die Kommunal- sowie die OB-Wahl an. Zudem will Hanau aus dem Kreis austreten, mehr Aufgaben selbst übernehmen, etwa im Gesundheitswesen, und versucht nun, sich entsprechend zu profilieren. Kaminsky wies die Kritik zurück.

Die Landesärztekammer kritisiert die Maskenpflicht: „Wir brauchen einheitliche Regelungen und keine grundlose Verschärfung der Corona-Maßnahmen auf kommunaler Ebene“, sagte Präsident Edgar Pinkowski. Solange es nicht genug wirksame Masken und Schutzkleidung für medizinisches Personal gebe, „entbehrt eine Verpflichtung zum Tragen eines Mundschutzes jeglicher Grundlage“. Zwar könne eine Alltagsmaske die Übertragung von Tröpfchen, etwa beim Husten, reduzieren. Es dürfe aber nicht sein, dass sich Leute wegen einer Maskenpflicht in falscher Sicherheit wiegten und nachweislich wirksame Schutzmaßnahmen wie Abstand und gründliches Händewaschen vernachlässigten.

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