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Der Platz in der Kita geht nicht verloren, auch wenn die Kinder vorübergehend zu Hause betreut werden.

Hanau

Stadt fördert Kinderbetreuung zu Hause

  • Detlef Sundermann
    vonDetlef Sundermann
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Wegen der coronabedingten Gruppentrennung gelangen die Kitas an ihre Belastungsgrenze. Die Stadt Hanau will jetzt Eltern entgegenkommen, die ihr Kind zu Hause lassen.

Eltern, die das Risiko einer Corona-Infektion in einer Kita für ihren Nachwuchs oder für sich selbst als zu hoch ansehen, kommt die Stadt Hanau nun mit einem Angebot entgegen. Wenn sie ihr Kind zu Hause betreuen, müssen sie in dieser Zeit keine Kita-Gebühren zahlen, zudem verfällt der Platz in der Kita nicht. Das Angebot hat nicht nur für besorgte Eltern Vorteile, sondern ebenso für die Kitas. Seit der Einführung der strikten Gruppentrennung in der vergangenen Woche ist die Personalsituation angespannter. Der Regelbetrieb muss gekürzt werden, nicht nur in Hanau.

Die Nachfrage der Familien, die es vorziehen, ihr Kind vorübergehend selbst zu betreuen, ist nicht gering – zumindest bei den städtischen Einrichtungen. Laut Pressestelle der Stadt Hanau nutzen rund 250 Familien das Angebot. Der Grund sei jedoch nicht immer die Infektionsgefahr. „Die meisten Familien sind gerade von Kurzarbeit betroffen oder in der Gastronomie tätig. Die Betreuung ihrer Kinder übernehmen sie selbst“, heißt es. Diese Familien sähen darin auch eine finanzielle Entlastung.

Für diese Eltern entfallen in Hanau nicht nur die Betreuungsgebühren. Von November bis Januar zahlen sie auch die Verpflegungspauschale nicht. „Gleichzeitig garantieren wir aber den Platz in der Betreuungseinrichtung“, heißt es von Sozialdezernent Axel Weiss-Thiel (SPD). Allerdings gilt diese Garantie nur bis Ende Januar. „Die Stadt hat Interesse an Abmeldungen“, heißt es aus dem Rathaus. Denn in Hanauer Kitas gilt nunmehr eine strikte Gruppentrennung, die nicht stressfrei ist.

Aufgrund des deutlichen Infektionsgeschehens in Kindertagesstätten hat der Main-Kinzig-Kreis als Gesundheitsbehörde allen Kommunen im Kreisgebiet empfohlen, die Kita-Gruppen streng zu separieren. Maintal, die zweitgrößte Stadt im Kreis, praktiziert die Gruppentrennung bereits seit dem Sommer, mit der Wiederöffnung nach dem ersten Lockdown. „Damit verhindern wir die Schließung ganzer Einrichtungen“, heißt es aus der Pressestelle der Stadt. Allerdings mussten dennoch in einigen Fällen ganze Einrichtungen geschlossen werden, etwa wenn in allen Gruppen Verdacht auf eine Covid-19-Infektion bestand.

Verkürzte Öffnungszeit

In Maintal sind aktuell elf Gruppen und 32 Erzieher:innen in Quarantäne. Die Stadt Hanau teilte auf Anfrage mit, dass in den städtischen Kitas 18 Gruppen und drei Betreuungsstellen geschlossen werden mussten. Insgesamt 13 Betreuer:innen befänden sich in Quarantäne. Auch bei den freien Trägern gibt es Quarantänefälle. Eine katholische Kita in Hanau hat dieser Tage nach zwei Wochen Komplettschließung den Betrieb wieder aufgenommen.

Die strikte Trennung der Kita-Gruppen verlangt viel Disziplin. Sie müsse etwa beim Spielen drinnen wie draußen, beim Mittagessen, aber auch auf den Fluren oder beim Bringen und Abholen eingehalten werden, heißt es. Überdies seien die Erzieher:innen fest an ihre Gruppe gebunden. Sogar der direkte Kontakt zu Kolleg:innen sei nicht zulässig, heißt es aus Hanau. Das erschwere nicht nur die Kommunikation, es habe auch zur Folge, dass krankgeschriebenes Personal nicht mehr von Springer:innen aus anderen Kitas der Stadt ersetzt werden könne.

Zur Entlastung der ohnehin schon angespannten Personaldecke müssen in Hanau und in Maintal die Öffnungszeiten um bis zu zwei Stunden verkürzt werden.

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