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Hanau

Hanau: Firmenpleite vor Gericht

Der Prozess gegen die Ex-Chefs von J. Philipp hat begonnen. Die Vorwürfe wiegen schwer.

Mirko Schulte, Vorsitzender Richter, spricht von einem „außerordentlich komplizierten Verfahren“. Diese Tatsache, aber auch die Pandemie und die Belastung der Wirtschaftsstrafkammer hätten dazu geführt, dass die Vorwürfe um die Pleite der Firma J. Philipp nicht früher vor dem Landgericht verhandelt worden seien. Wegen Bankrotts und Insolvenzverschleppung hatte die Staatsanwaltschaft im Herbst 2019 Anklage gegen vier frühere Verantwortliche erhoben, Anfang 2021 eröffnete das Gericht das Hauptverfahren und am gestrigen Dienstag begann der Prozess.

Das Ende des traditionsreichen, für seine Anzüge bekannten Bekleidungsunternehmens, das scharfe Kritik und Protest auslöste, liegt sechs Jahre zurück. Längst werden auf dem Firmen-areal in Wilhelmsbad teure Wohnungen gebaut. Doch die damaligen Beschäftigten – mehr als 80 verloren ihren Arbeitsplatz – werden die Zeit nicht vergessen und dürften die Aufarbeitung gespannt verfolgen.

Bevor diese begann, beantragte die Verteidigung, dass Staatsanwalt Mathias Pleuser die Anklageschrift nicht verlese und das Verfahren eingestellt werde. Die Vorwürfe in der Anklage, die die Beteiligten bereits in der Vergangenheit zurückgewiesen hatten, seien nicht konkret genug, weder in Bezug auf Zeit und Ort, noch darauf, wem welche Tat zur Last gelegt werde, lautete ein Einwand.

Die Kammer folgte den Anträgen nicht. Es sei unter anderem sehr wohl erkennbar, welche Taten gemeinschaftlich und welche von Einzelnen begangen worden seien. Schulte betonte aber, Anklage und Eröffnungsbeschluss seien lediglich Hypothesen für die Beweisaufnahme.

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft wussten die Geschäftsführer Jürgen F., Hans-Peter F. und Dieter V. spätestens seit November 2014 von der Zahlungsunfähigkeit der Firma J. Philipp. Sie hätten die Gesellschaft loswerden wollen, ohne Insolvenz anmelden, haften und strafrechtliche Konsequenzen fürchten zu müssen. Zudem sollte Gläubigern der Zugriff auf Vermögen verweigert werden.

Vorwurf „Firmenbestattung“

Deshalb hätten sie eine auf „Firmenbestattungen“ spezialisierte Firma engagiert, mit deren Hilfe sie den Sitz verlegen, eine andere Geschäftsführung – den vierten Angeklagten Joachim S. – einsetzen und J. Philipp hätten abwickeln können. Der neue Chef sei mit den anderen Angeklagten dafür verantwortlich, dass ein Darlehen von 2,8 Millionen Euro an eine große Textilgruppe – die zwei Angeklagten gehört und die J. Philipp 2013 übernommen hatte – ohne ausreichenden Ausgleich zurückgeführt worden sei. Darüber hinaus seien der Maschinenpark und der Warenbestand „zu Schleuderpreisen“ an den Konzern verkauft worden.

Drei Angeklagte kündigten an, Angaben zu machen, das Ganze „richtigzustellen“, allerdings erst nach den Aussagen der Sachverständigen und des Insolvenzverwalters. Der Prozess wird am 4. Mai fortgesetzt.

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