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Hanau: Erste Frau an der Spitze der Stadtwerke

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Die Juristin und Energiewirtschaftsmanagerin Martina Butz will bei den Stadtwerken die Energiewende fördern.

Es ist eine Premiere: Ab Mai wird mit Martina Butz erstmals eine Frau an der Spitze der Stadtwerke (SWH) stehen, die 60 000 Kunden zählen und zu den wichtigsten städtischen Firmen gehören. Sie sehe die Entwicklung der Stadt „mit großer Freude“, sagt Butz und meint damit auch deren Wachstum. In den Neubaugebieten wird sie mit den Stadtwerken eine wichtige Rolle spielen und will dort – ebenso wie in bestehenden Vierteln – auf zwei Aspekte besonderen Wert legen: auf den „Einsatz erneuerbarer Energien“, etwa Photovoltaik, und auf eine autarke „dezentrale Versorgung“ mit Energie, „die aber auch wirtschaftlich sein muss“. Das ist nicht zuletzt deshalb wichtig, weil der Fernwärme-Vertrag der SWH mit dem Kraftwerk Staudinger 2023 ausläuft.

Die Juristin und Energiewirtschaftsmanagerin Butz folgt auf Steffen Maiwald, der zu den Stadtwerken Trier gewechselt ist. Am Donnerstag wurde die 43-Jährige vorgestellt, nachdem der Aufsichtsrat am Vortag einstimmig für sie votierte hatte. Laut Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD), der das Gremium führt, setzte sich Butz klar gegen rund 40 Kandidaten durch, von denen die meisten grundsätzlich geeignet gewesen seien. Butz sei auch deshalb ausgewählt worden, weil sie bei regenerativen Energien Expertin sei und die Kommunalwirtschaft – etwa die Zusammenarbeit mit politischen Gremien – gut kenne. Die Kompetenz habe natürlich entschieden, so Kaminsky, dennoch sei es gut, dass nach dem Weggang von Klinik-Chefin Monika Thiex-Kreye im Jahr 2016 wieder ein großes Unternehmen der Stadt von einer Frau geführt werde.

Bei der Mainova AG, für die sie seit 2008 tätig ist, leitet Butz seit 2013 die Stabsstelle Recht und Compliance-Management und ist dort Prokuristin. Zu ihren Schwerpunkten gehören Energie aus nachhaltigen Quellen, Elektromobilität und dezentrale Energieversorgung. Darüber hinaus war die Mutter zweier Kinder am Digitalisierungsprojekt „Smart City Frankfurt“ beteiligt.

In Hanau ist Butz keine Unbekannte: Für die SWH hat sie bereits die Versorgung des neuen Viertels „Pioneer Park“ mit Energie, Wärme und Breitband-Internet mitgeplant. Bei dem Projekt in Hanau-Wolfgang, wo gut 5000 Menschen leben sollen, arbeitet das städtische Unternehmen mit dem Magdeburger Getec-Konzern zusammen. Der Park soll ein klimaneutrales Quartier werden, etwa mit Hilfe von Photovoltaikanlagen und E-Carsharing. Der Naturschutzverband BUND begrüßt dies zwar, fordert aber zusätzliche Bemühungen, etwa Passivhaus-Standard und eine Versorgung „weitgehend mit erneuerbarer Wärme und Strom aus Sonnenenergie“.

Zuletzt konnten die Stadtwerke, die etwa 130 Mitarbeiter haben, ihre Kundenzahlen wieder steigern. Durch die vielen Bauprojekte dürften sie weiter zulegen. Die Energiewende hat der kommunale Versorger erst in den vergangenen Jahren forciert, das Unternehmen hat hier noch reichlich Nachholbedarf. Mittlerweile bieten die SWH aber unter anderem eine E-Ladekarte an und wollen in der Großauheim-Kaserne mit der Firma AHS-Solar eine der größten Freiflächen-Photovoltaikanlagen in Hessen aufbauen.

Butz, die die Stadtwerke als „gut aufgestelltes Haus“ bezeichnet, will diese Entwicklung vorantreiben und die umweltschonend hergestellte Energie konsequent „in Produkte für unsere Kunden überführen“.

Die Hanauer Stadtwerke

Die Stadtwerke Hanau gehören zu 50,1 Prozent der städtischen Holding und zu 49,9 Prozent der Mainova AG.

Der Energieversorger machte 2018 etwa 7,3 Millionen Euro Gewinn, im Vorjahr sechs Millionen Euro. Das Ergebnis der Stadtwerke ist für die Bilanz der Holding und somit für die Stadtkasse essenziell, weil die Millionendefizite der Hanauer Straßenbahn und der Bäder aufgefangen werden müssen. Seit einem Gewinneinbruch 2016 auf 4,7 Millionen Euro wegen Verlusten im Großkundengeschäft lassen die Stadtwerke dieses von Mainova steuern.

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