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Für Macher: Johannes Dittrich (rechts) weist Bernhard Daniels am 3D-Drucker des Makerspace in der Stadtbibliothek ein. (Bild: Monika Müller)
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Für Macher: Johannes Dittrich (rechts) weist Bernhard Daniels am 3D-Drucker des Makerspace in der Stadtbibliothek ein. (Bild: Monika Müller)

Hanau

Hanau: Ersatzteile aus dem Printer

  • Detlef Sundermann
    VonDetlef Sundermann
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Die 3D-Drucker in der Hanauer Stadtbibliothek sind nicht nur zum Spielen da.

Ein geheimnisvolles Summen dringt aus dem weißen Kasten. Der Innenraum ist hell erleuchtet gleich einer Schauspielbühne. Was passiert, wenn die Anzeige nahezu 200 Grad Celsius anzeigt, ist für die Umstehenden nicht minder spannend wie ein Theaterdrama. Der Glasboden fährt jaulend nach oben. Kurze Pause, dann bewegt sich zügig dicht über der Platte geräuschvoll ein Metallkästchen. Wie aus einer Wurstmaschine quillt daraus eine Masse. Grau aus einer feinen Düse, Schicht um Schicht, bis nach knapp 30 Minuten der daumengroße Astronaut „Phil“ auf dem Glasboden steht. Nutzer der Stadtbibliothek können dort nicht nur Fotos drucken, sondern auch Gegenstände. Im Makerspace („Werkstatt“) steht hierzu ein professioneller 3D-Drucker bereit.

Öffentliche Makerspaces haben in Hessen Seltenheitswert, wie 2019 eine Anfrage von Die Linke im Landtag ergab. In Universitäten und einigen Computerclubs sind sie zu finden, in Bibliotheken hingegen wohl nur in Hanau. „Bruchköbel ist dabei, einen Makerspace einzurichten“, sagt Simeon Hofmann. Der Medienpädagoge ist für die Hanauer „Werkstatt“ verantwortlich. Anfang September hatte der Makerspace einen Neustart. „Die Eröffnung war Ende 2019. Es lief gut an, da musste der Makerspace wegen Corona geschlossen werden“, sagt Hofmann. Nun geht es nach eineinhalb Jahren Pause weiter.

Zwei Funktionen soll der Makerspace erfüllen. Zu einem soll er allen den Zugang zu digitalen Arbeitsmitteln bieten, zum anderen ein lebenslanges Lernen in der Welt der Bits und Bytes ermöglichen. Wichtig sei ebenso das gemeinsame Lernen, sagt Hofmann. Und nicht zuletzt besteht eine Kooperation mit dem Hanauer Repaircafe, das den 2500 Euro teuren Printer als Ersatzteillieferant „on demand“ nutzt. Das Druckmaterial ist ein Faden aus Maisstärke-Kunststoff, der zur Produktion von ziemlich belastbaren Teilen taugen soll.

Wer den Makerspace nutzt, muss zu nächst einen „Geräteführerschein“ machen. Beim 3D-Drucker, einem Ultimaker 2+, geht es nicht nur darum zu wissen, welche Tasten und Regler was bewirken, sondern auch um das fummelige Reinigen und Auswechseln der Düse, oder welche Drucktemperatur für welches Objekt und welche Fadenstärke für welche Materialdichte ideal ist. Nicht zuletzt wird gezeigt, wie die Spule mit dem Filament zu wechseln ist. „Die Besucher sind begeistert über die Möglichkeiten des 3D-Drucks. Einige haben aber auch erkannt, die Technik ist nicht einfach“, sagt Johannes Dittrich, und Instruktor für den Makerspace.

Für Bernhard Daniels ist die zweistündige Schulung ob seiner beruflichen Herkunft im Konstruieren von 3D-Objekten ein leichtes Unterfangen. „Plastikteile für Fahrrad und Motorrad will ich entwerfen“, erzählt der Hanauer. Bei der Auswahl aus der Objektbibliothek soll es daher nichts Einfaches sein - er wählt „Phil“. Die Datei auf den Rechner laden und mit dem Drucken loslegen, wäre suboptimal. Phils Entstehung benötigt dann nämlich knapp 20 Stunden. Statt die Figur massiv zu drucken, zeigt Dittrich mit dem Programm „Cura“ Optionen, wie das Innere mit materialsparender Verstrebung ausgesteift werden kann und der Druck schon nach 30 Minuten fertig ist.

Eine 3D-Sitzung kann trotz Optimierung Stunden dauern. Eine Reservierung ist daher notwendig, sagt Hofmann. „Wir werden einen zweiten Drucker anschaffen“, bemerkt er auch mit Blick auf das steigende Interesse. Überdies sei geplant, den Makerspace in einem abgetrennten Bereich zu verlegen, ob der Geräusche und damit der gewünschte Tech-Talk der Druckernutzer ohne das „Pssst“ der anderen Besucher bleibt.

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