„Abscheulicher Angriff“

Hanau: Vandalismus am Tatort des Terroranschlags sorgt für Entsetzen

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Am zweiten Tatort des Terroranschlags von Hanau wurden Scheiben eingeworfen. Die Tat sorgt für Entsetzen.

  • Am Tatort des Terroranschlags von Hanau kam es zu Vandalismus
  • Politiker zeigen sich entsetzt über den Vorfall
  • Polizei sucht nach Tätern

Hanau - Dass Unbekannte am Wochenende die Scheibe des „Arena Bar & Café“ in Hanau-Kesselstadt eingeworfen hatten, hat Empörung ausgelöst. „Der Angriff auf den Gedenkort ist abscheulich“, sagt Saadet Sönmez, migrations- und integrationspolitische Sprecherin der Linken im hessischen Landtag. Es liege nahe, dass es sich dabei um eine weitere rassistisch motivierte Straftat handele, so Sönmez. Sie hoffe, dass die Polizei intensiv ermittelt und die rechte Szene beleuchtet.

Polizei bittet um Hilfe nach Vandalismus am Ort des Terroranschlags von Hanau

Das Lokal mit Kiosk war der zweite Tatort während des rechtsextremen Terroranschlags am 19. Februar und dient mittlerweile als Gedenkort. Ganz in der Nähe haben Leute zahlreiche Kerzen aufgestellt und Fotos aufgehängt, um an die Ermordeten zu erinnern. Bei den Attentaten hatte der 43-jährige Tobias R. aus rassistischen Motiven neun Menschen getötet. Danach erschoss er offenbar seine Mutter und sich selbst.

Am Dienstag hatte die FR gemeldet, dass die Scheibe des Lokals zerstört wurde. Laut Polizei wurden mehrere Pflastersteine verwendet. Konkrete Hinweise gebe es bislang nicht, der Staatsschutz sei bisher nicht eingeschaltet worden, hieß es am Mittwoch. Der Sachschaden wird auf 1500 Euro geschätzt. Die Polizei bittet Zeugen, sich unter 06181/100 611 zu melden.

Rechte für Vandalismus in Hanau verantwortlich?

Kioskbetreiber Kemal Kocak verlor bei dem Anschlag Freunde und Angehörige. Während der zentralen Trauerfeier hielt er eine bewegende und viel beachtete Rede. Es tue ihm in der Seele weh, dass er die fröhlichen, friedlichen, hilfsbereiten Leute nie wiedersehen werde, sagte der 45-Jährige. „Mein Herz blutet.“ Gleichzeitig forderte er den Staat auf, dafür zu sorgen, dass Menschen mit Migrationsgeschichte keine Angst mehr haben müssen.

Auch im Netz äußerten sich viele Nutzer entsetzt über den Vandalismus am Tat- und Gedenkort, riefen zu Solidarität mit den Betroffenen auf. Solche Taten seien keine Bagatelldelikte, „denn sie bringen zum Ausdruck, dass die Täter den Terroranschlag vom 19. Februar gutheißen“, so Sönmez. Die rechte Szene fühle sich offenbar sicher. So seien etwa in Darmstadt flächendeckend Plakate der Initiative #saytheirnames, die an die Anschlagsopfer erinnert, übersprüht worden.

Der Rechtsextreme Tobias R. fiel nach FR-Informationen bereits vor den Morden in Hanau mit rassistischen und bewaffneten Drohungen auf.

Rubriklistenbild: © picture alliance/Boris Roessler/dpa

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