Stefan Trauth, Gründer der Goyago GmbH, neben den Lastern auf zwei Räder, den E-Cargobikes.  
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Stefan Trauth, Gründer der Goyago GmbH, neben den Lastern auf zwei Räder, den E-Cargobikes.

Mobilität neu denken

Hanau: Run auf E-Cargobikes eröffnet

  • Detlef Sundermann
    vonDetlef Sundermann
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140 Tester probieren in Hessen für zwei Wochen E-Cargobikes aus. Sie sollen herausfinden, ob ein solches Velo in den Alltag passt.

  • In Hessen werden 140 E-Cargobikes getestet.
  • E-Cargobikes im Alltag: Die elektronischen Lastenräder sollen auf ihre Tauglichkeit überprüft werden.
  • Erste Ergebnisse aus Hanau stimmen die Macher optimistisch.

Hanau - Was in den Niederlanden und in Dänemark längst zu einem selbstverständlichen Verkehrsmittel geworden ist, soll nun mit einem hessenweiten Projekt auch hierzulande Einzug halten, das Lastenfahrrad. Zielgruppe sind dabei keineswegs Gewerbetreibende, sondern Familien mit jungen Kindern oder Leute, die etwa für Einkäufe eine Alternative zum Auto suchen. Bis September können Interessenten für zwei Wochen kostenfrei ein Cargobike ausleihen, das von einem E-Motor im Vortrieb unterstützt wird. Bislang haben sich 140 Interessenten für das Probefahren angemeldet.

Test-E-Cargobikes für Hessen sind erstmal Gewöhnungssache

„Man muss sich an den ungewöhnlich langen Vorbau gewöhnen“, sagt Anja Zeller von der Stabsstelle Nachhaltige Strategie der Stadt Hanau. Bevor es auf die Straße geht, kann jeder Tester sich auf dem Hof des Museums Radwerk in Klein-Auheim, wo die Velos ausgegeben werden, mit der neue Dimension auf zwei Rädern vertraut machen. Immerhin ist so ein „Vorderlader“ gut zweieinhalb Meter lang und leer um die 40 Kilogramm schwer.

„Ein modernes Lastenrad ist fast so handlich zu fahren wie ein gewöhnliches Fahrrad“, sagt Stefan Trauth, Mitbegründer von Goyago. Zudem sei das Vehikel nicht breiter als der Fahrradlenker selbst. Der Dienstleister in Sachen Fahrradmobilität aus Schwalbach am Taunus betreut für das Land Hessen das Projekt. Zurzeit nehmen 14 Kommunen teil, darunter auch Frankfurt. Dort haben 2500 Personen Elektro-Cargobikes jeweils über zwei Wochen getestet. „Rund 30 Prozent der Tester kaufen später ein Lastenrad“, sagt Trauth.

Vielen Nutzern von E-Cargobikes ist die Umwelt wichtig

„Wenn die Leute erst einmal Blut geleckt haben, geben sie das Rad ungern wieder her.“ Die Probewochen dienen nicht nur dazu, sich ausgiebig mit den Fahreigenschaften vertraut zu machen. Sondern auch um zu sehen, ob das Gefährt in den Alltag mit Getränkekistentransport, Einkaufen, Hobby oder den Familienausflug mit bis zu zwei Kindern im offenen Kasten zwischen Lenker und Vorderrad passt. Mit ordentlicher Ausstattung kostet ein solches Velo immerhin gut 5000 Euro.

„Für viele Nutzer spielt nicht so sehr der ökologische Aspekt eine Rolle, sondern die Zeitersparnis, die es zu einem intensiven Autoersatz macht“, sagt Trauth. Das Lastenrad mit Hilfsmotor lasse sich auf Radwegen und -spuren gut bewegen und auf der Straße sowieso. Nur beim Fahren gegen die Einbahnstraße, wo es zulässig ist, könne es wegen der Länge des Transportrades bei der Begegnung mit einem Auto gefühlt eng werden. Problematisch sei hingegen mancherorts das Parken, so Trauth. „Lastenfahrräder nehmen auf dem Gehweg abgestellt relativ viel Platz ein.“

Stellplätze für E-Cargobikes in Hanau reserviert

In Hanau wird es deshalb auf dem künftigen Fahrradstellplatz an der Langstraße erstmals zwei Plätze für Lastenräder mit in den Boden eingelassener Sicherungsvorrichtung geben, sagt Zeller.

Allerdings ist Hanau weder für gewöhnliche Velos noch für zweirädrige Schwertransporter ein Amsterdam oder Kopenhagen, trotz hoffnungsfroher Ansätze mit jedem neuen Verkehrsdezernenten. Mit dem künftigen Mobilitätskonzept erfolgt ein weiterer Anlauf, dem Rad mehr Platz auf der Straße einzuräumen. Das sollen nicht nur Zellers Stabsstelle und Klimamanager Sebastian Nellies bewerkstelligen, sondern auch Felix Waitz, der jüngst als Verkehrplaner eingestellt worden ist. Waitz setzte sich in seiner Masterarbeit an der Hochschule Darmstadt mit Radverkehr in Städten auseinander.

Das Projekt E-Cargobikes in Hanau

Die Arbeitsgemeinschaft Nahmobilität Hessen und die Goyago GmbH bilden die Hauptakteure. Seit Jahresbeginn werden an verschiedenen Kommunen in Hessen insgesamt 160 Elektro-Lastenräder zum kostenlosen Verleihen bereitgestellt. Beteiligen können sich noch Kommunen. In Hanau können sich auch noch Tester melden. sun

www.radfahren-neu-entdecken.de

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