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Im Rahmen der Route der Industriekultur öffnet das Bahnbetriebswerk Hanau, Heideäcker 1, am Samstag, 10. und Sonntag, 11. August seine Tore für Besucher.

Hanau

In Hanau ist Eisenbahngeschichte hautnah zu erleben

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Museumseisenbahner öffneten am Wochenende zum Tag der Route der Industriekultur ihr Gelände in Hanau.  

Gerhard Wagners Warnung wird wohl beachtet: „Passen sie auf, auf den Puffern ist Fett“, sagt er. Im Respektabstand gehen die Besucher an den Stoßdämpfern der Dampflok mit der fingerdicken Schmiere vorbei. Überall ist Fett und Öl, das nahezu mannshohe Fahrwerk mit seinen gewaltigen Stahlspeichenrädern, den dicken Schubstangen und den Hilfsaggregaten glänzen nur so. Bei manchem Teilnehmer - gleich ob Frau oder Mann - ist die Neugierde dennoch stärker, als die Vorsicht. Zum Tag Route der Industriekultur öffneten der Verein Museumseisenbahn Hanau für Publikum sein Gelände, das ehemalige Bahnbetriebswerk am Hauptbahnhof. Es wurde etwa durch den großen Ringlokschuppen geführt, der mit seinen Drehscheiben ein Industriedenkmal ist. In dem Gebäude steht bis zu knapp 90 Jahre altes rollendes Material. Nicht museumspädagogisch präsentiert. Der kreisförmige Lokschuppen fungiert nach wie vor als Werkstatt, in der jeden Samstag Vereinsmitglieder Loks sanieren oder alte Personenwaggons restaurieren.

Das schwarz-rote Ungetüm, vor dessen Fett Wagner warnt, ist derzeit das Sorgenkind der Museumseisenbahner. „Die 50er befindet derzeit in einer Kesselrevision, das ist wie beim TÜV für das Auto.“ Nur es dauert vergleichsweise länger und ist auch deutlich teurer. Allein der Austausch von 120 Bolzen, die die Feuerbüchse im Kessel halten, schlägt mit 14 000 Euro zu Buche. Wagner nutzt daher mehr als einmal die Chance, um für Spenden zu werben. Wenn die ehemalige Güterlok mit der offiziellen Bezeichnung „50 355 2“ zu lange in der Werkstatt steht, kann mit ihr nicht verdient werden etwa mit Sonderfahrten. Geld wird auch für die Sanierung anderer Loks und Waggons oder der bis zu 120 Jahre alten Betriebsgebäude aus Backstein benötigt, die ihre Funktionalität aus der ursprünglichen Zeit zumeist bewahren konnten.

Im Rahmen der Route der Industriekultur öffnet das Bahnbetriebswerk Hanau, Heideäcker 1, am Samstag, 10. und Sonntag, 11. August seine Tore für Besucher.

Mit den rund 140 Mitgliedern, davon knapp ein Drittel Aktive, ist die Instandhaltung allein nicht zu schaffen. Die Stiftung Bahnbetriebswerk Hanau, Sponsoren oder gelegentlich auch Firmen, die mit Arbeit und Material helfen, tragen zum Erfolg mit bei, so Wagner. Ein Gleisbauunternehmen schickte etwa seine Lehrlinge zum praktischen Umsetzen des Gelernten auf das Gelände. Am Ende hatte der Verein sanierte Gleise und die zugemauerten Pforten des kleineren Ringlokschuppen hatten wieder ihre riesigen Türen. Zurzeit konzentrieren sich die Bauaktivitäten auf den Rechtecklokschuppen, dessen Dach vor Jahren einstürzte.

Bei all dem kommt der Fahrbetrieb nicht zu kurz. Auf dem Fahrplan stehen Ausflüge – zum Beispiel nach Miltenberg, zu „Rhein in Flammen“ oder in der Adventszeit nach Fulda oder Regensburg. Einer der oft dabei ist, heißt Dieter Wahl. Der 66-Jährige ist seit Jahren Heizer auf Dampfloks. „Wegen meines Alters lasse ich bei den Strecken mit vielen Steigung gerne die jüngeren dran“, sagt er mit ein Lächeln. Dann verlangt der Feuerschlund besonders viel Kohle. Der Mann mit der schwarzen Arbeitskluft und der schwarzen Lederkappe auf dem Kopf, hat beruflich keine Verbindung zur Eisenbahn. „Mein Großvater war Lokführer, und ich wollte mal erleben, wie er arbeitete“, erklärt der Jurist. Auch wenn es nur ein Hobby ist, längst hat er am eigenen Körper erfahren, dass sein Großvater einen Knochenjob hatte. „Aber es macht schon Spaß, oben im Führerstand zu stehen, und beim Vorbeifahren in die lachenden Gesichter zu schauen“, sagt Wahl.

Weiter Informationen finden Sie im Internet unter www.museumseisenbahn-hanau.de

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