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Mit einer Videoinstallation wurde das Wandbild vorgestellt. privat
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Mit einer Videoinstallation wurde das Wandbild vorgestellt. privat

Anschlag vom 19. Februar

Hanau: Ein Wandbild für die Opfer

Das Kollektiv ohne Namen erinnert an die Menschen, die beim Anschlag in Hanau starben.

Niemals vergessen“ leuchtet es in großen Buchstaben. Darunter steht: „Hanau 19. Februar“. Der Schriftzug wird begleitet von zwei großen Tauben und den abwechselnd erscheinenden Gesichtern von Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtovic, Vili Viorel Paun, Fatih Saraçoglu, Ferhat Unvar und Kaloyan Velkov.

Ein Jahr nach dem rassistischen Anschlag von Hanau hat das „Kollektiv ohne Namen“ an der Wand der Bar Bruckl in Bruchköbel im Main-Taunus-Kreis ein Wandbild mit einer Lichtinstallation vorgestellt, das an die jungen Hanauer:innen erinnert, die den Anschlag nicht überlebten.

Merve, Mitglied des Kollektivs, sagt, was sie motiviert: „Es ist Unrecht, das passiert, wir lassen uns unsere Würde nicht nehmen, daher gib es kein Vergeben, daher wird niemals vergessen, daher malen wir an Wände, daher stellen wir uns gegen die Verdrängung unserer Lebensrealität und drücken sie zurück ins öffentliche Leben.“

Das Kollektiv ohne Namen besteht aus Künstler:innen, Aktivist:innen und Angehörigen. Die Zusammensetzung verändert sich von Projekt zu Projekt. Grundsätzlich können alle mitmachen, die möchten. „Alle sind in jedem Projekt gleichermaßen beteiligt“, sagt die Aktivistin und Mitglied des Kollektivs Seda Ardal.

Die Serie

Helen Greiner besucht das Fortbildungsprogramm Buch- und Medienpraxis an der Goethe-Universität.

Die FR kooperiert mit der Buch- und Medienpraxis und stellt ausgewählte Texte der Studierenden vor. Mit diesem Beitrag endet die Serie.

Das Anliegen des Kollektivs ist es, sich die öffentlichen Räume zurückzuerobern, in denen migrantisierte und rassifizierte Menschen, ihre Themen und Schicksale nicht genügend repräsentiert seien.

Die Stadt ist ihr Medium: Sie malen an Hauswände und Brücken, möglichst zentral, wo ihre Kunst für alle Menschen zugänglich ist. „Es ist kein Pop-up, das man wegklicken oder Werbung, die man in den Müll werfen kann“, sagt Ardal. Sie ist freie Autorin und Aktivistin, geboren und aufgewachsen in Hanau. Sie selbst kannte die Opfer nicht. Der Anschlag habe sie trotzdem „sehr tief getroffen“. Die Geschehnisse lassen Ardal und die Menschen in ihrem Umfeld bis heute nicht los. „Seitdem ist für uns alle nichts mehr wie vorher“, sagt sie. Deswegen war für Ardal klar, zu helfen, wo sie kann.

Mit den großen und ins Auge fallenden Wandgemälden möchte das Kollektiv auf Missstände in der Gesellschaft aufmerksam machen. Die Motive sind teils bewusst unangenehm gestaltet: Sie sollen konfrontieren und dadurch gegen das Vergessen wirken. Das Kollektiv sieht seine Aktionen als Akte der Aufklärung, des Erinnerns, des Sichtbarmachens der vielen Opfer, der Kontinuität rechter Gewalt und der fehlenden Konsequenzen.

„Es ist ein Zusammenspiel aus Bild, Text und Rede“, erläutert Ardal. Das Kollektiv versteht sich jedoch nicht als politische Gruppe, sondern als Künstler:innen, die zwar alle eine persönliche Haltung haben, deren Fokus aber die Anliegen der Angehörigen sind. Mit diesen stehen sie im engen Kontakt. Sie sind es, die entscheiden, „was passiert und was nicht“.

Im Fall des Anschlags in Hanau haben die Angehörigen vier Forderungen: Erinnern, Aufklärung, Konsequenzen und Gerechtigkeit. Bei der Eröffnung des Wandbilds sagt Çetin Gültekin, der Bruder des ermordeten Gökhan Gültekin, in einer spontanen Rede: „Für drei davon kämpfen wir. Für das Erinnern brauchen wir nicht zu kämpfen. Das können wir allein schaffen.“ Als Angehöriger ist er stolz und hofft, dass die Gesellschaft „mehrere solcher Wände sehen“ wird. (Helen Greiner)

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