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Dieses Bild von Richter trägt den Titel „Hockendes Paar“.

Hanau

Ein großer Maler und Insektenforscher aus Großauheim

  • Gregor Haschnik
    vonGregor Haschnik
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Eine Ausstellung würdigt Leopoldo Richter, einen großen Maler und Insektenforscher. Der Großauheimer wurde in Kolumbien berühmt - und ist hierzulande kaum bekannt.

Der gebürtige Großauheimer feierte als Wissenschaftler und Künstler Erfolge, er lebte mit indigenen Völkern am Amazonas, entdeckte tropische Insektenarten, forschte für die Nationale Universität Kolumbiens vor allem über Buckelzikaden, stellte seine Bilder unter anderem in Bogotá, den USA sowie Kanada aus – und ist sowohl in Deutschland als auch in Hanau kaum bekannt: Leopoldo Richter.

Die Sonderausstellung „Der Wald des Leopoldo Richter“ will dies ändern. Im Museum Großauheim sind derzeit zahlreiche Werke des 1896 geborenen und 1984 gestorbenen Richter zu sehen, darunter Zeichnungen, großformatige Aquarelle, Skizzenbücher, Grafiken, Keramiken.

Die Schau

Die Sonderausstellung „Der Wald des Leopoldo Richter“ mit Werken des in Großauheim geborenen Malers, Keramikers und Entomologen ist bis 6. Juni 2021 im Museum Großauheim, Pfortenwingert 4, zu sehen. Dieses ist samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Weitere Informationen , etwa zum Begleitprogramm, gibt es auf www.museen-hanau.de

Nachdem die Familie Großauheim verlassen hatte, wuchs er in Lahr im Schwarzwald auf und besuchte die Technische Hochschule Baden in Karlsruhe. Im Jahr 1932 entschied der im Ersten Weltkrieg schwer an der linken Hand verletzte Richter, nach Südamerika auszuwandern, auch wegen der politischen Lage in Deutschland mit dem sich abzeichnenden Aufstieg der Nazis.

1939 trat er in Bogotá eine Stelle als Forscher an und unternahm lange Expeditionen. Künstlerisch habe er sich schon in Deutschland gelegentlich betätigt und dann als Wissenschaftler „fotorealistisch“ gezeichnet, doch die Konzentration auf die Kunst sei erst spät erfolgt, sagt Museumsleiterin Beate Hofmann. Umso bemerkenswerter, dass Richter gleich mit seinen ersten Ausstellungen um 1950 herum internationale Aufmerksamkeit erhielt.

Es war der in Hanau lebende Chemiker Heribert Offermanns, der bei Recherchen auf Leopoldo Richter stieß und den Heimat- und Geschichtsverein Großauheim auf den hier in Vergessenheit geratenen Maler aufmerksam machte. Die Schau wurde schließlich durch eine Schenkung von mehr als 150 Exponaten ermöglicht. Sie stammen aus dem Nachlass der Schweizerin Heidi Stocker, die einst ein Liebesverhältnis mit Richter hatte.

Sein Stil ist schwer zu fassen. Kurator Peter Szillat sieht expressionistische, kubistische und symbolistische Elemente. Das Werk sei sehr vielschichtig, mit einem Leitmotiv, das die Ausstellung ebenfalls prägt: dem Wald. Richter habe den Dschungel „als Zeuge“, nicht als Außenstehender erlebt, ein gutes Naturverständnis entwickelt. Das zeige sich in seinen Bildern. Gleichzeitig habe er sich früh mit ökologischen Netzwerken beschäftigt und erkannt, dass man sie schützen müsse.

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