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Die Teilnehmer werden in die allgemeinen Klassen integriert und zudem individuell gefördert.

Berufliche Integration

Diakonie bildet in Hanau Geflüchtete zu Pflegehelfern aus

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Das Pilotprojekt soll die berufliche Integration fördern - und zugleich dem Fachkräftemangel in der Pflege entgegenwirken.

Schon als ich klein war, habe ich älteren Menschen gerne geholfen“, sagt Mona Ahmed. Der 22-Jährigen, die aus Somalia flüchten musste und 2015 in Deutschland ankam, fällt es leicht, auf Leute zuzugehen. „Ich mag es, mich zu engagieren.“ Deshalb wollte sie nach ihrem Hauptschulabschluss unbedingt in der Pflege arbeiten. „Aber ich wusste nicht, ob es klappt - wegen der Sprache.“

Am Freitag strahlte Ahmed: Nach bestandenen theoretischen und praktischen Prüfungen zur Altenpflegehelferin konnte sie ihr Abschlusszeugnis entgegennehmen. Die junge Frau hat an „Altenpflege plus – Geflüchtete in die Altenpflege integrieren“ teilgenommen, einem Pilotprojekt der Diakonie Hessen, das diese in Hanau zusammen mit der „Vereinten Martin Luther + Althanauer Hospital-Stiftung“ sowie der Jugendwerkstatt umsetzt, in Bad Arolsen im Landkreis Waldeck-Frankenberg mit dem WDS-Ausbildungsinstitut. Die Martin-Luther-Stiftung ist Mitglied der Diakonie.

Der Theorieunterricht findet an den Ausbildungsinstituten der Partner statt, praktische Erfahrung sammeln die Teilnehmer in verschiedenen stationären Einrichtungen in der Nähe. Darüber hinaus werden die angehenden Pflegekräfte individuell unterstützt, sie profitieren etwa von Sprachförderung, sozialpädagogischer und psychosozialer Betreuung, Bewerbungstraining für die Zeit danach sowie Hilfe bei Behördengängen.

Das Angebot in Nordhessen mit 13 Teilnehmern gehört zum Projekt „Pflege in Hessen integriert“. Wer mitmacht, kann nicht nur Pflegehelfer werden, sondern auch den Hauptschulabschluss machen, weshalb das Ganze hier zwei Jahre dauert. In Hanau reicht ein Jahr, allerdings wird der Schulabschluss neben dem Sprachniveau B 1 vorausgesetzt. Hier waren es ebenfalls 13 Teilnehmer, der Kurs stand auch anderen Zuwanderern offen. Für die Arbeit in den Heimen erhielten sie 900 Euro brutto.

Bei den Durchgefallenen hängt es an der Sprache, nicht an praktischen Fähigkeiten

Mona Ahmed sagt, sie sei dankbar für den Kurs: „Ich konnte immer fragen und habe das oft getan. Wenn ich Hilfe brauchte, wurde mir alles verständlich und geduldig erklärt. Besonders sprachlich habe ich in dieser Zeit viel gelernt und bin jetzt sicherer.“ Sie habe sich unterstützt gefühlt, auch bei Schwierigkeiten.

Sechs Geprüfte sind in Hanau durchgefallen. Nichtsdestotrotz zieht Christina Lademann, Leiterin der Pflegeakademie der Martin-Luther-Stiftung, eine positive erste Bilanz – auch weil vier der fünf Asylsuchenden bestanden haben. Bei einem Großteil der Durchgefallenen seien die praktischen Ergebnisse gut gewesen, theoretisch habe es aber vor allem wegen sprachlicher Hürden nicht gereicht. „Da werden wir weiter fördern und hoffen, dass es im zweiten Durchgang klappt.

Unabhängig davon empfinde sie das Projekt schon jetzt als bereichernd. „Wir können Nachwuchs gewinnen und gleichzeitig einen Beitrag zur Integration leisten“, sagt Lademann. Während der Ausbildung hätten sie und ihre Kollegen auf einen „kultursensiblen Ansatz“ Wert gelegt, seien auf die Herkunft der Teilnehmer eingegangen, hätten zum Beispiel thematisiert, wie und mit welcher Haltung in den Herkunftsländern gepflegt wird. „Dieser Perspektivwechsel war auch für uns wertvoll.“ Das im Herbst 2018 begonnene Angebot läuft zunächst mit drei Jahrgängen in Hanau bis 2021. Die Diakonie finanziert an beiden Standorten eine sozialpädagogische Kraft, die in Hanau bei der Jugendwerkstatt angesiedelt ist. Martin Niederauer, Diakoniereferent für Fachkraftsicherung in der Pflege, spricht von einer Win-win-Situation: „Wir können Menschen sowohl zu einer beruflichen als auch zu einer Bleibeperspektive verhelfen und gleichzeitig dem Fachkräftemangel entgegenwirken.“

Mona Ahmed wird ihren Weg weitergehen, von der Helferin zur Fachkraft. Sie hat einen Ausbildungsplatz bei der Stiftung bekommen: „Ich freue mich. Im Herbst geht es los.“

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