Angehörige der Terroropfer von Hanau in weißen T-Shirts
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Angehörige der Terroropfer von Hanau in weißen T-Shirts.

Kundgebung

Gedenken an die Opfer von Hanau: „Keine Worte, um die Tat zu beschreiben“

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  • Tobias Möllers
    Tobias Möllers
  • Rebecca Röhrich
    Rebecca Röhrich
  • Gregor Haschnik
    Gregor Haschnik

Aufgrund der angespannten Corona-Lage gab es keine Demo aber dafür bewegende Worte auf dem Freiheitsplatz in Hanau. Unter den Rednern war auch Eintracht-Präsident Peter Fischer.

  • Die für Samstag (22.08.2020) geplante Demo in Hanau wurde abgesagt.
  • Grund sind die hohen Corona-Infektionszahlen.
  • Stattdessen gab es eine Kundgebung mit Angehörigen der Opfer.

+++ 18.58 Uhr: Angehörige und Freunde der neun Opfer des Anschlags von Hanau forderten bei der heutigen Kundgebung erneut die Aufklärung der Tat und einen entschiedenen Kampf gegen Rassismus in Deutschland. „Ihr werdet es nicht schaffen, uns mundtot zu machen, unsere Forderungen werden immer lauter werden“, sagte der Cousin eines der Getöteten und rief unter dem Applaus der knapp 250 Teilnehmern der Kundgebung: „Es lebe die Menschheit, es lebe die Demokratie, es lebe die Freiheit!“ Rassisten müssten entwaffnet werden, um Taten wie die von Hanau künftig zu verhindern.

+++ 18.35 Uhr: Gegen 17. 30 Uhr hat sich die Menschenmenge rund um die Kundgebung zum Anschlag von Hanau aufgelöst. Laut Polizeiangaben ist die gesamte Veranstaltung sehr friedlich verlaufen, es kam weder zu Konflikten noch Ausschreitungen. Im Stadtgebiet waren Menschen an vier weiteren Stellen dem Aufruf der Initiative 19. Februar Hanau gefolgt, die Kundgebung öffentlich zu streamen. Am Hanauer Marktplatz beispielsweise hat eine kleine Gruppe Demonstranten ein Fahrrad aufgestellt, auf dessen Anhänger Lautsprecher die Kundgebung übertragen haben. Ähnlich hätten andere Hanauer am Kurt-Blaum-Platz, der Post oder dem Hauptbahnhof spontan eine Übertragung auf die Beine gestellt. 

Gedenken an Anschlag von Hanau: OB will heute nicht sprechen

+++ 16.05 Uhr: Die Kundgebung zum Gedenken an den Anschlag von Hanau hat pünktlich um 15 Uhr begonnen. Zurzeit sprechen Angehörige der Opferfamilien. Im Anschluss sollte eigentlich Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky zu Wort kommen. Er hatte sich jedoch kurzfristig dagegen entschieden: „Ich wäre hier der einzige Politiker gewesen, der gesprochen hätte und hätte angesichts unserer gestrigen Entscheidung über Corona sprechen müssen. Das halte ich für eine falsche Akzentuierung“, so Kaminsky.

Durch seine Anwesenheit wolle er dennoch seine Anteilnahme und Solidarität den Angehörigen gegenüber demonstrieren. „Ich hatte in den vergangenen sechs Monaten sehr oft die Gelegenheit, dazu zu sprechen und denke, meine Haltung ist klar.“ Zur Kundgebung sind laut Hanaus Stadt-Pressesprecher Haas-Feldmann rund 350 Teilnehmer erschienen. 249 im vorgesehenen Bereich, weitere 100 drumherum. Die Stadt unterstützt die Ordner der Organisatoren selbst mit sieben Mitgliedern des Hygieneteams.“ Jeder trägt Maske und die Teilnehmer halten sich an die 249 roten Punkte am Boden“, so Haas-Feldmann. „Wir können bislang sehr zufrieden sein.“ 

Hanau: Angehörige der Anschlagsopfer versammeln sich

+++ 15.25 Uhr: Bereits um 14 Uhr versammelten sich die Angehörigen des Anschlags von Hanau bei der Begegnungsstätte der Initiative 19. Februar. Mit Schildern, auf denen die Fotos ihrer Angehörigen zu sehen und ihre Forderungen zu lesen sind, laufen sie gemeinsam vom Heumarkt, einem der beiden Tatorte, durch die Innenstadt zum Freiheitsplatz. Die Angehörigen tragen weiße T-Shirts, auf denen neben den Gesichtern der Angehörigen, Namen und der Hashtag #saytheirnames zu lesen ist.

Ein Ordner hat die Teilnehmer der Kundgebung bereits auf der Bühne auf die Corona-Sicherheitsauflagen der Veranstaltung hingewiesen: Jeder Teilnehmer muss einen Mund-Nase-Schutz tragen und Abstand zu anderen Menschen einhalten. Politische Fahnen sollen auf dem Platz vor der Bühne nicht hochgehalten werden, sondern nur die Schilder der Initiative, auf denen die Opfer sowie die Forderungen der Angehörigen zu lesen sind: „Erinnerung, soziale Gerechtigkeit, lückenlose Aufklärung und politische Konsequenzen“. 

Hanau greift bei Corona-Auflagen durch

+++ 12.14 Uhr: Dass Hanau eine Veranstaltung dieser Größenordnung (es waren zwischen 3000 und 5000 Menschen aus ganz Deutschland erwartet) wegen steigender Corona-Neuinfektionen absagt, überrascht nicht, schaut man auf die Tatsache, dass Hanau schon sehr früh und konsequent auf die Corona-Krise reagiert hatte.

Aus der hessenweiten Empfehlung, in Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln eine Maskenpflicht einzuführen, machte Hanau früh eine Pflicht. Und auch die Zahlen der Nachbarstadt Offenbach, die bei den Corona-Neuinfektionen bundesweiter Spitzenreiter ist, sind Argumente, auf Großveranstaltungen in der nächsten Zeit zu verzichten. Die Zahl der Neuinfektionen in Hanau ist in der vergangenen Woche ebenfalls stark gestiegen. Es ist damit zu rechnen, dass die Stadt Anfang der kommenden Woche die Warnstufe 4 erreicht.

Kleine Kundgebung in Hanau: Das ist der Ablaufplan

+++ 11.12 Uhr: Nun gibt es Details, wie die Kundgebung auf dem Freiheitsplatz in Hanau heute Nachmittag stattfinden soll. Neben Angehörigen der Hanauer Opfer sprechen Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky, Eintracht-Präsident Peter Fischer, eine Rabbinerin, die den Anschlag von Halle überlebt hat, Vertreter aus Mölln sowie die Angehörige des Mannes, der im vergangenen Jahr in Wächtersbach angeschlossen und schwer verletzt wurde.

Die Personenbegrenzung auf 249 Personen richtet sich nach der Vorgabe der Stadt, wie sie bei anderen öffentlichen Veranstaltungen, beispielsweise im Hanauer Amphitheater gültig ist. Im Laufe des Vormittags will die Stadt gemeinsam mit den Veranstaltern ein entsprechendes Sicherheitskonzept entwerfen. Laut Haas-Feldman könnten einzelne Bereiche eingezeichnet werden, in denen sich Menschen aus einem Familienstand sammeln können. So wolle man sicherstellen, dass die nötigen Abstände eingehalten werden. Gegen 12 Uhr folgen nähere Informationen dazu. 

Gedenkdemo in Hanau abgesagt: Es hagelt heftig Kritik

+++ 10.03 Uhr: Weil die Zahl der Neuinfektionen in Hanau rasant steigen, hat sich die Stadt dazu entschlossen, die Gedenkdemo für die Opfer des Anschlags abzusagen. Stattdessen soll es um 15 Uhr eine Gedenkveranstaltung mit begrenzter Teilnehmerzahl auf dem Freiheitsplatz geben. Ein Livestream soll die Teilnahme via Internet ermöglichen. Verschiedene Bündnisse bieten an mehreren Orten in Frankfurt an, den Stream gemeinsam zu verfolgen.

+++ 09.07 Uhr: Die Initiative 19. Februar Hanau geht kreativ mit der Absage der Demonstration zum Gedenken an die Opfer des Terroranschlags um. So wird sie die Veranstaltung teilweise ins Internet verlegen. Um 15 Uhr wird es einen Livestream geben, der an zehn Orten in Frankfurt ausgestrahlt wird.

An folgenden Orten in Frankfurt wird der Livestream zu sehen sein:

  • Günthersburgspark (Große Wiese)
  • Mainufer (Friedenbrücke am Graffiti)
  • Bockenheimer Warte
  • Frankenallee/Ecke Saalbau
  • Opernplatz
  • Will-Brandt-Platz
  • Rossmarkt
  • Hauptwache
  • Hausprojekt Nikka (Niddastraße/Karlstraße)

Demo in Hanau wegen Corona abgesagt: Affront gegenüber den Hinterbliebenen

+++ 08.41 Uhr: Die kurzfristige Absage der Gedenkdemonstration in Hanau stößt auf viel Kritik. Vor allem, weil Corona-Leugner*innen noch vor wenigen Tagen auf der Straße demonstrieren durften und weiterhin in Nordrhein-Westfalen ein Mega-Konzert mit über 10.000 Menschen geplant ist, empfinden viele die Absage der Gedenkdemonstration als einen Affront gegenüber den Hinterbliebenen des Anschlages von Hanau.

Unter den Kritiker*innen ist auch die Klimaaktivistin und Kapitänin Carola Rackete. „Was ist das für ein Land, in dem alle Corona-Leugner wochenlang in großen Gruppen ohne Masken demonstrieren, die Gedenkdemo mit Hygienekonzept in Hanau aber am Abend vorher abgesagt wird?“, schreibt sie auf dem Kurznachrichtendienst Twitter.

Absage der Gedenkdemo in Hanau: Kundgebungen geplant

Update vom Samstag, 22.08.2020, 07.16 Uhr: Die kurzfristige Absage der Gedenkdemonstration für die Opfer des rechten Terroranschlags in Hanau erhitzt die Gemüter. Die Initiative 19. Februar Hanau, die zu der Veranstaltung aufgerufen hatte, zeigt sich enttäuscht. Sie wollen nun rechtlich gegen die Entscheidung der Stadt Hanau vorgehen.

„Die Absage am Freitag Abend lässt uns keine rechtlichen Möglichkeiten, die Entscheidung prüfen zu lassen", heißt es in einer Pressemitteilung. Sie wollen trotzdem die geplante Kundgebung veranstalten. Die Initiative Migrantifa-Hessen zeigt sich erzürnt über die kurzfristige Absage. Sie rufen auf Twitter dazu auf, trotzdem auf die Straße zu gehen.

Demonstration in Hanau: Abgesagt wegen Corona

Erstmeldung vom Freitag, 21.08.2020, 20.11 Uhr: Hanau - Wegen der Corona-Pandemie wurde die geplante Demo am 22. August von Oberbürgermeister Claus Kaminsky am Freitagabend abgesagt. Angehörige der Opfer des rassistischen Anschlags von Hanau hatten zuvor noch ihre Forderungen nach Konsequenzen aus der Tat bekräftigt. Nötig seien etwa strengere Waffenkontrollen und ein entschiedener Kampf gegen rassistische Tendenzen an Schulen, sagte Serpil Unvar, die Mutter des ermordeten Ferhat, am Freitag in Hanau. „Unsere Kinder dürfen nicht umsonst gestorben sein. Ihr Tod muss der Anfang sein von etwas Neuem.“

Die Demonstration unter dem Motto „Erinnerung – Gerechtigkeit – Aufklärung – Konsequenzen!“ sollte um 13 Uhr am Kurt-Schumacher-Platz in Kesselstadt beginnen, am zweiten Tatort. Die drei Kilometer lange Route sollte dann über die Philippsruher Allee, den Kanaltorplatz und den ersten Tatort am Heumarkt zum Freiheitsplatz führen. Während der Kundgebung sollten unter anderem die Familien Gültekin, Gürbüz, Kurtovic, Unvar, Paun, Goman/Kierpacz und Velkov sprechen sowie Eintracht-Präsident Peter Fischer und die Ehefrau von Bilal M., der 2019 das rassistische Attentat in Wächtersbach schwer verletzt überlebte. Nach dem rassistischen Anschlag von Hanau wurden die Versprechen von restloser Aufklärung und Konsequenzen nicht gehalten – Optimale Voraussetzungen dafür, dass sich Hanau wiederholt.

Tausende Menschen wurden zur Demo in Hanau erwartet

Busse und Bahnreisegruppen aus mehr als 30 Städten wurden erwartet. Polizei und Stadt kalkulierten mit 3000 bis 5000 Teilnehmern. Wegen der akut steigenden Zahl an Corona-Neuinfektionen wurde die Veranstaltung kurzfristig abgesagt. Oberbürgermeister Claus Kaminsky versicherte: „Sobald die Infektionsfälle wieder deutlich zurückgegangen sind, holen wir diese Trauerbekundung selbstverständlich nach.“

In einer Pressemitteilung der Stadt heißt es: „Der Main-Kinzig-Kreis teilte dem Oberbürgermeister am Freitagabend gegen 18 Uhr mit, dass die Zahl der Neuinfizierten je 100.000 Einwohner im 7-Tage-Rückblick in Hanau auf 49 hochgeschnellt ist. Tags zuvor hatte diese Zahl noch bei 36 gelegen.“ Kreisgesundheitsdezernentin Susanne Simmler und der Hanauer OB rechnen mit einem weiteren Anstieg der Infiziertenzahl in den nächsten Tagen. Von daher sei es nicht zu verantworten, mit einer Demonstration von 3000 bis 5000 Menschen womöglich zur weiteren Ausbreitung der Pandemie beizutragen. (mit dpa)

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