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Die Zahl der verwendeten Plastiktüten wird sich bald reduzieren.

Hanau

Tüten aus Maisstärke: Hanau bemüht sich, für mehr Nachhaltigkeit zu sorgen

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Die Markthändler in Hanau sollen auf Einwegplastik verzichten.

Löffel aus Polymilchsäure, Tüten aus Maisstärke und Öl, Schalen aus Zuckerrohr und Papier, wo es geht: Auf dem Hanauer Wochenmarkt testen Beschicker gerade umweltfreundliche Alternativen zu Plastik. Denn der Markt am Brüder-Grimm-Denkmal, einer der größten in Hessen, soll bis 2020 frei von Einwegplastik werden – so das Ziel.

Die vierwöchige Testphase hat gerade begonnen, elf von insgesamt rund 70 Beschickern beteiligen sich, dazu gehören Feinkost-Bozkurt, Obsthändler Manfred Albrecht, Beyer’s Imbiss, Geflügel-Burkhart und Gewürzhändler Schimmelschmidt, aus jeder Sparte einer. Ihnen finanziert die städtische Hanau Marketing GmbH zunächst die Alternativprodukte für etwa 2000 Euro. Die Bestellung übernimmt die Lebensmittelfirma Barthmann. Etwa zehn Stände sind laut Anja Zeller, Leiterin der Stabsstelle für nachhaltige Strategien der Stadt Hanau, schon plastikfrei.

Mit dem Auftakt der Initiative ist Zeller zufrieden, die Rückmeldung von Händlern und Beschickern sei überwiegend positiv gewesen. Bei einigen Marktprodukten müsse man verpackungstechnisch nachjustieren, um die geeignete Alternative zu finden. Auch der Kunde sei gefragt: Zeller empfiehlt, den Einkauf zu planen und etwa Stofftaschen, Tupperware, Becher mitzunehmen. Viele täten das bereits.

Viele positive Reaktionen in Hanau

Peter Krebs, Betreiber von Beyer’s Imbiss und Vorsitzender des Wochenmarktvereins, berichtet ebenfalls von vielen positiven Reaktionen: „Das Bewusstsein hat sich verändert“, sagt er und unterstützt den Weg. Allerdings betont Krebs, man müsse bei der Zielsetzung realistisch bleiben und Schritt für Schritt vorgehen. Er selbst habe zum Beispiel die Erfahrung gemacht, dass eine recycelbare Schale für Nieren- und Fleischspieße für den Verzehr vor Ort bestens geeignet, funktional sogar besser als die alte Plastikschale sei. Die alternative Verpackung zum Mitnehmen hingegen habe er nicht verwenden können, weil sie sich durch die lange einwirkende Hitze verformte. Einem Kollegen ging es mit Deckeln aus Milchsäure ähnlich, es gebe noch einige Schwierigkeiten. „Wir müssen ausloten, was geht und was nicht“, sagt Krebs. Er sieht nicht nur die Beschicker, sondern auch Politik und Industrie in der Pflicht. Ein Problem sei, dass die Hanauer Händler einen Teil der Waren auf dem Großmarkt nur in Plastik einkaufen könnten.

Der Test auf dem Wochenmarkt gehört zu den Bemühungen Hanaus, für mehr Nachhaltigkeit zu sorgen. Auch bei städtischen Veranstaltungen soll auf Einwegplastik verzichtet werden, wie das Parlament beschloss. Die Bilanz beim Lamboyfest im Juni war durchwachsen. Zeller, die vor Ort prüfte, sagt, etwa 40 Prozent der Standinhaber seien sehr gut vorbereitet gewesen und hätten nur Alternativen angeboten, weitere 40 Prozent neben umweltfreundlichen Materialien auch Plastik. Und 20 Prozent hätten die Ansage, darauf zu verzichten, ignoriert. Nichtsdestotrotz steige das Bewusstsein für das Plastikproblem und die Bereitschaft etwas zu ändern deutlich, so Zeller. Deshalb soll die Initiative ausgebaut werden. Der Verzicht auf Einwegplastik soll auch während des Bürgerfestes und auf dem Weihnachtsmarkt greifen.

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