Nachhaltig: Alissa präsentiert ihr selbst gemachtes Wachstuch. Darin eingeschlagen bleiben Lebensmittel lange frisch.
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Nachhaltig: Alissa präsentiert ihr selbst gemachtes Wachstuch. Darin eingeschlagen bleiben Lebensmittel lange frisch.

Messe in Hanau

Hanau: Anleitung zu mehr Umweltschutz

  • Detlef Sundermann
    vonDetlef Sundermann
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Die erste Nachhaltigkeitsmesse in Hanau mit Ausstellern und Workshops ist auch Inspirationsquelle für den Nachhaltigkeitspreis 2020 der Stadt.

Statt Beats und Cocktails gab es am Wochenende im „Library“ ein komplett anderes Programm. Darauf deutete auch schon der Titel hin: „Do Something Green Today“. Das städtische Umweltzentrum organisierte mit Library-Betreiber Rocky Musleh die erste Nachhaltigkeitsmesse in Hanau. Bei der Afterwork-Veranstaltung „Abendgold“ wurde die ungewöhnliche Kombination aus Location und ortsuntypischen Inhalt, ausgeheckt, heißt es vom Umweltzentrum.

Was alles möglich ist, um achtsam mit der Umwelt umzugehen, zeigten verschiedene Aussteller, darunter befanden sich ebenso einige Gewinner des letztjährigen Nachhaltigkeitspreises. Mit der Veranstaltung sollte auch noch einmal die Flagge für den Wettbewerb 2020 gehisst werden, der immerhin mit insgesamt 8000 Euro dotiert ist. „Die Messe soll Inspiration geben, zeigen, was alles möglich ist“, sagt Gabriele Schaar-von Römer, Leiterin des Umweltzentrums. Was im großen Saal und im „Wohnzimmer“ mit dem dick gepolsterten Clubcouches zu sehen war, verließ auch den üblichen Rahmen. Nachhaltigkeit kann chic, lecker sowie dekorativ und praktisch sein. Gold und Silber als Schmuckmaterial ist sehr langlebig, aber deren Gewinn kann eine hohe Umweltbelastung in den Ländern bedeuten, wo sie geschürft werden. Dass stattdessen auch Betonschmuck zu Eleganz verhelfen kann, zeigte die Goldschmiedemeisterin Pilar Schoenborn vom Hanauer Atelier Una-Products. Regionale Materialien und Up-Cycling machen dort die Ressourcenschonung aus. Zu Letzterem: Pfennig-Stücke, werden kunstvoll emailliert und so zu Anhängern umgearbeitet oder verschlissene mechanische Werke aus Armbanduhren bilden den Edelsteinersatz auf breiten Ringen.

Einen kleinen Ansturm fand der Stand mit Secondhand-Kleidern, Taschen und Schuhen - alles modisch und kaum getragen. Überdies gab es einen Vortrag über den Regenwald und was wir hier gegen seine Zerstörung tun können. Seife und Hautcreme selbst herstellen etwa könne schon dazu beitragen. Beides wurde in Workshops gezeigt, ebenso gab es Kochkurse mit Zutaten aus nachhaltigem Anbau und natürlich ohne Fleisch.

Dass Wachstücher hübsch und praktisch seien können, weil sie zum Frischhalten Kunststoff- und Alu-Folie sehr gut ersetzen, wurde in einem anderem Kurs vermittelt. Am Stand des Behindertenwerks Main-Kinzig gab es zudem die Gelegenheit, sich über weniger Müll und damit ressourcenschonend beim Einkaufen zu informieren. Die Einrichtung betreibt in Gelnhausen und Hanau einen Unverpacktladen. Eine andere Art der Abfallvermeidung ergab sich mit einer Aktion. Wer ein unliebsames Weihnachtsgeschenk mitbrachte, das vielleicht in nächster Zeit in der „Tonne“ gelandet wäre, konnte es gegen ein anderes einzutauschen, von dem man was hat.

Klassische Konsumentensehnsüchte bildeten hingegen der Kontrast, den die zu Tapete verarbeiteten Tageszeitungen im „Wohnzimmer“ bieten. Airline werben dort in großen Anzeigen mit täglichen Flügen in kanadische Metropolen und „jede Woche 11 Jets nach Tokio“. Der Blattrand verkündet von anderen Zeiten, von 1965. Damals kannte man schlimmstenfalls Flugangst, aber keine Flugscham.

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