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Hanau

Hanau: Angeklagter„Firmenbestatter“ räumt Vorwürfe ein

  • Gregor Haschnik
    VonGregor Haschnik
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Im Prozess um die Pleite des Bekleidungsunternehmens J. Philipp zeigt sich der Angeklagte geständig und erhebt seinerseits Vorwürfe.

Mit einem Rollator, auf dessen Ablage er eine Wasserflasche platziert, betritt Christian F. am Donnerstag Saal A 216 des Landgerichts. Sein kurzes schwarzes Haar ist schütter, sein Gesicht blass. F. wirkt krank. Im Sommer fassten Fahnder ihn in Danzig. Zuvor soll der 45-Jährige in Zusammenhang mit „Firmenbestattungen“, bei denen angeschlagene Unternehmen liquidiert werden, schon verurteilt worden sein. Und eine Haftunterbrechung wegen vermeintlicher Gesundheitsprobleme zur Flucht genutzt haben.

Heute muss sich F. vor der Wirtschaftsstrafkammer um den Vorsitzenden Richter Mirko Schulte verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, an der skandalträchtigen Pleite des traditionsreichen Hanauer Bekleidungsunternehmens J. Philipp 2015 – bei der etwa 80 Menschen ihren Arbeitsplatz verloren – mitgewirkt zu haben. Die durch Staatsanwalt Mathias Pleuser vertretene Behörde hat ihn wegen Beihilfe zum vorsätzlichen Bankrott und zur Untreue angeklagt. Konkret soll er den bei J. Philipp zwecks „Bestattung“ installierten Geschäftsführer überredet haben, an eine von F. gegründete Scheinfirma in der Schweiz fast alle Forderungen der J. Philipp GmbH im Wert von mehr als 784 000 Euro durch eine sogenannte Globalzession abzutreten – ohne nachvollziehbaren rechtlichen oder wirtschaftlichen Grund. Der Angeklagte habe das Geld auf eigene Rechnung einziehen wollen.

Mitbeteiligte belastet

Christian F., so scheint es jedenfalls, will einen Schlussstrich ziehen. Er räume den Vorwurf aus dem Eröffnungsbeschluss der Kammer ein, sagt F. Seine Verteidigerin kündigt an, ein schriftliches Geständnis vorzulegen.

In der ersten Jahreshälfte wurde in Abwesenheit von F. gegen vier weitere Beteiligte verhandelt, wegen Insolvenzverschleppung und Bankrott. Laut Staatsanwaltschaft wollten sie die Firma J. Philipp loswerden, ohne Insolvenz anmelden, haften und strafrechtliche Konsequenzen fürchten zu müssen. Die Verfahren gegen die vier Mitangeklagten wurden gegen Geldauflagen von insgesamt 1,7 Millionen Euro eingestellt. Sie wiesen einen Großteil der Vorwürfe zurück und belasteten Christian F., der eine treibende Kraft gewesen sei.

Dass die anderen so gut wie nichts mit all den Vorgängen zu tun gehabt hätten, will F. wiederum nicht stehen lassen. Er gibt unter anderem an, dass sich der Geschäftsführer der Bekleidungsfirma zu keinem Zeitpunkt gegen etwas gesträubt, für alles „bereitgestanden“, teilweise eigenständig Kündigungen vorangetrieben habe und, ebenso wie ein anderer Manager, an Einnahmen aus dem Verkauf von Maschinen des Unternehmens beteiligt worden sei. Jeweils etwa zehn Prozent „Provision“ hätten sie bekommen.

Und ein Verantwortlicher der Textilgruppe, die J. Philipp 2013 übernommen hatte, sei an eine auf Liquidationen spezialisierte Firma herangetreten und habe um eine Abwicklung gebeten. Ziel sei es gewesen, das wirtschaftlich schwache und daher uninteressante Unternehmen so geräuschlos wie möglich zu beerdigen.

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