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Ein geschotterter Vorgarten.

Beispiel Hanau

Hanau aktiv gegen Schottergärten

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In Hanau sollen Steine im Vorgarten bald der Vergangenheit angehören. In manchen Vierteln ist die Versiegelung bereits untersagt, andere Quartiere sollen folgen. Dafür werden neue Bebauungspläne formuliert und Vorgartensatzungen geändert.

In Hanau sollen Schottergärten bald der Vergangenheit angehören. Die 98 000-Einwohner-Stadt gehört wie Fulda zu jenen Kommunen, die bereits vor dem Appell von Hessens Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) aktiv geworden sind. Im Viertel Pioneer Park, das gerade auf dem früheren Kasernengelände in Wolfgang gebaut wird und etwa 5000 Menschen Platz bietet, sind solche „Gärten“ untersagt. Die Regel soll, so der Plan, in weiteren Quartieren greifen, daher werden neue Bebauungspläne entsprechend formuliert und die Vorgartensatzung geändert.

Anja Zeller (Grüne), Leiterin der Stabsstelle für nachhaltige Strategien, bezeichnet grüne Gärten als wichtigen Beitrag, um dem Klimawandel entgegenzuwirken. Deshalb lässt die Stadt ein Kataster erstellen, das neben dem vorhandenen Grün Flächen zeigt, die entsiegelt werden, und Dächer, die begrünt werden könnten. Darüber hinaus ist eine große Kampagne geplant, die voraussichtlich im Frühjahr 2020 beginnt, mit Veranstaltungen, Infomaterial und Beratung. Dabei sollen Bürger über die Vorteile eines echten Gartens informiert und kostenlos vor Ort beraten werden, wie sich ihr Garten mit möglichst wenig Aufwand entsiegeln, bepflanzen und pflegen ließe. Zudem wird es wohl einen Wettbewerb für Umgestaltung geben – mit Preisgeld.

Hanau kann Grünflächen gut gebrauchen, weil größere Teile der Innenstadt versiegelt sind. Wie der vor einigen Jahren neu gestaltete zentrale Freiheitsplatz. Damals war viel Kritik an der Stadt laut geworden, weil zahlreiche Platanen gefällt wurden und der Platz nicht entsiegelt, sondern gepflastert wurde.

Bei den aktuellen Bemühungen gehe es nicht darum, etwas mit aller Macht durchzusetzen. Das wäre auch gar nicht möglich, zumindest flächendeckend: Keine Stadt habe das Personal, um regelmäßig die Gestaltung der Vorgärten zu kontrollieren, sagt Anja Batke, Leiterin des Stadtplanungsamts. „Das ist auch gut so, zum Glück leben wir nicht in einem Polizeistaat, und wir wollen als Stadt auch nicht, dass Leute sich gegenseitig anschwärzen.“ Ziel sei es vielmehr, das Bewusstsein zu schärfen und die Leute zu überzeugen. Das betonen Batke und Zeller.

Steine heizten sich zum Beispiel schnell auf und verhinderten, dass Wasser abfließe. Ein grüner Garten hingegen sorge für Abkühlung und verbessere die Bodenqualität. Er biete Lebensraum für Pflanzen und Tiere, erhalte so die Biodiversität, erklärt Zeller. Hinzu kämen geringere Abwassergebühren.

„Als Stadt können wir am meisten über Information und positive Anreize erreichen“, so Batke. Und dass ein steiniger Garten pflegeleichter sei, stimme eben nicht: Die Steine „sind umständlich von herunterfallenden Blättern sauber zu halten“. Ohne Laubsauger gehe es kaum. Trotz Folie kämen Gräser durch, und damit es ordentlich aussehe, müsse man tatsächlich viel öfter arbeiten als bei einem zugewachsenen Garten.

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