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Der Kühlcontainer für Leichname vor dem Krematorium auf dem Hauptfriedhof in Hanau.
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Der Kühlcontainer für Leichname vor dem Krematorium auf dem Hauptfriedhof in Hanau.

Leichen

Abschied im Schutzanzug

  • Detlef Sundermann
    VonDetlef Sundermann
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Die Zahl der Toten bringt das Klinikum in Hanau an die Grenzen. Der Leichenkeller ist zeitweise voll.

Die gute Nachricht: Der auf dem Hauptfriedhof aufgestellte Kühlcontainer für die Leichen der beiden Krankenhäuser in der Stadt bleibt ungeachtet der seit Wochen bundesweit hohen Corona-Todeszahlen derzeit ungenutzt. Der Container wurde im vergangenen April wegen der steigenden Zahl der Pandemieopfer von der Stadt vorsorglich angeschafft.

Die weniger gute Nachricht: Wer mit Covid-19 auf der Intensivstation behandelt werden muss, hat eine Überlebenschance von durchschnittlich gut 80 Prozent, teilt das Klinikum Hanau auf FR-Anfrage mit. Das ist jedoch kein Referenzwert. Denn das Alter und die Vorerkrankungen des Erkrankten spielen eine nicht unerhebliche Rolle, heißt es aus dem Gesundheitsamt des Main-Kinzig-Kreises, das für Hanau zuständig ist und somit die Statistik führt.

Seit Ausbruch der Pandemie vor gut einem Jahr sind allein in Hanau 126 Menschen an Covid-19 gestorben. Im gesamten Kreisgebiet waren es bis gestern 328 Tote. Die Sterberate während des ersten Lockdowns von März bis Mai soll über der gegenwärtigen Quote von 18 Prozent gelegen haben, heißt es aus dem Klinikum. Diese Todesfälle kommen zu den regulären knapp 900 im Jahr hinzu. „Durch die Pandemie erreichen wir punktuell immer wieder die maximale Auslastung unserer 15 Kühlkammern“, berichtet Michaela Farr, Pressesprecherin des Klinikums Hanau. Eine solche Auslastung war etwa Mitte Dezember eingetreten, als der Schub bei den Covid-19-Toten einsetzte und mit den üblichen Todesfällen die Kapazität des Leichenkellers im Klinikum erschöpft war.

Die Statistik

Im Main-Kinzig-Kreis sind bis zum 20. Januar 328 Sterbefälle, davon 126 in Hanau, wegen oder mit Covid-19 gezählt worden.

Rasanter Anstieg der Todeszahl ab Dezember von bis dahin 94 auf 328 (20. Januar).

Das jüngste Opfer war 34, das älteste 105 Jahre alt. 290 der 328 Toten war 70 Jahre und älter.

Bei Männern ist die Sterblichkeit etwas höher als bei Frauen. sun

Zwei an Covid-19 Verstorbene mussten in dem Provisorium am Hauptfriedhof bis zur Bestattung gelagert werden. Seitdem sind 19 Leichname in dem Kühlcontainer gelagert worden, der bis zu 25 Tote aufnehmen und auch vom St. Vinzenz-Krankenhaus in der Stadt belegt werden kann, wenn dessen Lagerkapazität nicht ausreicht. „Bisher mussten wir diese Option jedoch nicht in Anspruch nehmen“, teilt Pflegedirektorin Jutta Berg mit.

In Zeiten der Corona-Pandemie ist das normale Abschiednehmen der Angehörigen vom Sterbenden nicht möglich, nicht zuletzt, weil in den beiden Hanauer Krankenhäusern ein Besuchsverbot besteht. Aber „sobald eine Verschlechterung des Zustandes des Patienten festgestellt wird, bieten wir den Angehörigen die Möglichkeit sich zu verabschieden“, sagt Farr. Das Zimmer des Patienten könne jedoch nur in Schutzkleidung sowie unter Anleitung und Begleitung des Fachpersonals betreten werden. Im Vinzenz-Hospital wird es ähnlich gehalten. „Die nächsten Angehörigen zuerst und nacheinander bis zu vier Personen“, erklärt Berg.

Von einem Covid-19-Toten kann hingegen weder im Vinzenz noch im Klinikum Abschied genommen werden, heißt es. So makaber es klingt: Laut Klinikum werden diese Leichen per Verordnung als „sogenanntes Gefahrengut eingestuft“. Diese Toten müssen in speziellen Leichensäcke gelegt und dürfen nicht mehr geöffnet werden, so Farr. Das schließe gleichfalls religiöse Bestattungsrituale wie die Waschung zumindest im Klinikum aus.

Die Totenwaschung aus religiösen Gründen gilt in Corona-Zeiten in Deutschland nicht als verboten. Das Robert-Koch-Institut (RKI) fordert jedoch mindestens die Einhaltung der Basishygiene. Die jüdische Gemeinde in Hanau, die bereits zwei Covid-19-Opfer zu beklagen hat, geht das Problem pragmatisch an. Covid-19-Tote werden seit Pandemiebeginn nicht gewaschen. „Priorität Nummer eins ist für uns, dass der Leichnam schnell eine Erdbestattung und damit seine Ruhe bekommt“, sagt Gemeindegeschäftsführer Oliver Dainow. Auch werde, um das Infektionsrisiko gering zu halten, auf das Quorum beim Gottesdienst am Grab auf dem jüdischen Friedhof in Hanau-Steinheim verzichtet. Im Judentum wird in der Regel ein Gottesdienst nur mit mindestens zehn religionsmündigen jüdischen Personen gehalten. „Notfalls sind nur der Rabbi und die Witwe am Grab“, sagt Dainow.

Eine Anfrage an eine islamische Vereinigung zur Bestattung von Muslimen blieb unbeantwortet.

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