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Polizei und Stadtpolizei wachen an der Landgarfenstraße an einer Sperrzone.

Bombe

Hanau: 250-Kilo-Bombe sicher entschärft

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5000 Menschen mussten in Hanau ihre Häuser verlassen. Die Straßensperrungen sorgen für Staus.

Kurz vor 14 Uhr, sieben Stunden nach Beginn der Evakuierung, gibt die Feuerwehr Hanau auf Twitter Entwarnung: „Die Entschärfung ist erfolgreich verlaufen, und die Sperrungen werden zurückgenommen.“ Die Menschen, die in der Nähe des Fundorts einer Weltkriegsbombe in der Bruchköbeler Landstraße leben, können entspannt in ihre Wohnungen zurückkehren.

Es „hätte nicht besser laufen können“, sagte Feuerwerker René Bennert vom Kampfmittelräumdienst des Regierungspräsidiums Darmstadt über die erfolgreiche Arbeit seines Teams. Sie machten die 250 Kilogramm schwere Bombe aus sicherer Entfernung mit Hilfe einer Raketenklemme unschädlich. Das Werkzeug wurde per Funk bedient.

Auf dem Gelände wird gebaut. Eine Fachfirma, die es nach Kampfmitteln absuchte, hatte die Fliegerbombe am Donnerstagnachmittag in etwa 1,80 Metern Tiefe entdeckt und die Stelle abgesichert. Wäre ein Bagger darauf gestoßen, hätte es womöglich gefährlich werden können.

Gegen 18.30 Uhr habe die Stadt Hanau den Fund und die daraus resultierenden Folgen „auf allen Kanälen“ kommuniziert, etwa über die Pressestelle und soziale Netzwerke, so OB Claus Kaminsky (SPD). Es werde immer einige „Überraschte“ geben, aber die Stadt habe alles getan, um deren Zahl so klein wie möglich zu halten. Ab Donnerstag um 17 Uhr war ein auch in der Nacht besetztes Bürgertelefon geschaltet. Rund 900 Anrufe besorgter Anwohner seien eingegangen. Bedenklich ist, dass das hessenweite Warn- und Informationssystem „Katwarn“ erst zwei Stunden nach der städtischen Mitteilung aktiv wurde.

Hanau habe „eine gewisse Routine“ mit solchen Aufgaben, meinte Kaminsky und spielte damit darauf an, dass erst Ende November 2018 eine 500-Kilo-Bombe auf dem Areal der früheren Pioneer-Kaserne beseitigt wurde. Dort entsteht derzeit ein neues Viertel für 5000 Bewohner.

Ungefähr genauso viele mussten jetzt ihre eigenen vier Wände verlassen; ab 7 Uhr wurden alle Häuser im Umkreis von 700 Metern evakuiert. Zu diesem Zeitpunkt waren noch zahlreiche Leute zu Hause oder machten sich gerade auf den Weg. So wie ein blinder Mann, der im Rundfunk von der Bombe erfahren hatte und von einem Nachbarn mitgenommen wurde. Er sei ganz entspannt. „Was bleibt mir auch anderes übrig?“, sagte er und lachte. Nicht alle waren so gelassen: Eine Familie aus der Bruchköbeler Landstraße beschwerte sich, sie sei zu spät und zu wenig informiert worden, zum Beispiel über die Fahrzeiten der Sonderbusse. Die Hanauer Straßenbahn setzte diese ein, um Betroffene in Sicherheit zu bringen. Wer wollte, kam in der nahe gelegenen August-Schärttner-Halle oder der Mehrzweckhalle in Mittelbuchen unter, wo es Getränke und Gulaschsuppe gab. Die Unterkünfte wurden aber relativ wenig genutzt, um die Mittagszeit waren es beispielsweise in Mittelbuchen lediglich 80 Leute.

An den vier Schulen und zwei Kindergärten, die geschlossen blieben, standen bereits gegen 7.30 Uhr nur Mitarbeiter, die bei Bedarf aufklären sollten. Insgesamt soll lediglich eine Familie nicht informiert gewesen sein. Gegen 13 Uhr seien alle Straßen und Häuser leer gewesen, so dass Bennert, der die Kooperation mit den Einsatzkräften lobte, mit dem Entschärfen beginnen konnte.

Nach Angaben der Stadt gab es bei der Evakuierung kaum Probleme. Einige Bürger hätten zwar intensiv überzeugt werden müssen, es habe aber keine Zwischenfälle gegeben, sagte Sprecherin Güzin Langner. Wohnungstüren hätten nicht aufgebrochen werden müssen. Mehr als 250 Haupt- und Ehrenamtliche waren im Einsatz von Feuerwehr, Polizei und den Katastrophenschutzeinheiten des Main-Kinzig-Kreises, die unter anderem von Rettungsdiensten wie dem DRK oder den Johannitern gestellt wurden. Auch Teile der Maintaler Wehr beteiligten sich. Sie gingen von Haus zu Haus, um zu prüfen, ob noch jemand drin war. Ihr Hauptaugenmerk lag auf nicht mobilen Menschen. Etwa 70 Krankentransporte wurden organisiert. Im Wohnstift in der Lortzingstraße musste laut Feuerwehrchef Peter Hack glücklicherweise nur ein Gebäudeteil evakuiert werden. Deshalb konnten die 72 dort lebenden Senioren vorübergehend einfach in einen anderen Trakt gebracht werden.

Mehr Probleme ergaben sich beim Verkehr: Weil neben vielen kleineren Straßen in Hanau-Nordwest Teile der vielbefahrenen B45 und die Ausfahrt Hanau-Nord der A66 gesperrt und Busse umgeleitet werden mussten, kam es zu Staus und Verzögerungen.

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