Hanau

Haltestelle für Keuzfahrtschiffe

Schweizer Unternehmen will Liegestelle bei Schloss Philippsruhe bauen und vermieten.

Hanau könnte bald ein Zwischenhalt für Kreuzfahrtschiffe werden. Nicht für die dicken Pötte, die ohnehin spätestens an der Offenbacher Schleuse hängenbleiben, sondern für die langen, flachen Boote, auf denen es kaum weniger komfortabel zugehen soll. Ein Schweizer Unternehmen will die Anlegestelle bauen, deren Entree das Schloss Philippsruhe bilden soll.

„Die Stadt begrüßt das Vorhaben ausdrücklich“, sagt Martin Bieberle, Geschäftsführer der städtischen Hanau-Marketing-GmbH, auf Anfrage. Die Stadt stehe im Kontakt mit der RSR Shipping aus Baar im Kanton Zug. „Wir räumen mit der RSR die Probleme beiseite“, sagt Bieberle. Der Main ist als Bundesschifffahrtsstraße eingestuft, entsprechend hoch fallen die Auflagen aus. Die Kreuzfahrtschiffe sind immerhin zwischen 100 und mehr als 130 Meter lang und dürfen an der Liegestelle nicht den Betrieb auf dem Fluss oder dessen Hochwasserentwicklung beeinträchtigen. Der auf Höhe des Amphitheaters bestehende Landungssteg ist wegen der Flussenge und der Nähe zum Main-Knie daher ein weniger geeigneter Ort.

Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Aschaffenburg (WSA) sieht jedoch rund 300 Meter flussabwärts bei Flusskilometer 54,1 auf der Hanauer Seite eine passende Stelle, gegenüber der Mole für die Schleuseneinfahrt. „Dort darf kein Schiff mehr auf der rechten Seite fahren“, sagt Marisa Schneider, die stellvertretende Amtsleiterin. Auf diesem Abschnitt sei nicht nur immer genügend Wasser unter dem Kiel, sondern er sei auch breit genug, damit auch zwei Kreuzfahrtschiffe nebeneinander liegen könnten. Dann bleibe immer noch eine rund 100 Meter weite Durchfahrt, sagt Schneider.

Poller im Abstand von rund 180 Metern müssen in den Grund gerammt werden, um daran die Schiffe zu vertäuen. Ein Landungssteg mit ausreichend großem Schwimmponton für bis zu zwei Kabinendampfer steht ebenfalls auf der Investitionliste. Zudem wird ein Anschluss für Landstrom gelegt, damit der Schiffsdiesel während der Liegezeit nicht laufen muss. Zurzeit prüft das WSA das Begehren.

„Die RSR Shipping kommt vollumfänglich für die Kosten von Konstruktion und Installation auf“, teilt Peter Wyss, Coordinator River Management der RSR, mit. Die Firma besteht seit 2012 und hat bereits Anleger etwa in Oestrich-Winkel, Traben-Trarbach und Düsseldorf gebaut. Laut dem Fachmagazin „Binnenschifffahrt“ herrscht bei der Flusskreuzfahrt ein derartiger Boom, dass freie Anlegestellen knapp werden. Die Reeder müssen die Liegezeit bei RSR buchen.

Die RSR hegt die Hoffnung, dass die Stadt Hanau sich an der Schaffung der „nachfolgenden Infrastrukturprojekte“ beteiligt. Dazu liefen Gespräche. Die Straßenanbindung, etwa für Tagesausflugbusse oder Lieferanten, besteht derzeit nur aus der Zufahrt zum Parkplatz am Amphitheater.

Wyss hat keine Zweifel, dass Hanau einen Halt samt Ausflug wert ist und keineswegs nur ein Stopp, um von dort Passagiere zu Ausflugszielen in der Umgebung oder nach Frankfurt zu fahren. „Wir glauben, dass Hanau das Potenzial hat, die Gäste von Flusskreuzfahrten zu überraschen und als Alternative oder Ergänzung zu existierenden Destinationen werden kann.“ Neben der „interessanten Stadt“ gibt es einen pragmatischen Grund: Zwischen Frankfurt und Aschaffenburg lägen einige Stunden Flussfahrt, da könne Hanau mit einer „attraktiv liegenden Liegestelle“ neue Möglichkeiten der Fahrplangestaltung bieten. Ob und wie oft Hanau in den Fahrplänen der Reeder stehen wird, ist offen. Das hänge stark vom touristischen Interesse der Kreuzfahrtgäste ab.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare