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Weder Hanau noch die Kirche können Finanzierung sichern - ein Trauerspiel

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Fast jedes Jahr muss das Box Gym Hanau um seine Zukunft bangen, weil es keine Regelfinanzierung bekommt. Ein heftiger Tiefschlag für das Vorzeigeprojekt. Unser Kommentar.

Es ist ein regelmäßiges Trauerspiel: Fast jedes Jahr muss das Box Gym um seine Zukunft bangen, weil es keine Regelfinanzierung bekommt, weder von der Stadt noch von der Kirche – trotz deren Lobreden auf das Präventionsprojekt.

Zwar sind die Verantwortlichen nicht untätig: Sie finanzieren das Juz, stellen die Räumlichkeiten für das Boxen zur Verfügung, und Bürgermeister Axel Weiss-Thiel (SPD) hat immerhin angekündigt, zur Boxnacht am Wochenende „einen Scheck“ mitzubringen.

Doch gemessen an den enormen sozialen Herausforderungen im Viertel, der hohen Nachfrage nach dem Angebot auch aus anderen Stadtteilen und den Erfolgen ist das Verweigern einer geregelten Finanzierung gar nicht nachvollziehbar. Es wirkt peinlich. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Stadt zum Beispiel mehrere Hunderttausend Euro für Videoüberwachung ausgegeben hat. Echte Prävention – auch gegen Konflikte unter Jugendlichen, nach denen Hanau 2017 bundesweit Negativschlagzeilen produziert hatte – sieht anders aus. Der vom Magistrat immer wieder vorgebrachte Einwand, die Stadt stehe nach wie vor unter dem „Rettungsschirm“ und müsse sorgsam haushalten, greift nicht. Schließlich erzielt sie seit Jahren hohe Millionenüberschüsse, klotzt in Bereichen wie der Imagepflege. Und das Box Gym braucht einen vergleichsweise winzigen Betrag: 20 000 Euro.

Ein schlechtes Bild geben Stadt und Kirche auch beim Juz ab. Sanierungen wurden immer wieder aufgeschoben, bis der Abriss feststand, Zuschüsse gekürzt. Hier ist die Situation seit Jahren prekär und die Zukunft ebenfalls ungewiss. Für die Jugendlichen, die Verlässlichkeit brauchen, und die Mitarbeiter, die alles geben, ist das ein heftiger Tiefschlag.

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