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Prinzessinnen im Schloss, diese Gelegenheit nutzten nicht nur Charlotte (5) und ihre Schwester Pauline (7, rechts).

Märchenfest

Großes Märchenfest in Hanau

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In Hanau verwandelten sich am Wochenende Schloss Philippsruhe und Park zu einem erlebnisreichen Ort.

Hanau befindet sich in diesem Jahr im Märchenrausch. Nach der Eröffnung des Grimms-Märchen-Reichs in Schloss Philippsruhe im April stieg am Wochenende das erste Märchenfest im Schloss und im Park der Sommerresidenz einstiger Hanauer Grafen l, und am kommenden Wochenende startet obendrein die 35. Saison der Brüder Grimm-Festspiele - vermutlich bei geeigneterem Wetter. Das meteorologische Vorspiel am Samstag mit Regen und knapp acht Grad Celsius sorgte zunächst für eine gebremsten Besucherstrom, der besonders das prachtvolle Schloss zu seinem Ziel machte.

Im Roten Saal ging es - abgesehen von den vielen Leuten - richtig kuschelig zu. Hanaus Märchenbotschafterin und Schauspielerin Marie-Luise Marjan, dem fernsehenschauenden Volk über Jahrzehnten als Mutter Beimer in der „Lindenstraße“ bekannt, saß dort in einem thronähnlichen, vergoldeten Gestühl und las aus „Dornröschen“. Zu ihren Füßen saßen in Halbkreisen Kinder, umrandet dicht stehend die Erwachsenen. Allesamt hören sie gebannt zu, als erführen sie zu ersten Mal vom Schicksal der Prinzessin. Als Marjan die letzte Worte des Textes ausklingen lässt, tost Applaus auf. Es kommt eben auch auf die Art des Vortrags an.

„Noch alles trostlos“, sagt im Park eine junge Mutter mit Kind an der Hand. Kaum besetzte Festzeltgarnituren und leere Deskchairs auf den weitläufigen Rasenflächen. Mancher Standbetreiber steht auch zu späten Mittagszeit noch allein unter dem weißen Wetterschutz, über dem noch graue Wolken schweben. Verwaist auch der Historische Markt. „Die erwarteten 20 000 Besucher werden es wohl nicht werden“, sagt die Frau am Stand der Deutschen Märchenstraße. Als am frühen Nachmittag die Wolkendecke aufreißt, zieht auch im Schlosspark das Leben ein. Unweit des mittelalterlichen Marktes steht das Publikum zahlreich im großen Kreis. Falkner Berthold Geis ist gerade dabei eine Greifvogelschau zu präsentieren, mit Flugvorführungen. Die Greifs, einst beliebte Helfer des Adels bei der Jagd, warten geduldig auf ihren Einsatz, der mit einem Fleischhappen belohnt wird.

Ein anderer Besucher hat noch keine rechte Meinung über das Märchenfest. „Schön ist es schon, aber doch eher was für Familien“, sagt der ältere Hanauer. Zumindest kann niemand über einen Mangel an Vielfalt klagen, besonders nicht die Kinder. Ponyreiten, Prinzessinnen-Styling oder „Märchenhaftes aus Papier“-Basteln zählten etwa zum Programm. Auf der Bühne an der Remisengalerie werden akustische Appetithappen der Brüder Grimm-Festspiele vorgetragen etwa Songs aus der Inszenierung der „Bremer Stadtmusikanten“.

Trotz herbstlicher Witterung konnte Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) am Sonntag nach dem Fest, das Stadt und „Hanauer Anzeiger“ organisierten, zufrieden verkünden, dass mehr als 10 000 Besucher gezählt worden seien. Bislang war der Kurpark Wilhelmsbad Austragungsort des Märchenfestes. Wegen der Eröffnung des Grimms-Märchen-Reichs, das an den beiden Tagen sehr gut besucht wurde, wird das Märchenfest auch künftig auf Schloss Philippsruhe gefeiert, heißt es vom Oberbürgermeister. „Die Menschen haben mit den Füßen darüber abgestimmt, dass dieses Fest an diesem Ort goldrichtig ist“, notiert Kaminsky.

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