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Ein Ort zum Trauern: das Gemeinschaftsgräberfeld auf dem Hauptfriedhof für fehl- oder totgeborene Kinder. Bildhauer Volker Rode gestaltete das steinerne „Tor zu einer anderen Welt“. Foto: Renate Hoyer
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Ein Ort zum Trauern: das Gemeinschaftsgräberfeld auf dem Hauptfriedhof für fehl- oder totgeborene Kinder. Bildhauer Volker Rode gestaltete das steinerne „Tor zu einer anderen Welt“.

Hanau

Grabfeld für die Ungeborenen

  • Detlef Sundermann
    vonDetlef Sundermann
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Vor 20 Jahren wurde das Kindergrabmal auf dem Hanauer Hauptfriedhof geschaffen. Damals war es ein bundesweit einmaliges Projekt.

Auch Eltern von fehl- oder totgeborenen Kindern müssen einen Ort zur Trauer haben“, sagt Werner Gutheil. Seit 20 Jahren gibt es diesen auf dem Hauptfriedhof, das mit im Rasen eingelassenen steinernen Sternen übersäte Grabfeld, mit seinem verspielt wirkenden Denkmal aus übergroßen Bausteinen. Gutheil, seinerzeit katholischer Klinikpfarrer, machte den Wunsch der Eltern zu seiner Herzenangelegenheit und initiierte das Kindergrabmal mit dem Bestattungsfeld als ökumenisches Projekt, das in dieser Form in Deutschland erstmalig gewesen seien soll. Dabei begaben sich die Akteure bei der Realisierung auf ein glattes Parkett.

Die Entstehung des Grabmals führt Gutheil auf ein persönliches Erlebnis zurück. Ein Mitglied der Stadtpfarrei habe ihm gesagt, er solle bei der Messe an ihre Tochter denken, die nunmehr ihre dritte Fehlgeburt erlitten habe. Als Gedenkort habe es nur ein anonymes Grabfeld gegeben.

Per se gilt nicht jede Totgeburt als Leiche. Laut hessischem Bestattungsgesetz ist dies erst ab einem Gewicht von 500 Gramm oder ab der 24. Schwangerschaftswoche der Fall, für alle Abgänge davor oder bei weniger Gewicht besteht kein Bestattungsrecht, damit muss das Standesamt auch keine Sterbeurkunde ausstellen.

Indirekt wurde mit dem Hanauer Vorhaben auch in die Diskussion um den Schwangerschaftsabbruch und der Frage, wann beginnt das Leben, eingegriffen. „Mit dem Kindergrabmal hat die Stadt Hanau eine ethische Aussage gemacht“, erzählt Gutheil, der heute Diözesanseelsorger für Trauernde im Bistum Fulda ist. Für ihn stand jedoch von Anfang an fest, bei der Trauerbegleitung der Eltern bleiben kirchliche Dogmen etwa um das Thema Abtreibung ausgeblendet. „Ich habe die Eltern immer begleitet und deren Entscheidung nie infrage gestellt“, so Gutheil.

Grabmal von Bildhauer Volker Rode

Mit der damaligen Oberbürgermeisterin Margret Härtel und dem Chef der Gynäkologie am Klinikum Hanau, Thomas Müller, fand er Mitstreiter. Auf dem Hauptfriedhof fand sich eine 600 Quadratmeter große Wiesenfläche für das Grabfeld. 100 000 D-Mark mussten dafür aufgetrieben werden, sagt Gutheil und nennt als einen der eifrigen Spendersammler Bernhard Eckenroth. An der Gestaltung habe sich vor allem Gärtnerin Verena Reelfs beteiligt. Das Grabmal schuf der Gelnhäuser Bildhauer Volker Rode.

Ab 2000 findet „immer am ersten Mittwoch im Quartal eine gemeinsame Beisetzung mit Gottesdienst des Klinikums und des St. Vinzenz-Krankenhauses statt, bei der alle in diesem Quartal verstorbenen Kinder beigesetzt werden“, sagt Klinikumssprecherin Janina Sauer. In der Regel seien es Kinder, die vor der vollendeten 23. Schwangerschaftswoche oder mit einem Gewicht unter 500 Gramm zur Welt kommen. Allein im Klinikum belaufe sich die Fallzahl auf 45 bis 50 Kinder.

Es gibt kein Einäschern. Die Holzwerkklasse der Ludwig-Geißler-Schule liefere regelmäßig kleine Särge. „Die in einem Quartal verstorbenen Kinder des Klinikums werden gemeinsam in einem Sarg bestattet“, so Sauer. Die Bestattungsstelle wird mit einem Stern markiert, in dem Monat und Jahr eingraviert sind.

Dass das Grabfeld eine hochemotionale Angelegenheit ist, zeigte sich in den ersten Jahren. Eltern drückten ihre Trauer mit zum Teil überbordeten Spielzeugansammlungen an den Grabstellen aus, was nicht zum Charakter des Areals passte.

Als nach der Zehn-Jahre-Ruhefrist die ersten Erinnerungsterne entfernt werden sollten, liefen betroffene Eltern dagegen Sturm. Wie zum Grabschmuck wurde auch hier am Rundtisch mit Eltern-, Kirchen- und Verwaltungsvertretern ein Kompromiss gefunden: Die Plüschtier werden nur an einer Stelle platziert und die Sterne bleiben nun.

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