Mit Hilfe des Heizwerks in Hanau-Wolfgang wollen die Stadtwerke ihren Wärmeabsatz ausbauen.
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Mit Hilfe des Heizwerks in Hanau-Wolfgang wollen die Stadtwerke ihren Wärmeabsatz ausbauen.

Hanau

Gewinn eingebrochen

  • Gregor Haschnik
    vonGregor Haschnik
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Das Plus der Hanauer Stadtwerke liegt 2016 nur bei 4,7 Millionen Euro, in den vergangenen Jahren waren es noch 7,5 Millionen. Schuld sei ein desaströser Großkunden-Vertrag.

Die Stadtwerke (SWH) spielen in Hanau und Umgebung eine gewichtige Rolle: Sie versorgen nicht nur 74 000 Kunden mit Energie, sondern haben in der Vergangenheit mit ihren satten Überschüssen auch die Millionenverluste der Hanauer Straßenbahn (HSB) und der beiden Schwimmbäder aufgefangen. Das Ergebnis in 2016 lässt dies nicht im gewohnten Umfang zu. Denn nach jeweils etwa 7,5 Millionen Euro in den vergangenen Jahren beträgt das SWH-Plus nach einem Gewinneinbruch nun lediglich 4,7 Millionen Euro, die noch mit dem zweiten Anteilseigner, der Mainova AG, geteilt werden müssen.

Während der Bilanzpressekonferenz sprach Claus Kaminsky (SPD), OB und SWH-Aufsichtsratschef, von einem „schwierigen Jahr, in dem eine außergewöhnliche Herausforderung zu bewältigen war“. Gemeint ist ein 2006 abgeschlossener und 2009 angepasster Vertrag mit einem Großkunden, durch den die SWH nach eigenen Angaben etwa fünf Millionen Euro verloren haben. Der Fall war im vergangenen Jahr öffentlich geworden, das genaue Ausmaß des Schadens erst jetzt.

Schuld daran soll ein früherer Mitarbeiter sein, der einem Hanauer Industrieunternehmen Vorteile verschafft habe – was erst um den Jahreswechsel 2015/2016 herum aufgefallen sei. Vereinfacht dargestellt, haben die SWH weit im Voraus große Mengen Energie eingekauft, dem Kunden aber zugesagt, dass er zum aktuellen Marktpreis kaufen könne. In der Folge seien die Preise deutlich gesunken, was zu dem hohen Verlust geführt habe.

Drei Lehren hätten die Stadtwerke aus dem Desaster gezogen, sagt Geschäftsführer Steffen Maiwald. Beim „risikoreichen, aber margenschwachen“ Vertrieb an die Industrie kooperieren die SWH nun mit der Mainova AG und greife auf deren Experten zurück. Den Einkauf von Strom und Gas übernimmt ein externer, darauf spezialisierter Dienstleister. Das Kontrollsystem sei verbessert und eine Compliance-Stelle geschaffen worden.

Die ehemalige Führungskraft habe falsche Angaben gemacht und den Vertrag Kontrollen entzogen, so die Vorwürfe. Laut einem Gutachten von Wirtschaftsprüfern könne man weder der aktuellen noch der damaligen Geschäftsführung „Kontroll- und Delegationsversagen“ vorwerfen. Es gibt aber Ungereimtheiten, die Fragen nach der Verantwortung von Management und Aufsichtsrat aufwerfen. So war die Zahl der Großkunden – sechs – überschaubar. Warum wurde nicht früher, intensiver geprüft? Ein strafrechtlicher Anfangsverdacht gegen den Mitarbeiter wurde nicht erhärtet, vor dem Arbeitsgericht einigten sich die Parteien auf einen Vergleich. Hinzu kommt, dass die Verträge vom Prokuristen mitunterzeichnet wurden und vor 2016 stets profitabel gewesen sein sollen.

Der Fall habe dem Ruf der SWH nicht geschadet, so Maiwald. Nach einem Rückgang in 2016 steige die Zahl der Kunden wieder, was er etwa auf Preisnachlässe und Fortschritte beim Service zurückführt.

Dass der Gewinn in 2016 nicht noch niedriger ausgefallen ist, liegt besonders an einem hohen Zuwachs beim Wärmeabsatz: um 16 Prozent. Der Technologiekonzern Heraeus wurde ans Netz angeschlossen. Das Plus ergibt sich aber auch aus der Stadtentwicklung. Hanau wächst und somit auch die Kundenzahl – was sich beim Trinkwasserabsatz ebenfalls widerspiegelt, mit einem Plus von vier Prozent.

Für 2017 rechnet Maiwald mit einem besseren Ergebnis, etwa 5,3 Millionen Euro würden am Ende zu Buche stehen. Gelingen soll dies auch mit einem weiteren Anstieg beim Wärmeabsatz, ein Plus von 30 Prozent in den nächsten fünf Jahren ist das Ziel – nicht zuletzt mit Hilfe der Entwicklung der Pioneer-Kaserne, wo ab 2018 ein neues Wohnviertel gebaut wird.

Die SWH streben eine größere Unabhängigkeit von der Fernwärme des Kraftwerks Staudinger an, das vor allem mit Steinkohle befeuert wird. Deshalb sollen bis 2022 25 Millionen etwa in eigene Heizwerke investiert werden. Darüber hinaus gehört der Einstieg in die Elektromobilität zum Zukunftsprogramm. Mit einem Partner wollen die SWH ein Netz von Ladestationen aufbauen. Außerdem beteiligen sich die Stadtwerke an einem Praxistest für Wasserstoff-Fahrzeuge, den der Evonik-Konzern startet.

Für die Beteiligungsholding Hanau (BHG), die etwa 20 städtische Unternehmen umfasst, ist der Gewinneinbruch bei den SWH ein harter Schlag. Der Verlust der BHG wurde in den vergangenen Jahren auf etwa 1,5 Millionen Euro verringert. So viel floss dann aus der Stadtkasse in die Holding, damit deren Eigenkapital nicht weiter schrumpft. Für 2016 muss die Stadt wohl deutlich mehr zuschießen.

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