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Mit Wut im Bauch protestieren OB Claus Kaminsky und der Bundestagsabgeordnete Sascha Raabe gegen die NPD auf dem Kurt-Blaum-Platz.
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Mit Wut im Bauch protestieren OB Claus Kaminsky und der Bundestagsabgeordnete Sascha Raabe gegen die NPD auf dem Kurt-Blaum-Platz.

Hanau Neonazis

Gemeinsam gegen Nazis

  • Gregor Haschnik
    VonGregor Haschnik
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Etwa 600 Menschen aus Gewerkschaften, Religionsgemeinschaften und allen Parteien demonstrieren in Hanau gegen eine Kundgebung der NPD. Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky lässt die NPD-Kundgebung schließlich "wegen volksverhetzender Aussagen" auflösen.

Etwa 600 Menschen aus Gewerkschaften, Religionsgemeinschaften und allen Parteien demonstrieren in Hanau gegen eine Kundgebung der NPD. Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky lässt die NPD-Kundgebung schließlich "wegen volksverhetzender Aussagen" auflösen.

Das Bündnis gegen die Rechtsextremen ist bunt. Viele Hanauer aus Einwandererfamilien haben sich auf dem Marktplatz versammelt, ihre Wurzeln liegen in der Türkei, Marokko, Italien, Kroatien und anderen Ländern. Politiker aller Parteien sind da, Vertreter der Kirchen und Moscheen, Gewerkschafter und viele andere. 600 werden es am Ende sein. Gemeinsam wollen sie sich der NPD in den Weg stellen und zeigen, dass in Hanau kein Platz für Rassismus ist.

Die Partei will am Dienstag eine Kundgebung in Hanau abhalten. Das Verwaltungsgericht Frankfurt hat die Veranstaltung genehmigt – nachdem die Stadt zuvor ein Verbot ausgesprochen hatte. Das Rathaus sah Sicherheit und Ordnung gefährdet, das Gericht teilte diese Ansicht nicht.

Auf unzähligen Fahnen und Transparenten zeigen die Gegendemonstranten, was sie von der NPD-Kundgebung halten: „Hanau hasst Nazis“ steht auf einem Schild am Brüder-Grimm-Denkmal, „Kehr Raus! Kein Nazi-Dreck in Hanau“ auf einem anderen. Teile des Platzes sind abgesperrt, die NPDler sollen dort ihre Rede halten. „Es freut mich, dass trotz der sehr kurzfristigen Einladung so viele gekommen sind“, sagt Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD). „Wir wollen keine Nazis in Hanau. Die NPD muss verboten werden.“ Die Demonstranten hätten in vielen politischen Fragen unterschiedliche Meinungen, sagt Kaminsky. „Aber heute ist es anders als in der Weimarer Republik: Wir stehen zusammen für die Demokratie! Nie wieder Faschismus!“, ruft der OB und die Menge klatscht.

Der Bundestagsabgeordnete Sascha Raabe (SPD) hält seine Rede mit viel Wut im Bauch: „Wir werden diese Nazis das Fürchten lehren. Brüllt sie nieder! Beschimpft sie! Zeigt ihnen, dass hier kein Platz für sie ist!“, ruft Raabe. „Aber wir müssen auch den Alltagsrassismus bekämpfen.“ Jeder müsse seine Stimme erheben, wenn Flüchtlinge von Bekannten oder Arbeitskollegen zu Sündenböcken gemacht würden. „Wie kann es sein, dass Menschen vor dem Giftgas aus Syrien fliehen und dann in Hellersdorf einem braunen Mob in die Augen schauen müssen?“

Um Viertel vor elf greift Kaminsky noch mal zum Megafon. Er fordert die Gegendemonstranten auf, zum Kurt-Blaum-Platz zu ziehen. Weil die Demonstranten den Marktplatz blockiert haben, muss die NPD auf den Platz am Rand der Innenstadt ausweichen. Die Polizei hat auch dort Metallgitter für die Trennung aufgebaut. Gegen 11 Uhr fahren ein Laster und ein Kleinbus der NPD vor. „Sicher leben! Asylflut stoppen“ und „Natürlich Deutsch“ steht darauf. Knapp zehn NPDler steigen aus, einige postieren sich um den Bundesvorsitzenden Holger Apfel, andere bauen die Lautsprecheranlage auf. Ein Anhänger der Partei heizt die Stimmung an, indem er Demonstranten filmt. Eier fliegen in seine Richtung. Als er später erneut auf die Demonstranten zugeht und die Kamera auf sie richtet, wird er von der Polizei abgeführt.

Gegen-Demonstranten jubeln

Nachdem Parteichef Apfel ans Mikrofon getreten ist, pfeifen die Gegendemonstranten noch lauter und skandieren immer wieder „Nazis raus!“. Weil die Partei ihre Anlage voll aufgedreht hat, verbreitet Apfel seine rechtsextremen Parolen in einer ohrenbetäubenden Lautstärke. Er spricht von „marodierenden Ausländerbanden“. Es werde der Tag kommen, an dem „die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden“ für das, was in Deutschland geschehe. Dann sagt Apfel, dass über Deutschland weder der Davidstern noch der Halbmond hängen dürfe.

Eine Kurdin, die sich in der Flüchtlingshilfe engagiert, hält es nicht mehr aus. Sie überwindet die Absperrgitter und läuft los. Polizisten packen sie und schleifen sie über den Boden. Demonstranten werden dieses Vorgehen später heftig kritisieren, als „brutal“ und „völlig unnötig“.

Kurz darauf steigt Kaminsky über die Barrieren und eilt auf die Polizei zu. „Die berufen sich auf das Grundgesetz und betreiben Volksverhetzung. Das lassen wir nicht zu!“, schreit er. Dann lässt er die NPD-Kundgebung „wegen volksverhetzender Aussagen“ auflösen. Die Partei packt ein, die Gegendemonstranten jubeln. Kaminsky geht auf einige zu: „Geht jetzt bitte einfach nach Hause. Ich will nicht, dass noch etwas passiert.“ Trotzdem versperren Demonstranten wenig später dem NPD-Bus den Weg, versuchen ranzukommen. Die Polizei geht dazwischen.

Atilla Ilkhan, Vorsitzender des Ausländerbeirates, hat die Kundgebung beobachtet. Er sagt: „Jetzt haben die Rechtsextremen wieder Aufmerksamkeit bekommen.“ Soll man die Nazis ignorieren? „Auf keinen Fall! Gegendemonstrationen sind das richtige Mittel. Ich bin stolz darauf, dass heute viele Hanauer protestiert haben.“ Das Problem sei die „schiefe“ Rechtslage: „Wie können Gerichte nur zulassen, dass solche Hetzparolen verbreitet werden?“, fragt Ilkhan.

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