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Gelb vor Liebe

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Von: Pamela Dörhöfer

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Der kleine Rifffisch lebt nicht in einem fernen tropischen Meer, sondern im Hanauer Aquarium.
Der kleine Rifffisch lebt nicht in einem fernen tropischen Meer, sondern im Hanauer Aquarium. © Monika Müller

Eigentlich sind die Hanauer Aquarien- und Terrarienfreunde schon 101 Jahre alt - ein Jahr verspätet ist das Jubiläum nachgefeiert worden. Der Stadtteil Tümpelgarten verdankt den Fisch- und Reptilienliebhabern übrigens seinen Namen.

Ganz nah kommen die Bart-agamen an die Scheibe ihres kleinen Refugiums, sehen sich durch das Glas neugierig die Besucher davor an. „Sie sind handzahm“, sagt Hans-Georg Schulten, Vorsitzender der „Hanauer Aquarien- und Terrarienfreunde“.

Der natürliche Lebensraum der 30 bis 50 Zentimeter großen Echsen ist Australien, ihre Umgebung im Vereinsdomizil ist ihrer ursprünglichen Heimat so weit wie möglich angepasst. Nebenan räkeln sich gelb-rot geschlängelte Kornnattern um einen Stamm.

Vor allem aber gibt es bei den „Aquarien- und Terrarienfreunden“ Fische zu bestaunen: zumeist tropische Fluss- und Meeresbewohner in den herrlichsten Farben und inmitten exotischer Umgebungen, die Gewässern in Asien, Afrika, Süd- und Mittelamerika oder Ozeanien nachempfunden sind. Wunderschöne Fadenfische, rot mit dunkelblauen „Fransen“, farbenprächtige Guppys, leuchtende Neonfische oder Zwergbuntbarsche mit einer Eigenart, die Ulrich Winkler schildert: „Beim Balzen werden die Weiber intensiv gelb.“

Am Wochenende haben die „Aquarien- und Terrarienfreunde“ ihr 100-jähriges Bestehen gefeiert – mit einem Jahr Verspätung: Denn eigentlich ist der Verein bereits 101, der alte, inzwischen nicht mehr aktive Vorstand beging das Jubiläum 2009 allerdings nicht.

Vieles erinnert bis heute an die Anfangszeit. Noch immer ist der Verein auf dem Gelände am Buchenweg 31 zu Hause, das die Mitglieder 1912 von der Reichsbahn zunächst pachteten und 1927 schließlich erwarben. Das 1,4 Hektar große Areal ist eine grüne Oase mitten in Hanau, ein kleiner Urwald mit üppig wuchernden Pflanzen und viel Wasser: „Die Teiche auf unserem Grundstück haben dem Stadtteil Tümpelgarten den Namen gegeben“, sagt Vereinsmitglied Günter Winter. Ein solches Biotop zieht natürlich allerlei Getier an: Fledermäuse etwa, Teichhühner oder sogar einen Feldhasen. Bussarde werden durch die Vögel von Mitgliedern des befreundeten Kanarien- und Vogelschutzvereins in den großen (schützenden) Volieren angelockt: Sittiche und Kanarienvögel zwitschern hier den ganzen Tag.

Aus den frühen Jahren der Vereinsgeschichte stammt auch das Herzstück der Anlage, das 1929 erbaute „Haus der Zierfische“; Böden und etliche Einbauten sind noch original. Besucher können sich dort wie in den Tropen fühlen, so warm und feucht ist die Luft: „Wir heizen unsere Aquarien allein über die Raumtemperatur und sind damit in Hessen einmalig“, sagt Schulten. In rund 60 Aquarien tummeln sich mehr als 150 Fischarten, viele züchten die Mitglieder selbst. Seltenheitswert hat auch das große Paludarium, ein Aquaterrarium mit einer tropischen Sumpflandschaft und 1400 Litern Wasser; beides samt schillernden Bewohnern.

Hinter der optischen Opulenz steckt ein Zeit forderndes Hobby: Die Tiere müssen alle zwei Tage gefüttert, Aquarien und Terrarien penibel sauber gehalten werden. 50 Mitglieder hat der Verein, aber es mangelt an Nachwuchs. Dass die Pflege und Zucht von Fischen und Echsen ein reines Männerhobby ist, dieses Klischee greift bei dem Traditionsverein indes nicht ganz: Immerhin ein Drittel der Mitglieder sind Frauen.

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