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ACE-Vertreter testen Verkehrspunkte in Hanau.

Verkehr

Gefahr an Bushaltestellen

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Hanau Der Auto Club Europa (ACE) hat bei Tests Gefahrenpunkte am Klinikum und an der Friedrichstraße ausgemacht.

Die S-Kurve, die an der Psychiatrie des Klinikums Hanau beginnt und in Richtung Heraeus verläuft, ist scharf. Auch deshalb ist hier nur Tempo 30 erlaubt. Ein Bus stoppt an der Haltestelle schräg gegenüber der Psychiatrie. Den Gegenverkehr kann der Autofahrer, der direkt hinter dem Bus steht, nicht sehen, aber er hat keine Geduld – und überholt den Bus. Es kommt ihm niemand entgegen. Es steigt auch kein Fahrgast aus dem Bus und läuft ohne zu schauen über die Straße. Glücklicherweise.

Zahlreiche Autofahrer überholen trotz Gegenverkehr

Der Autofahrer ist bei weitem nicht der einzige, der an dieser Stelle ein hohes Risiko eingeht. Die Tester des Auto Clubs Europa (ACE) Main-Kinzig & Wetterau haben das Verhalten der Autofahrer am vergangenen Donnerstag eine Stunde lang beobachtet. Das Ergebnis: 13 Autofahrer, ein Motorradfahrer und ein Rollerfahrer haben trotz Gegenverkehr und schlechter Sicht einen Bus überholt. „Um die Sicherheit an dieser Stelle zu erhöhen, fordern wir die Stadt Hanau auf, dort eine durchgezogene weiße Linie anzubringen“, sagt Uwe Völker, der beim ACE für Hessen zuständig ist.
An einer anderen Stelle, die der ACE am Donnerstag aufsuchte, gibt es bereits eine durchgezogene Linie: an der Bushaltestelle Friedrichstraße. Und trotzdem sind die Tester dort zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen wie an der Psychiatrie, genauso wie an einem Haltepunkt in Steinheim.

Erschreckend viele Autos und Motorräder überholen den Bus, obwohl dieser an der Haltestelle steht. Und das auch noch mit überhöhter Geschwindigkeit“, sagt Völker. Schon in den beiden ersten Testphasen Mitte Mai und Anfang Juni sei der ACE zu diesen Erkenntnissen gelangt, sagt Völker.

Sie beobachteten den Verkehr im Rahmen der bundesweiten ACE-Aktion „Nadelöhr Haltestelle“. Roman Maschkowitz hatte angeregt, diese Stellen unter die Lupe zu nehmen. Er ist Mitglied des ACE, aber auch bei der Hanauer Straßenbahn GmbH (HSB) beschäftigt und kennt somit die Gefahren an den Hanauer Bushaltestellen. Er berichtet, dass es täglich zu Beinahe-Unfällen komme, vor allem wenn der Berufsverkehr brummt und Schüler unterwegs sind. Bei den Fahrweisen, die der ACE jetzt beobachtet hat, seien Kinder besonders gefährdet, weil sie den Straßenverkehr oft nicht richtig einschätzen können.

Ordnungsamt will Hinweise der Tester prüfen

Bei Bussen ist grundsätzlich besondere Vorsicht geboten: Nach Angaben des ACE gab es 2012 in Deutschland außerorts und innerorts rund 4500 Verletzte bei Unfällen, an denen Busse beteiligt waren. 54 Menschen sind dabei getötet worden. „Nach unseren Beobachtungen wundern mich diese Zahlen nicht“, sagt der ACE-Kreisvorsitzende Franz Wolf.

Bushaltestellen seien auch deshalb besonders gefährlich, „weil hier häufig Menschen ein- und aussteigen, die es eilig haben“, sagt Wolf. Beim Klinikum komme hinzu, dass dort mehr Fahrgäste krank und daher nicht so gut zu Fuß seien. Hinzu komme, dass die Taktung der Busse recht eng sei und viele große Gelenkbusse unterwegs seien. Das mache den Überholweg länger, sagt Uwe Völker.

Thorsten Wünschmann, Leiter des Ordnungsamtes der Stadt Hanau, sagt – ebenso wie das Polizeipräsidium: „An diesen Stellen gibt es keine Unfallschwerpunkte.“ Dennoch will der Ordnungsamtsleiter die Hinweise des ACE prüfen. „Wir werden uns die Stellen genau anschauen und wenn nötig – in Einklang mit den Vorschriften – handeln“, verspricht Wünschmann.

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