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Frische Luft für den Schinderhannes

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Deftige Wirtshausszene aus dem Zuckmayer-Drama "Schinderhannes"
Deftige Wirtshausszene aus dem Zuckmayer-Drama "Schinderhannes" © privat

Das passt zur Sommernacht: Die Theaterproduktion Hoffmann-Wacker spielt das Zuckmayer-Drama am Wochenende im Freilicht-Theater. FR-Mitarbeiterin Rebekka Sambale war bei den Proben.

Von Rebekka Sambale

"Achtung! Stillgestanden!“ Wer in die Probe reinplatzt, ist sofort mitten im Geschehen. „Ich will euch zeigen, was militärisch ist, bis euch das Blut in den Stiefeln steht“, schnauzt Peter Clös in seiner Rolle als Offizier die angehenden Soldaten an. In Büchnerscher Woyzeck-Manier geht es weiter: „Achtung, abzählen!“ Noch stehen die Schauspieler in Turnschuhen und T-Shirt im Probenraum. Auf die Freilichtbühne in Wilhelmsbad geht es heute.

Mit ihrer Inszenierung des „Schinderhannes“ von Carl Zuckmayer ist die Theaterproduktion Hoffmann-Wacker zum ersten Mal zwischen den alten Scheunen der ehemaligen Kuranlage zu Gast. Dennoch kann sich das Künstlerehepaar Ingrid Hoffmann und Franz Wacker ganz zu Hause fühlen. 2003 haben die beiden die eigene Theaterproduktion in ihrer Heimatstadt Hanau gegründet.

„Schinderhannes Johannes Bückler hatte menschliche Züge“, betont Franz Wacker, der Regie führt. Wird er auf die Hintergründe der Geschichte um den legendären Räuberhauptmann angesprochen, kommt er aus dem Erzählen gar nicht mehr heraus. Der Zuhörer hat fast den Eindruck, Wacker habe selbst zu den Zeitgenossen dieses Johannes Bückler gehört, der Ende des 18. Jahrhunderts als Schinderhannes sein Räuber-Unwesen trieb.

Der „Robin Hood der Armen“, wie er im Volksmund genannt wurde, teilte seine Beute immer wieder mit den Schwachen der Gesellschaft. Hier sieht Wacker den Bezug zur Gegenwart: „Die Verarmung nimmt auch heute immer mehr zu“, sagt er.

„Wer muss den Krieg bezahlen? Wir!“, ruft unterdessen Sascha Stegner in der Rolle des Bauern. Innerhalb einer Minute sind auf der Bühne alle in Rage – einen Augenblick später kann es bei den Proben auch wieder ganz still zugehen. Jeder Akteur denkt sich tief in seine Rolle hinein und kommt mit einem Energieschub auf die Bühne zurück, als stecke er in einem neuen Körper. Es ist ganz offensichtlich, dass alle Anwesenden professionelle Schauspieler sind. Wenn einer zur Probe nicht erscheinen konnte, dann deshalb, weil er auf anderen Bühnen Deutschlands im Einsatz war. „Bremerhaven, Mannheim, Hamburg“ – Wacker zählt einige der Orte auf, an denen Mitglieder seines Ensembles derzeit verpflichtet sind.

Alle gesprochenen Texte entstammen dem 1927 uraufgeführten Schauspiel von Carl Zuckmayer. Lediglich die Rollen mussten etwas umverteilt werden. Für die vorgesehenen 54 Personen fehlen dem Ensemble die Kapazitäten. In Wilhelmsbad stehen lediglich 18 Darsteller auf der Bühne. Ganz originalgetreu ist dagegen der hessische Dialekt. Schließlich lagen die Raub-Gefilde von Johannes Bückler am Hunsrück. „Das kann man gar nicht übersetzen“, meint Franz Wacker und grinst angesichts einiger typischer Aussprüche.

Alle Zugezogenen können jedoch beruhigt werden. Auch der Nicht-Hesse versteht Benedum, den Kumpanen des Schinderhannes, wenn er seine Weisheit zum Besten gibt: „Wolle wolle mir nit, aber müsse werde mir müsse.“

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