Main-Kinzig

Förderschule in Hanau muss mit massiven Kürzungen rechnen

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Kinder und Eltern der Elisabeth-Schmitz-Schule in Hanau kämpfen gegen Einschnitte. Das Ministerium weist Kritik zurück.

Luis Adam, stellvertretender Schulsprecher, wendet sich in einem eindringlichen Schreiben an seine Mitschüler: "An unserer Elisabeth-Schmitz-Schule sollen ab dem nächsten Schuljahr acht Lehrer weniger arbeiten", befürchtet er und beschreibt die drohenden Folgen: Die Abteilung körperliche und motorische Entwicklung (kmE) falle praktisch weg, so dass Probleme in dem Bereich nicht mehr interessierten und Lehrer viel weniger Zeit hätten. Die Klassenstärke steigt auf bis zu 16; es wird zu laut und fehlt an Platz für Hilfsmittel wie Rollstühle. "Das müssen wir verhindern!"

Hintergrund sind vom Schulamt geplante Kürzungen. Die Schule hat in erster Linie den Förderschwerpunkt Lernen, aber auch eine Abteilung für kmE. Sie wird von etwa 180 Schülern besucht, rund 130 haben einen Förderbedarf mit Schwerpunkt Lernen. Bei 51 steht die kmE im Vordergrund, wobei viele von ihnen Lernen als zweiten Bedarf haben.

Ministerium spricht von Korrektur

Wie Eltern der FR sagten, solle im Prinzip der Förderschwerpunkt für die Kinder aufs Lernen reduziert werden. So wären 16 Schüler in einer Klasse erlaubt, beim Schwerpunkt kmE, der besser ausgestattet wird, sind es acht. Die Schule setzt auf ein Mischkonzept mit zwölf Schülern - mit körperlicher und/oder Lernbeeinträchtigung - pro Klasse. Für das kommende Schuljahr soll es 30 neue Anmeldungen geben, was die Eltern auch auf schlechte Bedingungen für Inklusion an Regelschulen zurückführen. Durch die Einschnitte wären demnach statt 18 Klassen zwölf möglich. Auch pädagogische und therapeutische Ressourcen würden gekürzt.

Das Kultusministerium teilt auf FR-Anfrage mit, die Elisabeth-Schmitz-Schule habe bisher die Mittel einer Schule mit Förderschwerpunkt kmE erhalten, obwohl sie keine entsprechende Schule sei und nicht diese umfassenden Aufgaben erfüllen müsse. Daher "wird die beantragte Zuweisung korrigiert", zu Gunsten anderer Schulen. Insgesamt gebe es in der Region keine Einsparungen.

Widerspruch von Eltern und Schulleitung

Die Schmitz-Schule habe zum Beispiel keine Schüler im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. Das bedeute für den Unterricht eine geringere Bandbreite, um Bildungsgänge oder "Bedarfslagen" abzudecken. Für 2019/20 bekomme die Schule jedoch neben der Zuweisung für Lernen – 351 Stunden – einen spürbaren und dauerhaften Zuschlag für Schüler, die körperliche und Lernbeeinträchtigungen haben: 117,35 Stunden in der Abteilung.

Eltern und Schulleitung widersprechen entschieden: "Die 51 Kinder mit Schwerpunkt kmE haben das Recht auf zusätzliche Stunden, die das Schulamt aber sparen will", sagt Mutter Alexandra Cremer, die Vorsitzende des Netzwerks Inklusion Deutschland ist. Die "Zulage" decke wohl nicht mal die Hälfte des Anspruches. Und die Schule habe sehr wohl besondere Aufgaben, etwa die Vorbereitung auf den Hauptschulabschluss.

Gregor Haschnik

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